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Dienstag, 10. September 2024

Model me this

“Overawed by what they do not understand, they mistakenly distrust their own common sense and adopt inappropriate procedures devised by mathematicians with no scientific experience.”

Excellent article by Jessica Weinkle on modeling and climate risk assessment.

“Climate change advocates, media, lawsuits, politicians, and financial interests align to make a terrible muddle out of the science on disasters, economic losses, and climate change.  Meanwhile, the public has a real insurance problem.”

I personally believe this is part of the “searching under the light fallacy”. Following the old joke.

It is really hard to get the right data and accurate models to help understanding a specific problem. Not only in “climate”. “Data science” today more often does the inverse: which data is easily accessible; data quality, relevance... not so important. Then we apply “state of the art statistics and — most importantly — AI” and the “scientific”paper and the media headline are finished.

Samstag, 6. April 2024

Revolution is Coming...

Revolution is Coming 

»Wir müssen uns hier für einen Augenblick in die Zeit unmittelbar vor der Unterdrückung der Demokratie und der Einführung des totalitären Regimes zurückversetzen. Dieses Stadium wird beherrscht von dem allgemeinen Verlangen nach schnellem und entschlossenem Handeln der Regierung und von der Unzufriedenheit mit dem langsamen und schwerfälligen demokratischen Geschäftsgang, was dazu führt, daß ein Handeln unter allen Umständen gefordert wird.«


I am not a biologist 

»Das Volk wird dahin gebracht, seine Anhänglichkeit an die alten Götter auf die neuen zu übertragen, indem behauptet wird, die neuen Götter seien in Wahrheit das, was sein gesunder Instinkt ihm zwar immer gesagt, aber was es vorher nur unklar erkannt hätte. Die erfolgreichste Technik zu diesem Zweck besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern. Wenig Merkmale der totalitären Regimes verwirren den oberflächlichen Beobachter so sehr und sind gleichzeitig so charakteristisch für die ganze geistige Atmosphäre wie die völlige Verdrehung der Sprache und der Bedeutungswandel der Wörter, in denen die Ideale des neuen Regimes zum Ausdruck gebracht werden.«


Trigger Warning!

»Das Volk wird dahin gebracht, seine Anhänglichkeit an die alten Götter auf die neuen zu übertragen, indem behauptet wird, die neuen Götter seien in Wahrheit das, was sein gesunder Instinkt ihm zwar immer gesagt, aber was es vorher nur unklar erkannt hätte. Die erfolgreichste Technik zu diesem Zweck besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern. Wenig Merkmale der totalitären Regimes verwirren den oberflächlichen Beobachter so sehr und sind gleichzeitig so charakteristisch für die ganze geistige Atmosphäre wie die völlige Verdrehung der Sprache und der Bedeutungswandel der Wörter, in denen die Ideale des neuen Regimes zum Ausdruck gebracht werden.«

»Freiheit ist keineswegs das einzige Wort, dessen Bedeutung ins Gegenteil verkehrt worden ist, damit es zum tauglichen Instrument der totalitären Propaganda wird. Wir haben schon gesehen, wie dasselbe mit den Wörtern Gerechtigkeit, Gesetz, Recht und Gleichheit geschieht. Diese Liste könnte so lange fortgesetzt werden, bis sie fast alle gebräuchlichen Ausdrücke der Moral und der Politik umfaßt

»Und diese Konfusion wird nur immer schlimmer, weil der Bedeutungswandel in der politischen Terminologie nicht ein einmaliger Vorgang, sondern ein fortdauernder Prozess, ja, eine Technik ist, die bewußt oder unbewußt zur Gängelung des Volkes benutzt wird. Nach und nach wird im Verlaufe dieses Prozeßes die ganze Sprache geplündert, und schließlich werden die Wörter zu leeren Gehäusen ohne feste Bedeutung, so daß man mit ihnen auch das Gegenteil bezeichnen kann und sie nur noch zum Ausdruck der Gefühlsassoziationen gebraucht werden, die mit ihnen einhergehen.«

Im Versuch, die Sprache bis ins Kleinste zu regulieren hat die Stanford Universität (sic!) im Jahr 2022 ein Dokument herausgegeben, das hunderte Begriffe in zehn Kategorien umdefiniert. Erst vor wenigen Jahren wurde gefordert, »problematische Inhalte« mit »Trigger Warnings« zu versehen. Alles, was potenziell irgendjemanden verstören könnte (an einer Universität!) sollte mit einer Warnung vorweg versehen werden. Nun stellt sich heraus, dass selbst das Wort Trigger Warning etwas triggern könnte und ist selbst wieder zu ersetzen, durch Content Warning. Zu Beginn dieses Dokumentes gibt es selbst eine Trigger — Verzeihung — Content Warning über das eigene Dokument, denn die Worte, die erklärt werden können, offenbar großen Schaden anrichten. Dieses Dokument hat die Absurdität so auf die Spitze getrieben, dass es letztlich, nachdem es von Medien aufgegriffen wurde, in dieser Form in Stanford nicht umgesetzt wurde. Das bedeutet nicht, dass derartige Richtlinien nicht an zahlreichen Universitäten und Behörden zum Standard geworden sind. 

Ziele und Mittel 

»Wenn das Volk rückhaltlos hinter der Gesamtpolitik stehen soll, dann muß es davon überzeugt werden, daß nicht nur das Ziel, sondern auch die dafür eingesetzten Mittel die richtigen sind.«

Björn Lomborg und andere kritisieren regelmäßig die Mittel, die eingesetzt werden, um das Problem des Klimawandels zu adressieren. Wer aber die Mittel kritisiert, wird zum Leugner des Problems (und auch gleich zum Frauenfeind) erklärt.

Kriegswirtschaft 1940 und 2024

»Am meisten muß uns vielleicht die Tatsache alarmieren, daß die Verachtung für die geistige Freiheit nicht erst auftritt, nachdem das totalitäre System errichtet worden ist, sondern überall unter Intellektuellen zu finden ist, die sich einem kollektivistischen Glauben hingegeben haben und als geistige Führer sogar in solchen Ländern gelten, die noch immer unter einem liberalen Regime leben.«

Heute schlägt die deutsche Journalistin Ulrike Hermann unverblümt vor, in eine »Kriegswirtschaft« und damit eine Planwirtschaft zu wechseln, weil das vermeintlich die Probleme der Zeit lösen soll und erreicht damit bemerkenswertes Echo in Teilen der »intellektuellen« Elite. 

»Die deutsche Autorin Ulrike Herrmann prophezeit den Untergang des Kapitalismus und stellt die Gesellschaft vor die Wahl: Chaos und Katastrophen – oder ein sofortiger Übergang zu Kriegs- und Kreislaufwirtschaft.«, NZZ (2023); weiters: Blätter (2022); SWR (2023)

Referenz

Alle Zitate in diesem Artikel stammen, sofern nicht anders gekennzeichnet, aus dem herausragenden Buch  Friedrich A. von Hayek. Friedrich Hayek - Der Weg zur Knechtschaft aus dem Jahr 1945!

Sonntag, 5. November 2023

Renewables in Europe: Satire takes over News

Impossible to distinguish between satire and news any longer: The solar industry “warns” that (after important parts of Europe moved to solar and wind) the energy prices are so hight that there might not be much of a future for the industry in Europe:

“Europe's bid to expand its green tech industry faces a host of challenges, including high energy costs and supply chain issues, solar industry representatives gathered in Madrid warned on Thursday.”

"Europe isn't profitable"

But they are producing in China (~500g CO2e), Vietnam (~400g CO2e) and Thailand (500g CO2e). France by comparison has < 100g CO2e.


The production conditions of solar in China are especially relevant:

“But the majority of experts consulted by Environmental Progress agree that China’s competitive advantage did not lie in an innovative new technological process but rather in the very same factors the country has always used to outcompete the West: cheap coal-fired energy, mass government subsidies for strategic industries, and human labor operating in poor working conditions.”

Donnerstag, 13. Juli 2023

Eiszeit oder Klimakrise? Wissenschaft, komplexe Systeme und Prognosen.

In den 1970er Jahren wurde zur gleichen Zeit vor einer neuen Eiszeit und vor dem Klimawandel gewarnt, das sollten wir nicht aus den Augen verlieren:

»What scientists are telling us now is that the treat of an ice age is not as remote as it was once thought. [...] If we are unprepared, the result could be hunger and death on a scale unprecedented.«

Besonders die 1970er Jahre waren eine Zeit steter apokalyptischer Prognosen, von denen keine eingetroffen ist. In den meisten Fällen ist sogar das Gegenteil eingetreten.


Wissenschafter prognostizieren eine Menge über die Zeit. Vor allem wenn es sich um komplexe Systeme dreht, sind die Prognosen häufiger falsch als richtig. Leider mangelt es vielen an der Bescheidenheit, das einzugestehen. Apokalyptik verkauft sich besser, so wie es aussieht wohl auch in der Wissenschaftsfinanzierung.

Bedeutet das, dass der Klimawandel kein Problem ist? Natürlich nicht. Es bedeutet aber, dass wir uns viel breiter als Gesellschaft auf alle möglichen Probleme vorbereiten sollten und keinesfalls wie das Kaninchen auf die Schlange Klimawandel blicken sollten. Das geht in die Hose. Vor allem auch dann, wenn die Maßnahmen so ungeschickt sind — wie wir sie heute etwa in der Energiepolitik erleben — und damit die Medizin mehr Schaden als die Krankheit anrichtet.

»We are always well prepared for the wrong disaster. […] But history warns us that you don’t get the disaster you prepare for.« , Niall Ferguson



Freitag, 23. Juni 2023

Existential Threats

What is an existential risk? The Cambridge Existential Risks Initiative (CERI) uses the following definition:

“An 'existential risk' (x-risk) is an event that could permanently and drastically reduce humanity’s potential, for example by causing human extinction.”, CamXRisk

A problem with discussing existential risks is that the definitions or understandings of it are quite ambiguous. Also, the Cambridge definition has a weakness. What does drastically mean specifically? 

I would try my own definition:

An existential risk to humanity is a threat that could damage large parts of the planet or human structures or kill  large parts of humanity to an extent or in a way, that a recovery to modern levels of society is not likely within a timeframe of a centuries.  

Every definition has its weaknesses, but I think we have a working understanding of what we are talking about. Of course, even if an existential threat does not go the full way, say we would face a nuclear exchange that is limited to Europe, the effects on the global society might not be existential in the narrow sense of the meaning but still very dramatic. Lastly, we have to keep further parameters in view, such as timeframe (how fast does the risk play out once it happens) and range of effects (how far-reaching is the effect, e.g. does it hit “only” humanity, or the whole global ecosystem).


Now having the definition game out of the way, what existential risks are out there, can we list and maybe even rank them? Or does a ranking of existential threats make no sense at all?  Existential means, (1) huge consequences when the worst case happens and evidently also (2) it did not happen yet, at least not to our modern society. That means, we have no proper statistical basis to draw reliable conclusions from. A ranking could be based on probabilities of entry and severity of effect. But as we do not have sufficient data from prior cases for that reason, probability of entry are very vague and usually just guesses. The same is true for the severity of the effect. As Niall Ferguson writes:

“A pandemic is made up of a new pathogen and the social networks that it attacks. We cannot understand the scale of the contagion by studying only the virus itself, because the virus will infect only as many people as social networks allow it to. At the same time, a catastrophe lays bare the societies and states that it strikes”

This is not only true for pandemics, but for other societal and potential existential risks as well. To estimate the effect of an existential risk thus means (1) we have to understand the mechanic of the risk very well and (2) how societies react to it. For that reason, the situation can be counterintuitive in numerous instances. For instance, climate changes and yet predicted (and reported) effects do not actually happen:

“annual US deaths from tornadoes have fallen by more than a factor of ten since 1875” 

or extreme weather events might increase in some places and still:

“weather-related death rates fell dramatically during the past one hundred years even as the globe warmed 1.2°C (2.2°F); they’re about 80 times less frequent today than they were a century ago. That’s largely due to better tracking of storms, better flood control, better medical care, and improved resilience as countries have developed. A recent UN report confirms the trend over the past two decades.”, Steven Koonin, Unsettled

Of course, this could change significantly should we come into a runaway situation, which some climate scientists are afraid of but others dispute. The bottom line is: we usually know much less about the mid or long-term outcomes of complex systems than we think we do.

So, any ranking of existential risks tends to be a fools' errand. Thus, in my list the ranking is not to be taken too seriously, but it is not entirely negligible. For instance,  nuclear weapons are number one for a good reason: There is a reasonable chance for a full nuclear exchange, and the consequences are absolutely catastrophic, mitigation and adaptation are minimal, and all that happens in a very short timeframe. Whereas population collapse is a significant threat for our society and there is little room for mitigation, but plays out over decades or centuries, and we can hope for adaptation measures. Climate change is in between, and actually very similar in its mechanic: there is not a lot we can actually do to mitigate, especially in a short time frame, and the effects will most likely play out over long periods of time, which again, opens room for adaptation. But the effects are wider ranging than population collapse, in that the whole biosphere is effected.

These are the reasons why climate change is not in the top five in my list. It is not one event, it is gradual and adaptation much more likely than a nuclear war. Other large humanitarian problems like hunger, poverty or malaria are not on that list either. These, and many others, are terrible threats to human flourishing in parts of the world but are not threatening humanity in a larger or long-term sense. They are rather effects of other problems. Again, this does not mean, we should not do anything against those, but it is simply not the focus of this discussion.

Systemic aspects of most existential threats forbid a naive reading, in the sense, that we should work the list from top to bottom and only continue to “the next action item” once we have completed the previous. In fact, the most fundamental insight is, that there is not one “biggest problem”, not even three or five. Living in a modern, complex society — in the Anthropocene — has positive effects:  we are farther away from nature, safer and with much higher living standards than ever before. We do not die any longer in harmony with nature, as Hans Rosling put it. But it also has negative effects which can be, unfortunately, existential. Many, if not most, of the threats on this list are connected in complex ways. This means, we most likely cannot solve any of those, especially not in isolation. But it also means that we got our priorities wrong in the last decades. 

»We are always well prepared for the wrong disaster. […] But history warns us that you don’t get the disaster you prepare for.« , Niall Ferguson

and

“For every potential calamity, there is at least one plausible Cassandra. Not all prophecies can be heeded. In recent years we may have allowed one risk — namely climate change — to draw our attention away from the others.”

Also, as mentioned above, some threats are on the list are not isolated but can be seen as a potent trigger for other threats, e.g. political extremism or collapse of infrastructure.

Thus, focusing on the mitigation of one risk alone (e.g. climate change), can dramatically increase other risks, as each medication has side effects. Would we, for instance, Just stop oil, this would be a guarantee of an existential disaster for humanity. Often, we did not only get the priorities wrong, but our activities were so inept that they, in fact, increased the risk they were supposed to mitigate and also negatively affected many other risks, especially the ones higher on the list. 

Not focusing our attention on one risk alone is clearly not easy considering the dominating mode of (legacy) media and politics. But it is like not smoking to stay healthy, while at the same time driving a motorcycle and doing wingsuit jumps from mountains. Whatever we do should be a wide-ranging approach, trying to make our society more resilient against various risks, for instance: 

  • Increasing diversity (in supply chains, food production, energy systems, ...).
  • Providing redundancy for important services (grid replacement part agains Carrington events, emergency hospital beds, etc).
  • Preparing for catastrophes with emergency management, properly funded military, etc.
  • Decoupling (for instance financial services), so that a catastrophe in one country does not immediately spill over to others.
  • Creating smaller decoupled, redundant structures that organise bottom up, not heavyweight top down ones.
  • Making societies more wealthy and educated in general helps the society to be better adapted to critical events. This clearly stands in opposition to the ideas of many “progressives”.
  • Try to estimate the positive effects of an intended measure per Euro spent instead of following ideology-driven activities.

One example, where we failed in an embarrassing way and saw our near total lack of preparation is the Covid crisis, to just mention a few aspects:

  • Even though pandemics of this type happened in the past and were predicted by experts, we had no proper studies, which emergency measures would be actually helpful (and even three years later the knowledge is scarce). 
  • We had no PPE stocked in reasonable quantities, not even for medical personel.
  • We had not even crisis processes defined. In the middle of the first lock down, I followed a discussion in German media, where experts were contemplating, where infected people should do. Should they go to the general practitioner or not, to the hospital, etc? 
  • We had no clear and unifying reporting framework established, and even years into the pandemic the data quality was bad.
  • We had no prepared plan how to come to reasonable conclusions quickly, which actions to take (virologists are not the only experts that have a say in a pandemic).

All of these preparations would not have been expensive at, especially considering the cost the lack of preparation inflicted on our society and the fact that we had people whose job it was to do just that.

I think we can create a much more resilient society and mitigate some of the risk, and adapt to others — maybe shift them from existential to problematic, so to speak. Now to come to a suggested list of existential threats with a vague prioritisation subject to what was said before:

  1. Nuclear weapons, voluntary and especially also  involuntary deployment (as we had a very close shave more than once)
  2. Natural or engineered pathogens leading to pandemics — especially considering the recent developments in synthetic biology
  3. Collapse of critical infrastructure (or multiple infrastructures in a domino effect, e.g. ICT failure or attack on ICT triggering energy problems, or financial services supply chains, etc.) that supports or modern society due to human errors or complexity spinning out of control, such as
    • energy infrastructure (e.g. way too little supply of fossil fuel in the next decades; large scale collapse of grids)
    •  global financial system
    •  ICT
    •  supply chains
  4. Solar Superstorm (also called a Carrington Event) which could destroy large parts of modern electrical infrastructure at once. It happened already in the past, for instance in the year 1859 (where the damage was limited for obvious reasons), but we also had a close shave in July of 2012. Also insurances describe that risk, for instance Lloyds:
    • “A Carrington-level, extreme geomagnetic storm is almost inevitable in the future.”
    • “The total U.S. population at risk of extended power outage from a Carrington-level storm is between 20-40 million, with durations of 16 days to 1-2 years.”
  5. Run away automation / robotic (»AI«, but on a more general level), especially in combination with one of the other risks on the list;
  6. Climate change (especially in the case that tipping points and runaway climate change occur)
  7. Nanotechnology or other ways of dramatically changing manufacturing and chemistry leading to nanomachines
  8. Population collapse is an existential threat in slow motion; “Will civilisation end with a bang or with a whimper? It is currently trending to end with a whimper in adult diapers.”, Elon Musk
  9. Ecosystem collapse, biodiversity catastrophe / “global domino effect”
  10. Unknown unknowns
  11. Green Genetical Engineering gone wrong
  12. Political/religious extremism (probably not per se, but in combination with or as a trigger of other factors mentioned above, e.g. nuclear weapons, bioweapons, etc.)
  13. Asteroid impact on Earth (which is so low on the list, because of the assumption, that we should be able to detect this threat early enough and mitigate it)
  14. Geoengineering accident

This list is thought as an encouragement to discuss this issue. Is the order correct? Probably not. Is something missing? I researched for a time to come up with that list, still, most likely I forgot something. This is also why one article focuses on unknown unknowns. This is important. As our knowledge is very limited, it appears to be much wiser to prepare our society for impacts of different types, as mentioned above. 

But is the idea of existential threat actually credible? Some pundits say that eventually humanity turned out to be more resilient than we believed at times (see also  Apocalype Always).  But I think it is short-sighted and such hand-weaving comments are problematic. It seems to be difficult to argue that e.g. nuclear weapons are not an existential threat. Just because someone played Russian Roulette six times and did not die, does not make it a save pastime. 

The confusing fact that nuclear weapons also (most likely) avoided world war three in the past indicates how complex the situation is. Mutual assured destruction, on the one hand, might have avoided a war, but should it still come to a war — even due to technical or human error, as we have seen in the past — it would be, well, mutually destructive. There is no way around it. 

And this paradox seems to be a common attribute of many modern technologies, which seem to make the edge between benefit and catastrophe ever sharper. So we are well advised to take these threats seriously. But to reiterate a point, I made in the beginning: it is a major mistake to mostly focus on one threat in this list and believe we can reduce our societal risk. 

We will not. 

Dienstag, 28. März 2023

Follow the Science or Elitist Delusion?

“We know precisely and scientifically what the effects of pollution, waste of natural resources, the population explosion, the armaments race, etc., are going to be. We are told so every day by countless critics citing irrefutable arguments. But neither national leaders nor society as a whole seems to be able to do anything about it.”

When was this written?

Ludwig von Bertalanffy in 1926

The Austrian biologist and system thinker Ludwig von Bertalanffy wrote this in his excellent book General Systems Theory from 1969 (highlights by me). This was common thinking in the first half of the 20th century where many intellectuals believed in scientific management and politics. For instance the very influential intellectual Alfred Korzybski wrote in Manhood of Humanity (1921):

“it will give a scientific foundation to Political Economy and transform so-called “scientific shop management” into genuine “scientific world management.”

It turns out that the precise and irrefutable arguments tend to hold relatively little water in the long term in complex global systems. Most predictions of that type, which were based on irrefutable arguments, turn out to be wrong indeed.

There is no need though to repeat such mistakes 60 years later over and over again. For instance, in believing predictions of economist or eXtinction rebellion or even worse, Last Generation, who all refer to irrefutable arguments, that are not to be discussed any longer by anyone else than them, the high priests of knowledge.

If anyone claims things are alternativlos, or not to be questioned, we do good to question these ideas especially hard and remove such leaders from power as quickly as possible. They are the most dangerous ones.

To be fair to Bertalanffy though, he also writes in this book the following, very powerful quotation:

“We have a fair idea what a scientifically controlled world would look like. In the best case, it would be like Aldous Huxley’s Brave New World, in the worst, like Orwell’s 1984.”


Freitag, 17. März 2023

The chance that there will be any permanent ice left in the Arctic after 2022 is essentially zero

 "The chance that there will be any permanent ice left in the Arctic after 2022 is essentially zero"

How did this prediction by Harvard climate scientist James Anderson in 2018 published in my favourite media outlet Forbes turn out?

Arctic Ice Cover March 2023 (NASA)

This NASA graph with data up to 2023 shows the current ice cover pretty much in the middle of the years 2012–2023.

What do we learn from that?

  1. Check for the track record and do not read media that is regularly wrong
  2. Immediately ignore what one single scientist says; to speak with Nassim Taleb: “Science is great, scientists are dangerous”
  3. Do not support catastrophism. It is most likely not true and harms reasonable steps to approach the fact, that we indeed have a climate change problem.
Trust in science and media is lost (because we constantly amplify the extremists and naive one-trick-pony activists) and we indeed inflicted large harm to our society, albeit not necessarily the one these people are warning us from — think of the Energy disaster in Germany, Europe and in many other developing countries as a consequence of the large scale mistakes made by countries like Germany.


Dienstag, 31. Januar 2023

Kritische Reflexion der Wissenschaft nach der Pandemie

Coronavirus

»Wer sich „nicht auskennt“, soll die Schnauze halten. Die Frage ist: Wer bestimmt, wer sich auskennt? Jan Böhmermann? Sascha Lobo?«

Es freut mich, dass jetzt endlich kritische Artikel in der breiteren Diskussion zum Umgang mit Wissenschaft während der Pandemie erscheinen. Dieses Zitat ist aus einem Artikel in der Berliner Zeitung, geschrieben von Jan David Zimmermann. 

Im Gegensatz zur Selbstwahrnehmung vieler Wissenschafter, war »Covid« eine Niederlagen von Wissenschaft und Politik, sowohl einzeln als auch im Zusammenspiel betrachtet. Das Problem geht allerdings weit über Covid hinaus, und reicht im Vorspiel Jahrzehnte zurück. 

»Die Wissenschaft tritt im Szientismus als Heilslehre auf und die Experten sind letztlich unsere Priester. Wer aber den Priester hinterfragt, der hinterfragt auch Gott. Und das darf natürlich nicht sein.«

Ähnliches beobachten wir seit längerem bei anderen wesentlichen Themen wie dem Klimawandel.

»Corona hat einmal mehr klargemacht, wie willfährig akademische Institutionen sich mit den Vorgaben des Staates, der Politik synchronisieren und wie stark auf Universitäten und Akademien Konformismus und Duckmäusertum vorherrscht.«

In der Tat. Universitäten sind zu dysfunktionalen Organisationen geworden, in denen qualitativ hochwertige Wissenschaft und entsprechender Diskurs zum Nebenthema geworden zu sein scheint. Dies ist keine österreichische oder europäische Frage, sondern ein internationales Problem.

Es bedeutet natürlich nicht, dass keine Wissenschaft mehr gemacht wird oder dass es keine neuen Erkenntnisse mehr gäbe. Aber gemessen am Aufwand, an der explodierenden Zahl der Wissenschafter und der Zahl der Publikationen, ist das Ergebnis gelinde gesagt bescheiden, wenn auch nicht überraschend. Nicht bescheiden hingegen, sind viele Vertreter von Wissenschaft, die sich in die Öffentlichkeit drängen, Politik und Wirtschaft beraten und dabei immer häufiger mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Auch eine weitere Beobachtung in diesem Artikel ist zutreffend:

»Corona hat einmal mehr klargemacht, wie willfährig akademische Institutionen sich mit den Vorgaben des Staates, der Politik synchronisieren und wie stark auf Universitäten und Akademien Konformismus und Duckmäusertum vorherrscht.  
[…]  
Die kritischen Experten-Stimmen hingegen waren fast alle emeritierte (also pensionierte) Universitätsprofessoren oder „Aussteiger“ aus dem Wissenschaftssystem und nunmehr weitgehend unabhängig von Universitäten, Pharmafirmen und wissenschaftspolitischen Graben- und Machtkämpfen.«

Auch ich habe große Schwierigkeiten, qualitativ hochwertige und relevante Gesprächspartner für meinen Podcast an Universitäten zu finden. Die interessantesten und relevantesten Beiträge stammen in der Tat zumeist aus der vom Autor genannten Kategorie. 

Keine guten Vorzeichen für die nächsten Jahrzehnte für die Universitäten, aber eine Menge Potential für neue und bessere Ansätze!

Dienstag, 13. Dezember 2022

Grüner Wasserstoff — die nächste energiepolitische Fehlentscheidung Deutschlands?

Was ist das Potential von Wasserstoff als Energiespeicher beziehungsweise Energieträger für die »grüne Zukunft« und Energiewende? Michael Liebreich hat eine sehr interessante Zusammenfassung geschrieben, die sehr differenziert auf verschiedenste Anwendungsbereiche eingeht und sich mit zahlreichen anderen kritischen Analysen deckt. Ganz kurz zusammengefasst würde ich folgende Aspekte hervorheben:

Wasserstoff wurde im 18. Jahrhundert von Henry Cavendish entdeckt und dargestellt.

Erhebliche staatliche Investitionen in die Wasserstoff-Wirtschaft sind aktuell im Gange, besonders Deutschland und Japan stechen hier hervor. Der japanische Premierminister wird zitiert:

“Japan aims to commercialize an international hydrogen supply chain by producing hydrogen in bulk at low cost in countries blessed with bountiful renewable energy resources coupled with marine transport infrastructure.”

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz betont die Kollaboration mit Kanada und der deutsche Wirtschaftsminister Habeck mit Namibia und Südafrika:

 “In August he and Canadian Prime Minister Justin Trudeau flew to Newfoundland and Labrador to sign an agreement to “create a transatlantic supply chain for hydrogen well before 2030, with first deliveries aiming for 2025”. As I write this, German Economy Minister Robert Habeck is on a five-day trip to Namibia and South Africa to secure hydrogen supplies.”

Diese und ähnliche Projekte versprechen sowohl ökonomisch wie ökologisch kontraproduktiv zu sein, wie sich nach der weiteren Analyse herausstellt:

  • Transport von Wasserstoff macht ökonomisch nur über Pipelines Sinn, denn auf das Volumen bezogen ist die Energiedichte viel zu gering. Mit einem Faktor von 2,5x dem Volumen im Vergleich zu Flüssiggas ist anderer Langstrecken-Transport weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Dazu kommen erhebliche technische Probleme aufgrund der benötigten niedrigen Temperatur.
  • Andere Formen des Transports wie als Gas unter Druck, in Metallschwämmen oder LOHCs sind entweder noch unwirtschaftlicher oder schlicht technisch (trotz jahrzehntelanger Forschung) nicht machbar.
  • Der Transport über Derivate wie Ethanol oder Methan kann für bestimmte Industrieanwendungen sinnvoll sein, für Energieproduktion aufgrund der enormen Verluste nicht. 
  • So scheint auch die Herstellung von Ammoniak für die weitere Energieerzeugung aus »erneuerbaren« Quellen wie Wind (wie offenbar zwischen Deutschland und Kanada angedacht) bestenfalls ein grünes Feigenblatt zu sein. Es treten dabei energetische Verlust in der Größenordnung von 80% auf; vermutlich mehr, weil der entstehende Ammoniak nicht leicht direkt verbrannt werden kann und weiteres Cracking erfordert.
  • Selbst für die Produktion von Dünger dürften diese Verluste nur wenig Sinn machen. Dazu kommt, dass industrielle Verfahren wie das Haber-Bosch-Verfahren zur Produktion von Ammoniak kontinuierlich gefahren werden müssen, was die Nutzung von unzuverlässiger Stromproduktion von Wind und Sonne ohne Backup kaum sinnvoll erscheinen lässt. Diese Verluste müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Die Anwendung in Flugzeugen ist ebenfalls aufgrund der niedrigen Energiedichte pro Volumen bestenfalls für Kurzstrecken oder Privatjets denkbar. Auch die Logistik der Treibstoffversorgung für Linienflüge ist de facto prohibitiv.

Kurz gesagt: das Versprechen, dass Wasserstoff als »grüner« Energiespeicher eine wesentliche Rolle in der Zukunft einnehmen kann ist mit großer Vorsicht zu genießen. Transport scheint bestenfalls über Pipelines sinnvoll zu sein. Das schließt Transport aus Amerika oder Afrika auf absehbare Zeit aus. 

Die aktuellen deutschen Projekte in dieser Hinsicht sind daher vermutlich eine ähnliche Fehlentscheidung wie die Energiewende der letzten Jahrzehnte.

Ein weiteres, wie mir scheint, wesentliches Problem, wird in diesem Artikel allerdings gar nicht erwähnt: Wasserstoff ist selbst als Klimagas zu bewerten, wie dieser Nature-Bericht darlegt:

“the release of one ton of dihydrogen into the atmosphere corresponds to the emission of nearly 13 tons of CO2 equivalent.”

Wenn also Wasserstoff-Gas bei Produktion, Transport oder Nutzung in die Atmosphäre entweicht, was besonders bei Transport mit Schiffen zu erwarten ist, so hat eine Tonne Wasserstoff etwa denselben Effekt wie 13 Tonnen Kohlendioxid. Die Frage ist also: wenn wir ein Wasserstoff-Energiesystem in großem Maßstab planen — das schon aus den oben genannten Gründen wenig effizient ist — wieviel verlieren wir zusätzlich durch Leckage von Wasserstoff an »grünem« Potential?

Weiters stimme ich der Ansicht, dass E-Autos ökonomisch sinnvoll sind, keinesfalls zu. In dieser Überlegung stecken weder der enorme Ressourcenbedarf für Batterien (und die daraus folgenden Preiserhönhungen), noch die hohen Stromkosten in Europe, als Folge der Fehler in der Energiepolitik der letzten Jahrzehnte. Der Aspekt der Umweltzerstörung aus diesem Ressourcenabbau der für Batterien und »erneuerbare Energie« notwendig wird, ist auch nicht in die Analyse eingepreist.

Eine andere sehr interessante — und im Effekt vernichtende — Analyse des deutsch-kanadischen Wasserstoff-Projektes findet sich im Decouple Podcast.

Montag, 5. September 2022

Climate Change is Over

Climate Change is Over. Not in the real world, it is not, but in the public eye and politics. Western industrialised countries face a severe hit by inflation, recession and exploding energy prices. The consequences are not yet fully felt by average people, but they will, latest after this winter. Should the conflict with Russia not change dramatically over the next months, we will see large numbers of people whose moderate wealth will be gone in half a year. They will be barely able to pay their energy bills, food prices are rising and industries are closing. This will likely kick off a feedback loop of unemployment combined with rising prices. Even though most German and Austrian media decide not report week long and large scale farmers-protests in Holland, protests all over Europe and the US   will be harder to ignore. 

Let's hope that I am wrong about this prediction.


What will be the consequence for »climate change«? In the last decades, climate activism was largely a western elite project that never really took off, even though it got a lot of air time. Nations that actually count: China, Russia, India did barely participate in the conversation, the poor countries in Africa were on occasion bullied into submission to their disadvantage.

In Europe and the US it was fashionable to be »for climate« as long as there were no real costs involved. At least no costs that were easily seen or experienced by those elites. One apocalyptic message followed the next, albeit mostly not backed by science. »Follow The Science« was the slogan from people who neither understood what science actually is and who followed only that part of science they liked. 

More importantly activists and many politicians did not understand that there is not one biggest problem — climate — but that we actually face a number of potentially catastrophic problems. Climate change is one of them, but probably not among the top three. Nuclear weapons, pandemics (especially considering the developments in synthetic biology), collapse of infrastructure that supports or modern society (energy, IT, supply chains) would be my top three.

Many still do not understand that »problems« like climate change are not problems you can solve. Even the word problem is a misnomer. They are dilemmas (or polylemmas, to be precise). Any action that mitigates the one tends to create issues in others. They require skilled political navigation not to improve one and create a worse problem on the other side. We were really bad at that in the last years: the energy crisis in Germany (and Europe) is a a consequence of an incompetent attempt to change the energy production in Germany too fast and in the wrong direction. This lead to an energy mix that does not work in a modern society and a geopolitical dependency on Russia on top of that. 

Obviously war itself can be a consequence of resource and energy problems. War or conflicts among nations that include the US, China or Russia — as we see now on all fronts — increase the risk of nuclear exchange. And after an nuclear war, climate change will be the least of our problems. And the risk of such an exchange we increased!

A lot of other compounding factors could be mentioned: people should not eat meat in Europe (when the developing world increases their meat consumption steadily) and should buy organic products, which are a wild mixture of reasonable ideas with esoteric nonsense and practices that increase the environmental impact or collapse, if applied globally. On top of that, climate activism got entangled with one sided political aspirations (»against capitalism«). This is activism at its worst: once you are »against climate change« you had to be automatically »against capitalism« (in its crudest form of critique). This is hardly a winning strategy you will find societies stand behind.


Sensible environmentalists warned for a long time from this type of strategy. Climate actions that (1) have no real effect because major nations are not participating but (2) ruin the wealth of participating nations and (3) are driven by obscure political ideologies will backfire. They work as long as they are a useful moral grandstanding tool for educated elites (»educated« in the sense of, having passed our higher-education system) and companies that can put a pledge on their yoghurt. As soon as systems are actually collapsing due to these inept measures, climate change is over. No one wants to hear that they should protect »the climate« when they are jobless and cannot pay for their energy bill, as far as the lower class is involved. For the middle class, the fact that flying to Greece, London or New York, and a number of other recreational activities are off the table, should be sufficient to suffocate their aspirations. Now it would be the real deal, not just virtue signaling. 

India, China and many other countries Africa and Asia are learning the lesson by observing Europe and California: the richest, and (at least on paper) most capable nations entirely failed with their energy transition: they got poorer, are on the verge of collapse and did not even show a noteworthy effect (check the carbon intensity of the German energy production of the last five years):


Electricity Map, last five years

Climate change is over. It was never really on the table in China, India, Russia or Africa, soon it will be off the table in the US and Europe. This is obviously not a good thing.

How should we go forward?

The situation is bad for Europe and the US, but not necessarily globally. We learned how not to do an energy transition. We have to stop listening to the inept branch of environmentalists that dominated the scene over the last decades. I think environmentalism is supposed to tell a story, where human flourishing is not an afterthought at best. We have to talk about resilient societies, urban communities with high living standards (for instance due to fewer cars and better local supply), affordable and reliant energy, which is incidentally also low carbon, especially nuclear. We should discuss diversification of supply chains, thus bringing jobs back to Europe and the US, without becoming xenophobic. Now is also the time to kickstart new industries like vertical farming, lab grown meat (not veganism!), improve our capabilities in genetic engineering to reduce the impact of agriculture on the environment. 

This is also the chance for Europe to (1) have a real impact on climate and environment globally while (2) saving its economy. We can show (and sell the tools to) the world how to make tasty lab grown meat, nuclear reactors that scale from container ships to cities, create modern agricultural practices that adapt to changing climate while producing more with a smaller footprint (without the esoteric stuff we see today in  many organic practices), build vertical farms, show how liveable cities without reliance on cars could look like, to mention just a few examples.

We have to show the world that we can live well while at the same time reducing out impact on natural systems, not trying to reduce the impact while destroying societies. A very ambitious goal, but one with a chance to succeed, opposed to what we currently do.

Update 22.09.2022 

United Kingdom: Mr Rees-Mogg (business secretary of Liz Truss) said: »In light of Putin’s illegal invasion of Ukraine and weaponisation of energy, strengthening our energy security is an absolute priority[…]«

Update 13.12.2022 

... and the German electricity production emissions keep getting worse.


In the last month Germany produced electricity with nearly 800g CO2 per kWh. France about 120g. 6,6x more Emissions than France after twenty years of “Energiewende”.



Montag, 14. März 2022

Krise ist immer. Das Leben war noch nie »normal«

Putin-Versteher?

Die Ukraine-Krise wird als eines der großen geopolitischen Verbrechen des 21. Jahrhunderts gelten. Dennoch, ich bin mit Sicherheit kein Putin-Versteher. Mein geschichtlich/politisches Wissen über die Ukraine und Russland sind oberflächlich und meine militärisch/taktische Kompentenz reicht nicht für ein Brettspiel. Ich werde daher keine Ansicht zum konkreten Konflikt äußern. Selbst wenn ich historisch und politisch gut informiert wäre, so wäre das aktuell die falsche Zeit. Unabhängig aber von dem konkreten Konflikt sind aus meiner Sicht Muster in der Rezeption und Verarbeitung des Konflikts und ähnlicher Krisen und der Folgen erkennbar, die unserer Gesellschaft schaden. Einige davon möchte ich in diesem Artikel kurz ansprechen:

Propaganda und Distanz

Gleichschaltung von Meinung ist fast immer ein Zeichen unhinterfragter Recherche und oftmals großer Gefahr. Wenn die »Meinungsmaschine« — in der heutigen Zeit immer noch zu einem gewissen Maß die Legacy-Medien, aber immer stärker soziale Netzwerke, intellektuelle Meinungsmacher und Politiker — im Einklang schwingt, werde ich im höchsten Maße unruhig und skeptisch. Ist der Konflikt, die Krise wirklich so einfach? Die Situation so unmissverständlich? Oder verlieren wir uns eher in einem Schwall von Propaganda (auf beiden Seiten) und übersehen wieder einmal Wesentliches und treffen möglicherweise falsche oder gar verheerende Entscheidungen?

Ein Kollege hat kürzlich sinngemäß gesagt: »Das Verhindern des Dritten Weltkrieges mit Atomwaffen hat bisher immer als gute politische Idee gegolten.« 

Bei den Hitzewallungen vieler aktueller Meinungsäußerungen scheint es eher so zu sein, dass man es mit dem Virtue Signaling und dem Bemühen als noch energischerer Vertreter der richtigen, moralischen Position zu gelten, so ernst nimmt, dass auch ein Atomkrieg in Kauf genommen wird. Vermutlich, weil die Moralisierer sich nicht bewusst sind, was Krieg, und vor allem Atomkrieg bedeutet. Ist der Krieg in der Ukraine z.B. wirklich unser Krieg, wie in westlichen Meinungsäußerungen immer zu lesen ist? Und wenn ja, wirklich in der Form, wie dargestellt?

Selten habe ich mich (in der Reflexion der Krise im Westen) so an die Tage vor dem Ersten Weltkrieg erinnert, wie jetzt während der Ukraine-Krise.

»Wie der Historiker Christopher Clark gezeigt hat, war der Beginn des Ersten Weltkriegs auch nicht das Werk eines dämonischen Genies oder des radikalen Bösen, sondern das Produkt einer Kaskade von Inkompetenz, Misstrauen, Selbstüberschätzung, Missverständnissen und Realitätsverweigerung seitens der Eliten und hysterischer Rhetorik in den Medien.«, Phillip Blom, Was auf dem Spiel steht

»Als der erste Weltkrieg ausbrach, wurde dann das ganze deutsche Volk zu einer einzigen offenen Masse. Die Begeisterung jener Tage ist oft geschildert worden.«, Elias Canetti, Masse und Macht

Auch Neutralität und Meinungsfreiheit wurden nicht zum kultivierten Moral Grandstanding in Spaß- und Friedenszeiten erdacht, wo solche Ideen keine Kosten verursachen. Sie sind ein wesentliches Prinzip moderner Gesellschaften um in Konflikt und Unsicherheit eine Breite im Denken und in möglichen Reaktionen zu bieten. Ein weites Meinungsspektrum ist in jeder unübersichtlichen und komplexen Lage sinnvoll. Kaum kommt es wirklich darauf an, fallen diese Prinzipien um. Zensur gibt es natürlich in Russland, aber auch im Westen, etwa auf YouTube. Dies scheint mir ebenso unangemessen, wie das Verhalten Österreichs oder der Schweiz, die genau, wenn es darauf ankommt, in ihrer Neutralität (auf die sie in Friedenszeiten so stolz sind) umfallen

Komplexe Systeme und Spatial Synchronisation

Die Komplexität des Geschehens (wie fast aller relevanter historischen Ereignisse) ist so groß, dass Prognosen fast immer falsch sind. Ereignisse werden im Nachhinein zur Geschichte — im wahrsten Sinne des Wortes. Der Erste Weltkrieg wird im Nachgang so erzählt, als hätte ein Ereignis mehr oder weniger notwendig zum nächsten geführt. Die Menschen, die das durchleben mussten, haben dies völlig anders wahrgenommen.

»One of the most puzzling aspects of living in history is that it’s almost impossible to predict the course of future events; yet, once events have happened, it’s difficult to know what it would even mean to say something else ‘could’ have happened.«, David Graeber, The Dawn of Everything

Die oben genannte Gleichschaltung simplifizierter und wohl falscher Narrative ist etwas, das man systemisch als Spatial Synchronisation also räumliche Synchronisation bezeichnet. Sie sind Hinweise auf mögliches bevorstehendes Systemversagen.

»Agents within briefly behave in lockstep just before being thrown into chaos«, Andrew Zolli, Resilience, Why things bounce back

»Another related early signaling behavior is an increase in “spatial resonance”: Pulses occurring in neighboring parts of the web become synchronized. Nearby brain cells fire in unison minutes to hours prior to an epileptic seizure, for example, and global financial markets pulse together.«, George Sugihara

Jetzt kann man argumentieren, dass in einer solchen Krise eine propagandistische Gleichschaltung (mit diametralen Narrativen auf beiden Seiten) notwendig ist, um die jeweiligen Massen hinter die eigene — jeweils als gut verstandene — Sache zu versammeln. Egal ob in Krieg oder Pandemie. Mit Wahrheit und Moderne hat dies wenig zu tun. Langfristig beschädigt das das Vertrauen in Demokratie, Institutionen und Medien. 

Wie auch nach früheren Kriegen werden die nächsten Jahrzehnte nicht nur damit verbracht werden, die physischen, psychischen und ökonomischen Schäden der Betroffenen zu heilen, sondern auch die völlig verdrehten Narrative wieder geradezurücken. In Österreich hat dies nach Ende des zweiten Weltkrieges (1945) bis in die 1990er Jahre gedauert; also fast ein halbes Jahrhundert.

In der Ukraine-Krise sehen wir, scheint mir, ähnliche Mechanismen wie beim Versagen in der Covid-Pandemie. In beiden Fällen waren die Warnungen lange vor dem Ereignis hinreichend vorhanden. Vor einer (tatsächlich schlimmeren) Pandemie haben Experten über Jahrzehnte gewarnt. Die Tatsache, dass große Teile Europas von Russlands Energie-Importen abhängig sind, ist einfache Statistik. Auch die geopolitischen Warnungen vor einem Konflikt gehen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurück. 

Besonders in Deutschland will man in der politischen Spitze das Offensichtliche aber immer noch nicht wahrhaben: die »Energiewende« ist nun im wahrsten Sinne des Wortes mit Bomben und Granaten gescheitert und dasselbe trifft auf die militärische Kompetenz Deutschlands und Europas zu. Mit der Ukraine-Krise lässt sich das nun nicht mehr unter den Teppich kehren. 

»A ruthless dictator like Putin knows a bunch of “useful idiots” when he sees them.«

»By the time China, India, and other developing countries feel able to embrace lower emissions by turning to nuclear power, the self-driven de-industrialization of the West will likely be all but complete, with even once-great industrial powers permanently ensnared in China’s notoriously high-carbon supply chains.«, Joel Kotkin, The New Great Game

Auf Mangel an mittel- und langfristigem (strategischen) Denken und Vorbereitung wird mit Hyperaktivität in der Krise reagiert

Ein psychologisches Phänomen, das man bei Schachspielern (vor allem bei Amateuren)  beobachten kann ist folgendes: ein Spieler macht einen (vermeintlich) schlechten Zug und wird von der Antwort des Gegners überrascht. In Panik versucht er nun den Fehler durch schnelles Handeln, sprich: schnelle nächste Züge zu korrigieren — so als könne der Mangel an vorherigem Denken durch schnelle physische Aktion kompensiert werden. 

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Diese schnelle Reaktion auf die Überraschung ist es, die oft zur Niederlage führt. Aus Scham vor dem Fehler, will man Aktivität, Handlungsfähigkeit demonstrieren, will zeigen, dass man das Ruder in der Hand hält. Der erfahrene Schachspieler hingegen wird gerade in einer Situation, wo er vom Gegner am falschen Fuß erwischt wurde, wo er möglicherweise  einen Fehler gemacht hat, nachdenken, sich Zeit nehmen. Und immer wieder stellt sich heraus, dass der Angriff des Gegners doch nicht so gut war, wie auf den ersten Blick befürchtet.

Ganz ähnliches sehen wir aktuell in Europa: der totalen Mangel an Vorbereitung und strategischem Denkens wird mit Hyperaktivität kompensiert: wir haben unsere militärische Kapazität (jedenfalls in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt) vernachlässigt, in der Energiepolitik in einem erschreckenden Ausmaß versagt und sind auf keine erwartbare Krise, wie die Covid-Pandemie vorbereitet.

Eine Energieversorgung, um bei diesem Beispiel zu bleiben, die sowohl hinreichend ökologisch, gleichzeitig aber auch versorgungssicher und unabhängig von instabilen politischen Partnern und Regionen ist, ist alles andere als einfach. Das Märchen der Erneuerbaren als Lösung ist in Deutschland und Österreich schon vor Jahren geplatzt, nur wollte es niemand sehen. Mit immer mehr Kraft weiter auf dem falschen Weg. Dabei das russische Gas zu ignorieren war und ist einfacher als den Tatsachen des ideologischen Scheiterns ins Auge zu sehen. 

Jetzt in der Krise zu glauben, man könne diese Fehler in kurzer Zeit beheben, scheint der klassische Fehler des Amateur-Schachspielers zu sein. 

Vernetzung und Stabilität

»Vernetzung ist nicht gleich Beziehung«, Byung Chul-Han, Undinge 

In den letzten Jahrzehnten sind viele, auch ich, dem Irrtum verfallen, dass immer stärkere wirtschaftliche Vernetzung letztlich ein Garant für Frieden wäre. Das war vermutlich eine der wenigen ethischen Ansprüche an die immer stärker forcierte wirtschaftliche Globalisierung und Liberalisierung. Die These war: wenn Nationen wie die USA, EU, China, und wohl auch Russland immer stärken wirtschaftlich voneinander abhängig werden, so wird der Schaden im Falle kriegerischer Auseinandersetzung für jede Seite so groß, dass dies praktisch Frieden garantiert. Dies ist im Grunde eine ähnliche Idee, wie die Abschreckungswirkung von Atomwaffen.

Diese These hat aber, wie sich herausstellt, mindestens drei Probleme: 

  1. Sie geht von rationalen Akteuren aus. 
  2. Aus Risikosicht bedeutet diese Vorgehensweise, dass kleinere, regelmäßige Risiken durch einzelne massive, wenn sie eintreten, existentielle Risiken ersetzt werden. Ein Groß-Konflikt mit China würde die globale Wirtschaft verheerend treffen.
  3. Durch Vernetzung kommt es zu Kompetenz-Verlust. Die Tatsache, dass China die »Werkbank« der Welt geworden ist führt dazu, dass »der Westen« nicht mehr in der Lage ist wesentliche industrielle Güter zu fertigen, manchmal sogar triviale wie medizinische Masken, sowie verlernt hat größere industrielle Projekte, die in den 1960er Jahren noch Standard waren, erfolgreich umzusetzen. Die bequeme und vergleichsweise billige Abhängigkeit von russischer Energie und Rohstoffen hat unsere Fähigkeit eine autarke und realistische eigene Energieversorgung aufzustellen, beschädigt. 

Die richtige Balance zwischen totaler Globalisierung (»The World is Flat«) und nationalistischem Bunkern (»Make America Great Again«) ist äußerst schwierig zu finden. In den letzten Jahrzehnten sind wir dabei wohl gescheitert. 

»Allerdings entstehen überall dort, wo Grenzen verschwinden, neue, andere Grenzen. Auch wenn die neuen Herrschaftsformen der Ökonomie keine nationalen Grenzen kennen, bedeutet dies nicht, dass sie grenzenlos wären.«, Konrad Paul Liessmann, Lob der Grenze

Hysterischer Hyper-Fokus auf einzelne Probleme

Wie Douglas Murray zynisch aber richtig beobachtet: 

»Well, at least Covid is over […] The ‘climate emergency’ likewise seems to have drifted away.«

Nur langsam wird es Teile der Elite klar, dass ein Atomkrieg mit Sicherheit schlimmere Folgen haben würde als der Klimawandel und dass ein Versagen der Energieversorgung oder fahrlässige geopolitische Abhängigkeiten mindestens ebenso verheerende Effekte zeigen können. Viele Menschen und Medien haben mittlerweile genug von Covid, daher ist die Berichterstattung in die Fußnoten gerutscht. 

Wir scheinen kaum in der Lage zu sein mehrere Probleme gleichzeitig zu beachten, aber das Überleben der Menschheit hängt davon ab, wie gut wir mit vielen Bällen jonglieren können. Covid ist wohl tatsächlich bis auf weiteres vorbei, aber die nächste Pandemie (natürlichen Ursprungs oder durch synthetische Biologie aus dem Labor eines Verrrückten, Terroristen, Ideologien oder Diktator) wird kommen. 

Um ein konkretes Beispiel zu nennen: USAID startet gerade ein neues Programm mit dem Namen »Deep VZN«, das zum Ziel hat, neue Viren zu identifizieren, die Pandemien auslösen könnten und deren Genome im Internet zu publizieren. 

What could possibly go wrong? 

Wie lange wird es dauern, bis einer der 10.000den Experten, die aktuell dazu in der Lage sind, einen oder mehrere dieser Viren synthetisiert und gewollt oder ungewollt eine neue Pandemie herbeiführt? In wenigen Jahren wird wohl jeder begabte Biologie-Student solche Viren in der Garage synthetisieren können. Wenn das keine vorhersehbare Bedrohung ist, dann weiß ich nicht weiter.

Ich hoffe daher, dass in allen Ländern der Welt, auch in Österreich und Deutschland, gerade zehntausende Experten daran arbeiten, aus dem Totalversagen der globalen Covid-Reaktion zu lernen und internationale Früherkennungs-Systeme und Reaktionsmechanismen zu etablieren, die einerseits in der Lage sind mit diesen Bedrohungen umzugehen und andererseits nicht zu einem neuen Totalitarismus führen.

Vergessen wir dabei auch nicht auf den Klimawandel, die Energieversorgung, das Pyramidenspiel-Finanzsystem, die Bedrohung durch Kernwaffen, und die außer Kontrolle geratene IKT?  Viele Bälle müssen gleichzeitig in der Luft gehalten werden. Das hysterische hin- und her-Springen zwischen Themen, jedesmal mit großem kurzfristigem Enthusiasmus aber wenig Klugheit und Ausdauer hilft nicht weiter. Vor allem auch deshalb nicht, weil all diese Probleme am Ende miteinander verbunden sind und nicht isoliert gedacht werden sollten. Dafür braucht es eher gebildete Generalisten als ausgebildete Experten, die alle Details eines spezifischen Problems durchdringen, aber keinerlei Überblick und Weitblick haben.

Die »Krise« wird kein Ende nehmen, sie hat nie geendet. Krise war immer. Immer eine andere. Es gibt also keine bessere Zeit als jetzt, sich diesen Themen zu widmen.

‘Human life has always been lived on the edge of a precipice… If men had postponed the search for knowledge and beauty until they were secure, the search would never have begun.’ Life, in other words, has never been ‘normal’, and even those periods of history that we imagine to have been so show themselves, on closer inspection, to have been full of alarms of their own. ‘Plausible reasons have never been lacking for putting off all merely cultural activities until some imminent danger has been averted or some crying injustice put right,’ C. S. Lewis

Freitag, 4. Februar 2022

»Mit Photovoltaik die Energiewende unterstützen« — Greenwashing und Wunschdenken, statt ernsthafter Transition

In sozialen Netzwerken liest man immer wieder von tollen Energiewende-Projekten. Beispielsweise folgendes:


Das Unternehmen habe ich geschwärzt, weil es im Kern irrelevant ist. Was wird hier gefeiert: 122 Photovoltaik-Anlagen, die 7,5 MW PEAK Leistung liefern, dazu 35 neue Anlagen geplant für 2022. Wenn das Verhältnis vergleichbar ist, kommen also nochmals ca 2 MW Peak hinzu, also sagen wir in Summe rund 10MWp.

Peak-Leistung wird in der Praxis fast nie erreicht, bei PV-Anlagen liegt die Durchschnittsleistung deutlich darunter. Um das mit realen Zahlen zu verdeutlichen: heute produzieren die PV-Anlagen in Deutschland um 15 Uhr rund 8% der installierten Leistung, in Österreich rund 7% der installierten Leistung.




Man kann diskutieren, ob die von dem Unternehmen installierten Anlagen mehr produzieren, aber die reale Leistung liegt jedenfalls weit unter der Nennleistung. Ein Block eines konventionellen Kohlekraftwerks hat 1000MW (durchgängige Leistung), eine Anlage typischerweise mehrere Blöcke. Dieselbe Größenordnung gilt für Kernkraftwerke.

Diese gefeierten 157 PV-Anlagen bieten rund 1 Prozent an Leistung eines konventionellen Kraftwerkblocks. Nennleistung. Real deutlich weniger. Abends und Nachts gar keine Leistung. Wenn das die Strategie unserer Energiewende ist, sehe ich schwarz.


Montag, 24. Januar 2022

Grüne Phantasien als Selbsttäuschung und Bedrohung unserer Zukunft

Ein Vorstand der Austrian Powergrid postet folgende Abbildung auf LinkedIn mit dem Ansinnen, dass wir Netze und Stromspeicher ausbauen müssen, um die Versorgungslücke im Herbst und Winter, sowie teilweise Frühling ausgleichen zu können, damit »Eneuerbare« vollständig zur Stromerzeugung genutzt werden können.


Ich bin mir langsam nicht mehr sicher, ob wir es im Bereich der Energieversorgung beziehungsweise des grünen Aktivismus (auch von akademischer Seite!) mit massiver Inkompetenz oder der Verirrung in Wunschträumen zu tun haben.

Wir haben, nach dieser Abbildung, von September bis April ein klares Minus an »Erneuerbaren«. Das ist zum Teil prinzipbedingt: wenig Wind, keine Sonne. Wo wollen wir die absolut gigantischen Stromspeicher bauen die über vier bis fünf Monate geladen und dann acht Monate oder wenigstens ein halbes Jahr dann diese riesigen Strommengen erzeugen?

Und selbst wenn Ihnen das gelänge: wo bauen Sie die ebenso gigantischen Überkapazitäten der »Erneuerbaren« hin, die dann über den Sommer (oder zu Windzeiten im Rest des Jahres) diese Speicher aufladen? Die Energiedichte der »Erneuerbaren« ist so gering, dass sich das nicht einmal rechnerisch ausgeht.

Und wer soll das alles zahlen? Schon jetzt gehen in Mitteleuropa die Energiepreise durch die Decke mit Folgen für Wirtschaft, Produkte und Dienstleistungen. Die Rechnung zahlt der Durchschnittsbürger. Wie lange das politisch gut geht, kann man sich ausmahlen.

Österreich ist hier noch deutlich begünstigt. Viel dramatischer sieht die Situation noch etwa in Deutschland aus. So sieht es etwa heute in Deutschland nach einer milliardenschweren »Energiewende« aus:


Rund 500g CO2 eq/kWh. Überwiegender Teil der Stromproduktion aus Kohle und Gas: Wind, Solar: Reinfall. Dagegen Frankreich:


Rund 90g CO2 eq/kWh. Über das letzte halbe Jahr produziert Deutschland stetig ca. das 4-6 fache an CO2-Equivalenten verglichen mit Frankreich. Und, ich wiederhole mich: nach Milliardeninvestitionen in eine »Energiewende«. So werden wir die notwendige CO2-Reduktion sicher nicht erreichen.

Noch schwerer wiegt allerdings die Nebelgranate, die sich in der Fußzeile der ersten Abbildung findet — dort steht »Stromproduktion«: die heutige Stromproduktion ist aber ein nahezu irrelevantes Maß, da Strom nur ca. 20-30 % der Gesamtenergie ausmacht (im weltweiten Schnitt). Selbst wenn wir also Strom »dekarbonisieren« haben wir fast nichts erreicht. Das ist ein gängiges Muster einger »grüner« Aktivisten, sich auf die Stromproduktion zu fokussieren, selbst wenn damit das Problem nicht einmal im Ansatz gelöst ist.

Anders gesagt: von grüner Seite wird gefordert zu elektrifizieren, sprich: die verbleibenden 70-80% von fossilen Energieträgern auf elektrische umzustellen. An sich eine richtige Idee. Dies führt aber logischerweise dazu, dass der Strombedarf dann über die nächsten Jahrzehnte dramatisch ansteigen wird. Nun sind wir schon heute mit den aktuellen Strategien nicht in der Lage den heutigen Stromverbrauch zu dekarbonisieren.

Können wir beizeiten eine ernsthafte Diskussion führen, die nicht von Ideologien und Glaubenssätzen ausgeht, nämlich, dass »Erneuerbare« diese Herausforderung bewältigen könnten, und vor allem »grün« bewältigen könnten?

Der Klimawandel ist Realität, es wäre hilfreich, wenn die Lösungsvorschläge nicht schlimmer als die Bedrohung werden.

Mehr dazu siehe auch:

Sonntag, 4. Oktober 2020

Game over für das Klima durch zweite Trump Amtszeit und andere Irrtümer

Der bekannte Klimaforscher Michael Mann schreibt in einem Guardian Artikel: »Eine zweite Trump-Amtszeit wäre ‚Game Over‘ für das Klima«.

Das ist in gewisser Weise richtig und gleichzeitig bemerkenswert falsch. Wir wissen, dass Klima-Effekte mittelfristig bis langfristig auftreten. Das heißt alles, was wir aktuell erleben sind Effekte von mehr als 100 Jahren menschlicher Industrie (und wie manche Argumentieren, Jahrtausenden von großflächiger Veränderung unserer Welt, etwa durch landwirtschaftliche Aktivitäten, und Rodungen usw.). Die Treibhausgase, die wir jetzt in die Atmosphäre blasen, wirken folglich ebenso weit in die Zukunft. Anders gesagt: die Amtszeit eines US-Präsidenten dauert vier Jahre. Die Idee, dass vier Jahre den Unterschied zwischen einem lebenswerten und katastrophalem Klimawandel machen ist unter den genannten Rahmenbedingungen bemerkenswert irreführend. 

Was wir uns nicht eingestehen wollen – und derartige Artikel tragen zu weiterer Vernebelung bei: Es gibt wohl keine realistische Chance mehr, die Klima-Katastrophe zu verhindern. So weit ist der Artikel also fundamental falsch. Und mit ihm auch die große Zahl der wohlmeinenden aber bevormundenden Aussagen und Artikel vieler Klimaschützer, die immer noch so tun, als könnten wir die Katastrophe vermeiden. Der Zug ist, nach allem was wir wissen, abgefahren, und hinter vorgehaltener Hand sagen das die Klimaforscher auch. Bevormundend ist es, mit der Bevölkerung nicht ehrlich zu kommunizieren. Und diese Bevormundung wird als unwahre Kommunikation durchaus wahrgenommen, mit allen negativen Folgen:

Es passt schlicht nicht zusammen auf der einen Seite zu behaupten, die massiven Brände in Australien und Kalifornien, sowie Tropenstürme, Überschwemmungen in Asien usw. wären Folgen des Klimawandels und andererseits zu behaupten, wenn wir nur entsprechende Maßnahmen setzen, können wir dies noch verhindern. 

Wild fire in California 2020 (Photo by Jeff Head, public domain)

Richtig ist vermutlich, dass wir noch gewisse Handlungsspielräume haben, um die Folgen dieser Katastrophe in Grenzen zu halten. Das bedeutet einerseits alle Maßnahmen, die zu einer radikalen Treibhausgasreduktion führen (ohne ideologische Verwirrungen, wie etwa der europäischen anti-Kernkraft Bewegung auf der einen und E-Auto Propaganda auf der anderen); aber ebenso wichtig: alle Maßnahmen, die die Resilienz der Gesellschaft stärken: Maßnahmen gegen Überschwemmungen, robustere Sozialsysteme, mehr Lokalität als Globalität in Politik und Wirtschaft, um nur weniges zu nennen. Und natürlich eine Erforschung aller möglicher technischer Maßnahmen (»Geoengineering«), die notwendig werden könnten um das schlimmste zu verhindern.

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch über die mittelfristigen politischen Konsequenzen Gedanken machen: Die Grünen (als Bewegung und Partei) sind gewissermaßen am Ende eines Weges angelangt. Die Wohlfühl-Politik der letzten Jahrzehnte – wir können eh irgendwie so weiterleben wie bisher, ohne jeden Verzicht, müssen halt nur ein E-Auto kaufen und ein paar Windräder bauen – wird bald entlarvt sein: der König (und die Königin) haben keine Kleider.  Damit sitzen die Grünen zwischen den Sesseln: aggressivere und realistische Politik – die Wahrheit sagen – trauen sie sich nicht; moderate Bobo-Bürgerlichkeit hat eine sehr begrenzte Wählerschaft, und die prinzipiell wichtigen Ideen einer höheren Solidarität in der Gesellschaft schaffen sie nicht glaubwürdig zu vertreten. Dafür gibt es zu viele verwirrte und schrille Stimmen und am »woken« linken Rand der grünen Parteien und Bewegungen. 

Dazu kommt ein sehr fundamentales Problem: selbst wenn wir mit aggressiveren und realistischeren grünen Konzepten kurzfristig Wahlen gewinnen würden, würden die Grünen das mittelfristig nicht überleben. Damit sind wir wieder am Anfang des Artikels angelangt: aufgrund der Trägheit der Systeme (und der Tatsache, dass die Musik im wesentlichen in Asien, Afrika und zum Teil den USA spielt) wird jede durchwegs sinnvolle Maßnahme den Klimawandel einerseits nicht verhindern, sondern (im besten Fall) die Katastrophe begrenzen und andererseits weit in die Zukunft wirken. 

Heutige absolut sinnvolle Maßnahmen würden uns und unseren Kindern fast nichts bringen, dafür für späteren Generationen überlebenswichtig sein. Beides funktioniert in aktuellen Demokratien nachweislich nicht.

Die Gewinner dieser Situation werden gleichzeitig die Totengräber unserer modernen Gesellschaft sein, die Brand-Beschleuniger des Untergangs. Der Blick wird getrieben sein von kurzfristigen (massiven) Problemen wie großer Arbeitslosigkeit und steigender Armut, von der Klimakrise getriebene Flüchtlingsströme usw. Rechts-populistische und -radikale Parteien aber auch links-extreme werden in vielen Ländern den Ton angeben. Mit widersprüchlichen, inkompatiblen und weitgehend unsinnigen Ideen, aber Ideen, die die Anmutung haben, die dann aktuellen Probleme zu lösen. Langfristige Projekte sind in einer solchen Situation chancenlos. 

Diese Phänomene sehen wir bereits jetzt in aller Deutlichkeit in der Corona-Krise und der Herbst/Winter wird die Situation nochmals dramatisch verschärfen. Die Politik will das (noch) nicht eingestehen, aber es steht uns einiges bevor. Und alle Maßnahmen richten sich auf das Jetzt, das Morgen, sicher nicht auf das Übermorgen. Im Gegenteil.

Diese Spaltung der Gesellschaft wird zu Gewalt führen und zu einem Lokalismus der negativen Art auslösen, also nicht einem der versucht Resilienz durch lokale Entscheidungen aber mit Blick auf die ganze Welt zu finden, sondern einem der in maximalem Egoismus gegen alle anderen gerichtet sein wird. 

Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden?

Zum Abschluss...

Es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Blog zu lesen. Natürlich sind viele Dinge, die ich hier diskutiere aus einem subjektiven Blickwinkel geschrieben. Vielleicht teilen Sie einige Ansichten auch nicht: Es würde mich jedenfalls freuen, Kommentare zu lesen...

Noch ein Zitat zum Schluß:

"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.

Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)

:-)