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Samstag, 6. April 2024

Revolution is Coming...

Revolution is Coming 

»Wir müssen uns hier für einen Augenblick in die Zeit unmittelbar vor der Unterdrückung der Demokratie und der Einführung des totalitären Regimes zurückversetzen. Dieses Stadium wird beherrscht von dem allgemeinen Verlangen nach schnellem und entschlossenem Handeln der Regierung und von der Unzufriedenheit mit dem langsamen und schwerfälligen demokratischen Geschäftsgang, was dazu führt, daß ein Handeln unter allen Umständen gefordert wird.«


I am not a biologist 

»Das Volk wird dahin gebracht, seine Anhänglichkeit an die alten Götter auf die neuen zu übertragen, indem behauptet wird, die neuen Götter seien in Wahrheit das, was sein gesunder Instinkt ihm zwar immer gesagt, aber was es vorher nur unklar erkannt hätte. Die erfolgreichste Technik zu diesem Zweck besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern. Wenig Merkmale der totalitären Regimes verwirren den oberflächlichen Beobachter so sehr und sind gleichzeitig so charakteristisch für die ganze geistige Atmosphäre wie die völlige Verdrehung der Sprache und der Bedeutungswandel der Wörter, in denen die Ideale des neuen Regimes zum Ausdruck gebracht werden.«


Trigger Warning!

»Das Volk wird dahin gebracht, seine Anhänglichkeit an die alten Götter auf die neuen zu übertragen, indem behauptet wird, die neuen Götter seien in Wahrheit das, was sein gesunder Instinkt ihm zwar immer gesagt, aber was es vorher nur unklar erkannt hätte. Die erfolgreichste Technik zu diesem Zweck besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern. Wenig Merkmale der totalitären Regimes verwirren den oberflächlichen Beobachter so sehr und sind gleichzeitig so charakteristisch für die ganze geistige Atmosphäre wie die völlige Verdrehung der Sprache und der Bedeutungswandel der Wörter, in denen die Ideale des neuen Regimes zum Ausdruck gebracht werden.«

»Freiheit ist keineswegs das einzige Wort, dessen Bedeutung ins Gegenteil verkehrt worden ist, damit es zum tauglichen Instrument der totalitären Propaganda wird. Wir haben schon gesehen, wie dasselbe mit den Wörtern Gerechtigkeit, Gesetz, Recht und Gleichheit geschieht. Diese Liste könnte so lange fortgesetzt werden, bis sie fast alle gebräuchlichen Ausdrücke der Moral und der Politik umfaßt

»Und diese Konfusion wird nur immer schlimmer, weil der Bedeutungswandel in der politischen Terminologie nicht ein einmaliger Vorgang, sondern ein fortdauernder Prozess, ja, eine Technik ist, die bewußt oder unbewußt zur Gängelung des Volkes benutzt wird. Nach und nach wird im Verlaufe dieses Prozeßes die ganze Sprache geplündert, und schließlich werden die Wörter zu leeren Gehäusen ohne feste Bedeutung, so daß man mit ihnen auch das Gegenteil bezeichnen kann und sie nur noch zum Ausdruck der Gefühlsassoziationen gebraucht werden, die mit ihnen einhergehen.«

Im Versuch, die Sprache bis ins Kleinste zu regulieren hat die Stanford Universität (sic!) im Jahr 2022 ein Dokument herausgegeben, das hunderte Begriffe in zehn Kategorien umdefiniert. Erst vor wenigen Jahren wurde gefordert, »problematische Inhalte« mit »Trigger Warnings« zu versehen. Alles, was potenziell irgendjemanden verstören könnte (an einer Universität!) sollte mit einer Warnung vorweg versehen werden. Nun stellt sich heraus, dass selbst das Wort Trigger Warning etwas triggern könnte und ist selbst wieder zu ersetzen, durch Content Warning. Zu Beginn dieses Dokumentes gibt es selbst eine Trigger — Verzeihung — Content Warning über das eigene Dokument, denn die Worte, die erklärt werden können, offenbar großen Schaden anrichten. Dieses Dokument hat die Absurdität so auf die Spitze getrieben, dass es letztlich, nachdem es von Medien aufgegriffen wurde, in dieser Form in Stanford nicht umgesetzt wurde. Das bedeutet nicht, dass derartige Richtlinien nicht an zahlreichen Universitäten und Behörden zum Standard geworden sind. 

Ziele und Mittel 

»Wenn das Volk rückhaltlos hinter der Gesamtpolitik stehen soll, dann muß es davon überzeugt werden, daß nicht nur das Ziel, sondern auch die dafür eingesetzten Mittel die richtigen sind.«

Björn Lomborg und andere kritisieren regelmäßig die Mittel, die eingesetzt werden, um das Problem des Klimawandels zu adressieren. Wer aber die Mittel kritisiert, wird zum Leugner des Problems (und auch gleich zum Frauenfeind) erklärt.

Kriegswirtschaft 1940 und 2024

»Am meisten muß uns vielleicht die Tatsache alarmieren, daß die Verachtung für die geistige Freiheit nicht erst auftritt, nachdem das totalitäre System errichtet worden ist, sondern überall unter Intellektuellen zu finden ist, die sich einem kollektivistischen Glauben hingegeben haben und als geistige Führer sogar in solchen Ländern gelten, die noch immer unter einem liberalen Regime leben.«

Heute schlägt die deutsche Journalistin Ulrike Hermann unverblümt vor, in eine »Kriegswirtschaft« und damit eine Planwirtschaft zu wechseln, weil das vermeintlich die Probleme der Zeit lösen soll und erreicht damit bemerkenswertes Echo in Teilen der »intellektuellen« Elite. 

»Die deutsche Autorin Ulrike Herrmann prophezeit den Untergang des Kapitalismus und stellt die Gesellschaft vor die Wahl: Chaos und Katastrophen – oder ein sofortiger Übergang zu Kriegs- und Kreislaufwirtschaft.«, NZZ (2023); weiters: Blätter (2022); SWR (2023)

Referenz

Alle Zitate in diesem Artikel stammen, sofern nicht anders gekennzeichnet, aus dem herausragenden Buch  Friedrich A. von Hayek. Friedrich Hayek - Der Weg zur Knechtschaft aus dem Jahr 1945!

Donnerstag, 13. Juli 2023

Eiszeit oder Klimakrise? Wissenschaft, komplexe Systeme und Prognosen.

In den 1970er Jahren wurde zur gleichen Zeit vor einer neuen Eiszeit und vor dem Klimawandel gewarnt, das sollten wir nicht aus den Augen verlieren:

»What scientists are telling us now is that the treat of an ice age is not as remote as it was once thought. [...] If we are unprepared, the result could be hunger and death on a scale unprecedented.«

Besonders die 1970er Jahre waren eine Zeit steter apokalyptischer Prognosen, von denen keine eingetroffen ist. In den meisten Fällen ist sogar das Gegenteil eingetreten.


Wissenschafter prognostizieren eine Menge über die Zeit. Vor allem wenn es sich um komplexe Systeme dreht, sind die Prognosen häufiger falsch als richtig. Leider mangelt es vielen an der Bescheidenheit, das einzugestehen. Apokalyptik verkauft sich besser, so wie es aussieht wohl auch in der Wissenschaftsfinanzierung.

Bedeutet das, dass der Klimawandel kein Problem ist? Natürlich nicht. Es bedeutet aber, dass wir uns viel breiter als Gesellschaft auf alle möglichen Probleme vorbereiten sollten und keinesfalls wie das Kaninchen auf die Schlange Klimawandel blicken sollten. Das geht in die Hose. Vor allem auch dann, wenn die Maßnahmen so ungeschickt sind — wie wir sie heute etwa in der Energiepolitik erleben — und damit die Medizin mehr Schaden als die Krankheit anrichtet.

»We are always well prepared for the wrong disaster. […] But history warns us that you don’t get the disaster you prepare for.« , Niall Ferguson



Montag, 8. Mai 2023

Apocalypse Always

Der australischer Philosoph Michael Barkun schreibt in einem Artikel aus dem Jahr 1983:

»Spekulationen über das Ende der Geschichte formen eine fast ungebrochene Kette über zweieinhalb Millenia.«

Auch in meinem Gespräch mit  dem deutschen Historiker Achim Landwehr kommen wir zu der Erkenntnis, dass apokalyptische Ideen die Menschheit seit einer langen Zeit begleiten.

Historisch betrachtet, haben apokalyptische Ideen einen religiösen Hintergrund, aber im 21. Jahrhundert treten immer mehr säkulare Vertreter hervor. Technik, Bevölkerungswachstum und Globalisierung haben dem Menschen in der Tat eine nahezu totale Wirksamkeit in Raum und Zeit gegeben. Sie reicht in alle Ecken der Welt und was vielleicht noch wesentlicher ist, auch weit in die Zukunft. Nicht zu Unrecht hat das Anthropozän das Holozän als Erdzeitalter abgelöst. Der Mensch ist zu bestimmenden Kraft geworden. 

Trinity Test

Die Atomwaffen waren vermutlich der erste technologische Schock, der deutlich gemacht hat, dass zerstörendes Potential der Technik nicht mehr nur relative lokale Wirksamkeit hat. Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung sind andere Aspekte solcher weitreichenden Effekte, die bereits Alexander von Humboldt klar geworden.  In die Breite der Öffentlichkeit sind diese Ideen wohl erst seit den 1960er Jahren getreten. Andrea Wulf schreibt:

»Humboldt erkannte, dass die Natur ein Netz des Lebens und eine globale Kraft ist. Er war […] der Erste, der begriffen hatte, dass alles mit allem wie ‘durch tausend Fäden’ verbunden ist.” Dieser neue Naturbegriff verändert auch unsere Sicht auf die Welt.«

Säkulare apokalyptische Prognosen sind daher seit den 1960er Jahren ein ständiger Begleiter. Überraschend ist allerdings, dass keine dieser Apokalypsen bisher eingetreten ist, ja die meisten Prognosen geradezu grandios gescheitert sind.  Denken wir etwa an die oft zitierte Wette zwischen Paul Ehrlich und Julian Simon, die Ehrlich in allen Dimensionen verloren hat. 

Es scheint, die Welt weigert sich bisher beharrlich unterzugehen.

Ist das eine Garantie dafür, dass keine der Prognosen zutrifft? Natürlich nicht. Außerdem reicht eine Apokalypse aus — statistisch ist das daher nicht ergiebig. 

Warum sprechen wir überhaupt über diese apokalyptischen Ideen? Hier gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen religiösen und säkularen Apokalypsen. Religiöse sind von Gott vorbestimmt und in unserer Umwelt sehen wir — so wird behauptet — bestenfalls Indikatoren die auf den kommenden Untergang hinweisen. Die säkularen hingegen haben im Kern nur darum Relevanz, weil sie von einem anderen Paradigma ausgehen, wie Barkun schreibt:

»Wo die religiösen Perspektiven Ereignisse als Zeichen betrachtet, ist die säkulare Position wesentlich geneigter sie als direkte Ursachen zu sehen: Die Zukunft wird aufgrund von Aktionen in der Vergangenheit und Gegenwart passieren, aber diese Zukunft kann verändert werden, wenn andere Entscheidungen getroffen werden.«

D.h. wir sehen uns (um Gegensatz zu früheren Generationen) als Gestalter der Zukunft und damit auch als Verursacher der prognostizierten Apokalyse(n), oder eben als Verhinderer derselben. Dies ist meist auch noch mit einem moralischen Imperativ verknüpft:

»Apokalyptisches Denken ist eine Antwort, neben anderen Dingen, auf den Wunsch in einem moralisch geordneten Universum zu leben, in dem Individuen ihre gerechte Nachspeise bekommen.«

Damit ist auch der Drang vieler Aktivisten zu verstehen, das Richtige, zu tun und zwar schnell und ohne viel Deliberation, denn man weiß schon, was für alle das Richtige ist:

Denn wenn wir schon die Verursacher einer möglichen Apokalypse sind, so muss es doch auch (leicht) möglich sein, diese zu verhindern. Im ersten Schritt folgt die Utopie, im zweiten die Moralisierung (wer diese Utopie nicht teilt, ist ein schlechter Mensch) und in logischer Folge der dritte Schritt: die Umsetzung muss mit allen Mitteln und so schnell wie möglich erfolgen.

Die Realität hält sich allerdings nicht immer an die Ideen einer besseren Welt, wie der britische Philosoph John Gray schreibt:

»Die Welt, in der wir uns zu Beginn des neuen Milleniums finden, ist übersäht mit den Trümmern utopischer Projekte. […] Die von utopischen Denkern ausgemalten Veränderungen sind nicht eingetreten, und zumeist haben diese Projekte Ergebnisse produziert, die Im Gegensatz zu den Intentionen stehen.«

Das hat die Utopisten aber nicht abgehalten, mit aller Kraft die nächste Utopie in Angriff zu nehmen, wieder John Gray:

»Die Nutzung inhumaner Methoden um unmögliche Ziele zu erreichen, ist die Essenz des revolutionären Utopismus.«

Und dies ist auch immer unter dem Blickwinkel zu sehen, dass es natürlich nie nur eine mögliche Utopie gibt. Die aktivistischen Vertreter der jeweiligen eigenen Utopie sehen ist im Hinblick auf die jeweils erwartete Apokalypse im Recht die anderen Utopien mit aller Macht (und gegen demokratische Prinzipien) zu verhindern.

Selbst wenn es eine breit geteilte Utopie gäbe, wäre die Umsetzung eben nicht so klar und einfach, wie gerne behauptet. Denn das einzige, was sich immer wieder als wahr herausstellt ist, dass zentrale Planung in komplexen modernen Gesellschaften scheitert. Gibt man aber einzelnen Gruppen die Macht zu einer solchen zentralen Planung so ist garantiert, dass aus der Utopie, die eine Apokalypse verhindern sollte, eine andere wird.

Was machen wir nun mit den vorhergesagten Apokalypsen? Es scheint im Kern drei Möglichkeiten zu geben:

Erstens, mit Achim Landwehr gesprochen:

»Wenn Apokalypse nie ausstirbt, dann heißt das aber auch: Die Welt geht nie unter. Das ist dann vielleicht die positive Konsequenz, die man daraus ableiten könnte.« 

Wenn dem so ist, dann ist die Apokalyptik nicht viel mehr als ein Gesellschaftsspiel, kribbelnde Unterhaltung, in etwa wie ein Horrorfilm. Da ein großer Teil der Medienlandschaft Edutainment ist, passt diese Art der Unterhaltung auch sehr gut in ihr Produkt.

Zweitens: die Prognosen treffen im Kern zu, dann erreichen wir mit aktivistischer und milleniaristischer Hysterie aus oben genannten Gründen dennoch nichts. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als eine evolutionäre Veränderung der Welt anzustreben. Ruhig, gelassen und konzentriert die besten nächsten Schritte zu überlegen. Umsteuern, wenn das gewünschte Ergebnis nicht eintritt. Pläne, die keinerlei Chance auf Umsetzung jenseits des Wunschdenkens haben, sind Zeitverschwendung. Pläne, die autoritäres Denken und Handeln erfordern, pflastern den Weg zur Hölle. Gerade dieser autoritäre Ansatz, befeuert vom unbeirrbaren Glaube die alleinige Wahrheit zu kennen, kennzeichnet einige der modernen Bewegungen:

Von der Webseite der Extinction Rebellion: Es darf nicht länger der Fall sein, dass Entscheidungen, die in der Bevölkerung unpopulär sind (mit anderen Worten demokratisch nicht ermächtigt) nicht umgesetzt werden. Umgesetzt werden müssen sie, weil sie von den Aktivisten der Extinction Rebellion als notwendig erachtet werden.

Man könnte es auch etwas gelassener ausdrücken: Der britische Historiker Niall Ferguson schreibt:

»[…] eine Katastrophe entblößt die Gesellschaften und Staaten, die sie trifft. Sie ist ein Moment der Wahrheit, der Enthüllung, der einige als zerbrechlich, andere als resilient und wieder andere als antifragil entlarvt.«

Die Frage ist also, wie wir uns als Gesellschaft generell aufstellen, nicht nur hinsichtlich einer bestimmten möglichen Katastrophe. Die aktuelle aktivistische Hysterie ist in diesem Sinne kontraproduktiv:

»Für jede mögliche Katastrophe gibt es mindestens eine plausible Kassandra. Nicht alle Prophezeiungen können beherzigt werden. In den letzten Jahren haben wir vielleicht zugelassen, dass ein Risiko — nämlich der Klimawandel — unsere Aufmerksamkeit von den anderen ablenkt.«

Selbst Anfang 2020, als bereits Covid über die Welt verbreitet wurde, war Klimawandel eines der wesentlichen Themen am WEF. Gebannt von einer populären Bedrohung, übersehen wir die Vielzahl der Risiken, die uns in ähnlicher Weise bedrohen können.

Es gibt aber noch eine dritte, deutlich unangenehmere Möglichkeit, wieder Barkun:

»Es bleibt jedoch die beunruhigende Möglichkeit, dass, wenn beide Strömungen des apokalyptischen Denkens [religiös, säkular] in der Deutung der Ereignisse übereinstimmen, das Potenzial für eine große, sich selbst erfüllende Prophezeiung stark zunimmt. Panik kann die Effekte erzeugen, die eigentlich übernatürlichen [oder säkularen] Akteuren zugeschrieben wurden.«

Und dabei denkt man sofort an die krassesten Vertreter der heutigen Apokalyptik wie Just Stop Oil, Extinction Rebellion oder Letzte Generation. Diese Organisationen sind eine moderne Manifestation dieser selbsterfüllenden Prophezeiung. Würden ihre Programm umgesetzt werden, wäre die Folgen verheerender als die von ihnen befürchtete Katastrophe — und dies für alle Menschen auf dem Planeten.

Klug handeln ist keine einfache Entscheidung.

P.S.: Alle Zitate sind von mir ins Deutsche übetragen worden

Mittwoch, 22. Februar 2023

Endless Wonders in Reflexion

 “An animal is a model. Any organism is a model of the world in which it lives. One way to understand this is to imagine a zoologist presented with the body of an animal she has never seen before. If allowed to examine and dissect the body in sufficient detail, a good zoologist should be able to reconstruct almost everything about the world in which the animal lived. To be more precise, she would be reconstructing the worlds in which the animal’s ancestors lived.”

Richard Dawkins writes this in an article in 1995

Richard Dawkins

But let's now combine that thought with Melvin E. Conway, How do Committees Invent?

“Roughly speaking, we have demonstrated that there is a very close relationship between the structure of a system and the structure of the organization which designed it.”

In other words: the small mirrors the big, the big drives the small and the small drives the big, as the big is constituted by the small(s). Endless wonders in reflexion.


Dienstag, 13. Dezember 2022

Grüner Wasserstoff — die nächste energiepolitische Fehlentscheidung Deutschlands?

Was ist das Potential von Wasserstoff als Energiespeicher beziehungsweise Energieträger für die »grüne Zukunft« und Energiewende? Michael Liebreich hat eine sehr interessante Zusammenfassung geschrieben, die sehr differenziert auf verschiedenste Anwendungsbereiche eingeht und sich mit zahlreichen anderen kritischen Analysen deckt. Ganz kurz zusammengefasst würde ich folgende Aspekte hervorheben:

Wasserstoff wurde im 18. Jahrhundert von Henry Cavendish entdeckt und dargestellt.

Erhebliche staatliche Investitionen in die Wasserstoff-Wirtschaft sind aktuell im Gange, besonders Deutschland und Japan stechen hier hervor. Der japanische Premierminister wird zitiert:

“Japan aims to commercialize an international hydrogen supply chain by producing hydrogen in bulk at low cost in countries blessed with bountiful renewable energy resources coupled with marine transport infrastructure.”

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz betont die Kollaboration mit Kanada und der deutsche Wirtschaftsminister Habeck mit Namibia und Südafrika:

 “In August he and Canadian Prime Minister Justin Trudeau flew to Newfoundland and Labrador to sign an agreement to “create a transatlantic supply chain for hydrogen well before 2030, with first deliveries aiming for 2025”. As I write this, German Economy Minister Robert Habeck is on a five-day trip to Namibia and South Africa to secure hydrogen supplies.”

Diese und ähnliche Projekte versprechen sowohl ökonomisch wie ökologisch kontraproduktiv zu sein, wie sich nach der weiteren Analyse herausstellt:

  • Transport von Wasserstoff macht ökonomisch nur über Pipelines Sinn, denn auf das Volumen bezogen ist die Energiedichte viel zu gering. Mit einem Faktor von 2,5x dem Volumen im Vergleich zu Flüssiggas ist anderer Langstrecken-Transport weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Dazu kommen erhebliche technische Probleme aufgrund der benötigten niedrigen Temperatur.
  • Andere Formen des Transports wie als Gas unter Druck, in Metallschwämmen oder LOHCs sind entweder noch unwirtschaftlicher oder schlicht technisch (trotz jahrzehntelanger Forschung) nicht machbar.
  • Der Transport über Derivate wie Ethanol oder Methan kann für bestimmte Industrieanwendungen sinnvoll sein, für Energieproduktion aufgrund der enormen Verluste nicht. 
  • So scheint auch die Herstellung von Ammoniak für die weitere Energieerzeugung aus »erneuerbaren« Quellen wie Wind (wie offenbar zwischen Deutschland und Kanada angedacht) bestenfalls ein grünes Feigenblatt zu sein. Es treten dabei energetische Verlust in der Größenordnung von 80% auf; vermutlich mehr, weil der entstehende Ammoniak nicht leicht direkt verbrannt werden kann und weiteres Cracking erfordert.
  • Selbst für die Produktion von Dünger dürften diese Verluste nur wenig Sinn machen. Dazu kommt, dass industrielle Verfahren wie das Haber-Bosch-Verfahren zur Produktion von Ammoniak kontinuierlich gefahren werden müssen, was die Nutzung von unzuverlässiger Stromproduktion von Wind und Sonne ohne Backup kaum sinnvoll erscheinen lässt. Diese Verluste müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Die Anwendung in Flugzeugen ist ebenfalls aufgrund der niedrigen Energiedichte pro Volumen bestenfalls für Kurzstrecken oder Privatjets denkbar. Auch die Logistik der Treibstoffversorgung für Linienflüge ist de facto prohibitiv.

Kurz gesagt: das Versprechen, dass Wasserstoff als »grüner« Energiespeicher eine wesentliche Rolle in der Zukunft einnehmen kann ist mit großer Vorsicht zu genießen. Transport scheint bestenfalls über Pipelines sinnvoll zu sein. Das schließt Transport aus Amerika oder Afrika auf absehbare Zeit aus. 

Die aktuellen deutschen Projekte in dieser Hinsicht sind daher vermutlich eine ähnliche Fehlentscheidung wie die Energiewende der letzten Jahrzehnte.

Ein weiteres, wie mir scheint, wesentliches Problem, wird in diesem Artikel allerdings gar nicht erwähnt: Wasserstoff ist selbst als Klimagas zu bewerten, wie dieser Nature-Bericht darlegt:

“the release of one ton of dihydrogen into the atmosphere corresponds to the emission of nearly 13 tons of CO2 equivalent.”

Wenn also Wasserstoff-Gas bei Produktion, Transport oder Nutzung in die Atmosphäre entweicht, was besonders bei Transport mit Schiffen zu erwarten ist, so hat eine Tonne Wasserstoff etwa denselben Effekt wie 13 Tonnen Kohlendioxid. Die Frage ist also: wenn wir ein Wasserstoff-Energiesystem in großem Maßstab planen — das schon aus den oben genannten Gründen wenig effizient ist — wieviel verlieren wir zusätzlich durch Leckage von Wasserstoff an »grünem« Potential?

Weiters stimme ich der Ansicht, dass E-Autos ökonomisch sinnvoll sind, keinesfalls zu. In dieser Überlegung stecken weder der enorme Ressourcenbedarf für Batterien (und die daraus folgenden Preiserhönhungen), noch die hohen Stromkosten in Europe, als Folge der Fehler in der Energiepolitik der letzten Jahrzehnte. Der Aspekt der Umweltzerstörung aus diesem Ressourcenabbau der für Batterien und »erneuerbare Energie« notwendig wird, ist auch nicht in die Analyse eingepreist.

Eine andere sehr interessante — und im Effekt vernichtende — Analyse des deutsch-kanadischen Wasserstoff-Projektes findet sich im Decouple Podcast.

Montag, 5. September 2022

Climate Change is Over

Climate Change is Over. Not in the real world, it is not, but in the public eye and politics. Western industrialised countries face a severe hit by inflation, recession and exploding energy prices. The consequences are not yet fully felt by average people, but they will, latest after this winter. Should the conflict with Russia not change dramatically over the next months, we will see large numbers of people whose moderate wealth will be gone in half a year. They will be barely able to pay their energy bills, food prices are rising and industries are closing. This will likely kick off a feedback loop of unemployment combined with rising prices. Even though most German and Austrian media decide not report week long and large scale farmers-protests in Holland, protests all over Europe and the US   will be harder to ignore. 

Let's hope that I am wrong about this prediction.


What will be the consequence for »climate change«? In the last decades, climate activism was largely a western elite project that never really took off, even though it got a lot of air time. Nations that actually count: China, Russia, India did barely participate in the conversation, the poor countries in Africa were on occasion bullied into submission to their disadvantage.

In Europe and the US it was fashionable to be »for climate« as long as there were no real costs involved. At least no costs that were easily seen or experienced by those elites. One apocalyptic message followed the next, albeit mostly not backed by science. »Follow The Science« was the slogan from people who neither understood what science actually is and who followed only that part of science they liked. 

More importantly activists and many politicians did not understand that there is not one biggest problem — climate — but that we actually face a number of potentially catastrophic problems. Climate change is one of them, but probably not among the top three. Nuclear weapons, pandemics (especially considering the developments in synthetic biology), collapse of infrastructure that supports or modern society (energy, IT, supply chains) would be my top three.

Many still do not understand that »problems« like climate change are not problems you can solve. Even the word problem is a misnomer. They are dilemmas (or polylemmas, to be precise). Any action that mitigates the one tends to create issues in others. They require skilled political navigation not to improve one and create a worse problem on the other side. We were really bad at that in the last years: the energy crisis in Germany (and Europe) is a a consequence of an incompetent attempt to change the energy production in Germany too fast and in the wrong direction. This lead to an energy mix that does not work in a modern society and a geopolitical dependency on Russia on top of that. 

Obviously war itself can be a consequence of resource and energy problems. War or conflicts among nations that include the US, China or Russia — as we see now on all fronts — increase the risk of nuclear exchange. And after an nuclear war, climate change will be the least of our problems. And the risk of such an exchange we increased!

A lot of other compounding factors could be mentioned: people should not eat meat in Europe (when the developing world increases their meat consumption steadily) and should buy organic products, which are a wild mixture of reasonable ideas with esoteric nonsense and practices that increase the environmental impact or collapse, if applied globally. On top of that, climate activism got entangled with one sided political aspirations (»against capitalism«). This is activism at its worst: once you are »against climate change« you had to be automatically »against capitalism« (in its crudest form of critique). This is hardly a winning strategy you will find societies stand behind.


Sensible environmentalists warned for a long time from this type of strategy. Climate actions that (1) have no real effect because major nations are not participating but (2) ruin the wealth of participating nations and (3) are driven by obscure political ideologies will backfire. They work as long as they are a useful moral grandstanding tool for educated elites (»educated« in the sense of, having passed our higher-education system) and companies that can put a pledge on their yoghurt. As soon as systems are actually collapsing due to these inept measures, climate change is over. No one wants to hear that they should protect »the climate« when they are jobless and cannot pay for their energy bill, as far as the lower class is involved. For the middle class, the fact that flying to Greece, London or New York, and a number of other recreational activities are off the table, should be sufficient to suffocate their aspirations. Now it would be the real deal, not just virtue signaling. 

India, China and many other countries Africa and Asia are learning the lesson by observing Europe and California: the richest, and (at least on paper) most capable nations entirely failed with their energy transition: they got poorer, are on the verge of collapse and did not even show a noteworthy effect (check the carbon intensity of the German energy production of the last five years):


Electricity Map, last five years

Climate change is over. It was never really on the table in China, India, Russia or Africa, soon it will be off the table in the US and Europe. This is obviously not a good thing.

How should we go forward?

The situation is bad for Europe and the US, but not necessarily globally. We learned how not to do an energy transition. We have to stop listening to the inept branch of environmentalists that dominated the scene over the last decades. I think environmentalism is supposed to tell a story, where human flourishing is not an afterthought at best. We have to talk about resilient societies, urban communities with high living standards (for instance due to fewer cars and better local supply), affordable and reliant energy, which is incidentally also low carbon, especially nuclear. We should discuss diversification of supply chains, thus bringing jobs back to Europe and the US, without becoming xenophobic. Now is also the time to kickstart new industries like vertical farming, lab grown meat (not veganism!), improve our capabilities in genetic engineering to reduce the impact of agriculture on the environment. 

This is also the chance for Europe to (1) have a real impact on climate and environment globally while (2) saving its economy. We can show (and sell the tools to) the world how to make tasty lab grown meat, nuclear reactors that scale from container ships to cities, create modern agricultural practices that adapt to changing climate while producing more with a smaller footprint (without the esoteric stuff we see today in  many organic practices), build vertical farms, show how liveable cities without reliance on cars could look like, to mention just a few examples.

We have to show the world that we can live well while at the same time reducing out impact on natural systems, not trying to reduce the impact while destroying societies. A very ambitious goal, but one with a chance to succeed, opposed to what we currently do.

Update 22.09.2022 

United Kingdom: Mr Rees-Mogg (business secretary of Liz Truss) said: »In light of Putin’s illegal invasion of Ukraine and weaponisation of energy, strengthening our energy security is an absolute priority[…]«

Update 13.12.2022 

... and the German electricity production emissions keep getting worse.


In the last month Germany produced electricity with nearly 800g CO2 per kWh. France about 120g. 6,6x more Emissions than France after twenty years of “Energiewende”.



Sonntag, 21. August 2022

Deutschland hilft Südafrika beim Kohleausstieg — um die Kohle selbst zu importieren

Noch vor kurzem erklärte die deutsche Energiewende-Politik voll Stolz: Deutschland hilft Südafrika beim Kohleausstieg. Es wird von einem Modellprojekt gesprochen. Ein Modell des Scheiterns, wie sich schnell herausstellt.

Kohle-Bergarbeiter in Südafrika (UN-Photo)

In maximaler Hybris wurden gleichzeitig die besten Kernkraftwerke der Welt in Deutschland heruntergefahren und weiter in Wind und Solar investiert. Jedem Energie-Experten war zu diesem Zeitpunkt klar, dass damit eine »Energiewende« weder ökonomisch noch ökologisch und schon gar nicht geopolitisch zu schaffen ist. Solar und Wind sind Energieträger extrem niedriger Energiedichte und Zuverlässigkeit. Sie benötigen große Flächen, große Mengen an Ressourcen, sind äußerst komplex in ein Stromnetz zu integrieren und  müssen mit einer Flotte an konventionellen Energieträgern hinterlegt werden um eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten. 

Daneben hat es Deutschland weiters versäumt für die notwendigen konventionellen Energieträger — sprich Gas — eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten. Auch davor haben politische Experten seit Jahrzehnten gewarnt. Die Folgen der gefährliche Abhängigkeit von russischem Gas sehen wir in den Folgen des Ukraine-Krieges deutlich.

Nur ein Jahre, nachdem Deutschland Südafrika beim Kohleausstieg »geholfen« hat gibt es in Südafrika nun Strom-Blackouts. Was aber noch viel perfider ist: der Kohle-Export aus Südafrika nach Europa und Deutschland vervielfacht sich. 

Mit anderen Worten: während Deutschland versucht seine Energiewende-Ideen in alle Welt zu exportieren (vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländer) greift man selbst sofort die Gas- und Kohle-Vorräte der Welt ab — weil es aufgrund genau dieser Politik im eigenen Land eine Krise gibt.

Die Länder, die man moralisierend belehrt hat, haben jetzt Blackouts und können die eigene Armut mangels Energie nicht abschütteln, während man sich in Deutschland explodierende Preise für Kohle und Gas (noch) leisten kann.

Wer diskutiert diese wirtschaftliche, politische, ökologische und moralische Niederlage in Deutschland? 

Sonntag, 31. Juli 2022

Despair tends to stoke fanaticism

 »The elites talk of the end of the world when we talk of the end of the month.«, Joel Kotkin & Hügo Krüger

If we do not solve this dilemma, we will get nowhere. Cloudy ideas and wishful thinking will backfire and in the end we have neither a clean environment nor a functioning society. This is true for developed and even more so for developing countries:

»The environmental impacts of the energy ban are rarely considered. Up to 40 percent of the African continent still relies on deforestation for its basic energy needs with nearly four million hectares of forest being cut down every year.«

»During the IPCC Glasgow conference, India’s prime minister Narendra Modi said that India will not address climate change until 2070« and Xi Jinping does not even participate at the COP26. What does that mean? Whatever is decided at these conferences is pretty much worthless.

And yet, we continue this type of talking shop, seemingly without understanding that no one (of relevance) is interested in the one dimensional point of view of Western activists. It will lead nowhere, except damaging our societies without effect for climate or nature.

What is the alternative?

Freitag, 4. Februar 2022

»Mit Photovoltaik die Energiewende unterstützen« — Greenwashing und Wunschdenken, statt ernsthafter Transition

In sozialen Netzwerken liest man immer wieder von tollen Energiewende-Projekten. Beispielsweise folgendes:


Das Unternehmen habe ich geschwärzt, weil es im Kern irrelevant ist. Was wird hier gefeiert: 122 Photovoltaik-Anlagen, die 7,5 MW PEAK Leistung liefern, dazu 35 neue Anlagen geplant für 2022. Wenn das Verhältnis vergleichbar ist, kommen also nochmals ca 2 MW Peak hinzu, also sagen wir in Summe rund 10MWp.

Peak-Leistung wird in der Praxis fast nie erreicht, bei PV-Anlagen liegt die Durchschnittsleistung deutlich darunter. Um das mit realen Zahlen zu verdeutlichen: heute produzieren die PV-Anlagen in Deutschland um 15 Uhr rund 8% der installierten Leistung, in Österreich rund 7% der installierten Leistung.




Man kann diskutieren, ob die von dem Unternehmen installierten Anlagen mehr produzieren, aber die reale Leistung liegt jedenfalls weit unter der Nennleistung. Ein Block eines konventionellen Kohlekraftwerks hat 1000MW (durchgängige Leistung), eine Anlage typischerweise mehrere Blöcke. Dieselbe Größenordnung gilt für Kernkraftwerke.

Diese gefeierten 157 PV-Anlagen bieten rund 1 Prozent an Leistung eines konventionellen Kraftwerkblocks. Nennleistung. Real deutlich weniger. Abends und Nachts gar keine Leistung. Wenn das die Strategie unserer Energiewende ist, sehe ich schwarz.


Montag, 24. Januar 2022

Grüne Phantasien als Selbsttäuschung und Bedrohung unserer Zukunft

Ein Vorstand der Austrian Powergrid postet folgende Abbildung auf LinkedIn mit dem Ansinnen, dass wir Netze und Stromspeicher ausbauen müssen, um die Versorgungslücke im Herbst und Winter, sowie teilweise Frühling ausgleichen zu können, damit »Eneuerbare« vollständig zur Stromerzeugung genutzt werden können.


Ich bin mir langsam nicht mehr sicher, ob wir es im Bereich der Energieversorgung beziehungsweise des grünen Aktivismus (auch von akademischer Seite!) mit massiver Inkompetenz oder der Verirrung in Wunschträumen zu tun haben.

Wir haben, nach dieser Abbildung, von September bis April ein klares Minus an »Erneuerbaren«. Das ist zum Teil prinzipbedingt: wenig Wind, keine Sonne. Wo wollen wir die absolut gigantischen Stromspeicher bauen die über vier bis fünf Monate geladen und dann acht Monate oder wenigstens ein halbes Jahr dann diese riesigen Strommengen erzeugen?

Und selbst wenn Ihnen das gelänge: wo bauen Sie die ebenso gigantischen Überkapazitäten der »Erneuerbaren« hin, die dann über den Sommer (oder zu Windzeiten im Rest des Jahres) diese Speicher aufladen? Die Energiedichte der »Erneuerbaren« ist so gering, dass sich das nicht einmal rechnerisch ausgeht.

Und wer soll das alles zahlen? Schon jetzt gehen in Mitteleuropa die Energiepreise durch die Decke mit Folgen für Wirtschaft, Produkte und Dienstleistungen. Die Rechnung zahlt der Durchschnittsbürger. Wie lange das politisch gut geht, kann man sich ausmahlen.

Österreich ist hier noch deutlich begünstigt. Viel dramatischer sieht die Situation noch etwa in Deutschland aus. So sieht es etwa heute in Deutschland nach einer milliardenschweren »Energiewende« aus:


Rund 500g CO2 eq/kWh. Überwiegender Teil der Stromproduktion aus Kohle und Gas: Wind, Solar: Reinfall. Dagegen Frankreich:


Rund 90g CO2 eq/kWh. Über das letzte halbe Jahr produziert Deutschland stetig ca. das 4-6 fache an CO2-Equivalenten verglichen mit Frankreich. Und, ich wiederhole mich: nach Milliardeninvestitionen in eine »Energiewende«. So werden wir die notwendige CO2-Reduktion sicher nicht erreichen.

Noch schwerer wiegt allerdings die Nebelgranate, die sich in der Fußzeile der ersten Abbildung findet — dort steht »Stromproduktion«: die heutige Stromproduktion ist aber ein nahezu irrelevantes Maß, da Strom nur ca. 20-30 % der Gesamtenergie ausmacht (im weltweiten Schnitt). Selbst wenn wir also Strom »dekarbonisieren« haben wir fast nichts erreicht. Das ist ein gängiges Muster einger »grüner« Aktivisten, sich auf die Stromproduktion zu fokussieren, selbst wenn damit das Problem nicht einmal im Ansatz gelöst ist.

Anders gesagt: von grüner Seite wird gefordert zu elektrifizieren, sprich: die verbleibenden 70-80% von fossilen Energieträgern auf elektrische umzustellen. An sich eine richtige Idee. Dies führt aber logischerweise dazu, dass der Strombedarf dann über die nächsten Jahrzehnte dramatisch ansteigen wird. Nun sind wir schon heute mit den aktuellen Strategien nicht in der Lage den heutigen Stromverbrauch zu dekarbonisieren.

Können wir beizeiten eine ernsthafte Diskussion führen, die nicht von Ideologien und Glaubenssätzen ausgeht, nämlich, dass »Erneuerbare« diese Herausforderung bewältigen könnten, und vor allem »grün« bewältigen könnten?

Der Klimawandel ist Realität, es wäre hilfreich, wenn die Lösungsvorschläge nicht schlimmer als die Bedrohung werden.

Mehr dazu siehe auch:

Montag, 18. Januar 2021

Erwachsenwerden in der Krise

Wir leben in einer Zeit, die von dem Mantra geprägt ist, jedes Problem hätte eine Lösung – und wahrscheinlich sogar eine technische. 

Die Realität sieht anders aus. In fast allen für uns relevanten und existentiellen Herausforderungen haben wir es mit komplexen Problemen zu tun.  Dann ist es weder möglich den aktuellen Zustand hinreichend zu beschreiben (mehr dazu in der Zukunft Denken Episode über Wicked Problems), noch den gewünschten Zielzustand. Es ist weiters nicht möglich die Effekte von Eingriffen (langfristig) vorherzusagen. Wir leben in diesen Situationen häufig eine Planungsillusion, die aber außer hohen Kosten und verlorener Zeit nichts bringt. Letztlich bleibt zumeist nur ein Fahren auf Sicht.

Wir hören auch eine andere Sache ungern: es gibt Probleme, die wir nicht, oder nicht mehr (vollständig) lösen können. Die Klimakrise gehört wohl dazu. Im Jahr 2017 ist ein bemerkenswert offener Artikel im Guardian erschienen, der ausnahmsweise nicht die übliche Machbarkeitsillusion vorgetragen hat: ‘A cat in hell’s chance’ – why we’re losing the battle to keep global warming below 2°C (Keine Chance – warum wir den Kampf die Klimaerwärmung unter 2°C zu halten verlieren.) Ein gutes Dutzend anerkannter Wissenschafter, Klimaforscher, Ökologen usw. kommen zu dem (leider recht offensichlichen) Schluss, dass wir bereits zu sehr in die Erd-System eingegriffen haben und die 2°C Schwelle nur mehr theoretisch halten können. 

Theoretisch auch darum, weil so große Änderungen an unserer Lebenswelt in so kurzer Zeit notwendig wären, die in keinem politischen System realistisch umsetzbar und vermutlich auch instabil sind. D.h. die Medizin wäre vermutlich ebenso schlimm wie die Krankheit. In den letzten vier Jahren ist zudem nichts nennenswertes geschehen um die Emissionen zu bremsen und nach der Corona-Krise ist keine Revolution zu erwarten. Was also vor vier Jahren gegolten hat, gilt heute umso mehr.

Der Philosoph Wolfram Eilenberger sagt:

»Schon vor 30 Jahren war die Erkenntnislage wie heute.« 
»Wenn man sagt, es ist ein Wettlauf mit der Zeit (‘wir haben noch diese drei Jahre...'), dann werden wir diesen Wettlauf verlieren.« 

Wir haben also bei der Klimakrise keine nennenswerte Erkenntnis- sondern eine Handlungslücke von ca. 30 Jahren; sowie, wie ich ergänzen möchte, den vielfachen Versuch diese Handlungslücke zu erklären und durch andere Öffentlichkeits- und Politik-Maßnahmen zu verbessern. Nichts davon hat bisher zu den wissenschaftlich notwendig erklärten Schritte geführt.

Ich denke, es ist Zeit, eine erwachsene Diskussion zu führen und das Wunschdenken loszulassen. Das Verbessern oder besser, der Umgang mit realen Problemen ist ein langfristiger Transformationsprozess. Auch wenn wir es gerne hätten:  Revolutionen scheitern in der Regel und führen eher in die Katastrophe. Wir haben idealistische Ideen, wie die Welt besser sein soll, aber ein revolutionäres Neu-Design muss an der Komplexität, den Wechselwirkungen und der mangelnden Vorhersagefähigkeit scheitern. 

Ich weiß auch nicht genau, was die gesellschaftliche Folge dieses Erwachsenwerdens wäre, bin aber überzeugt davon, dass eine Gesellschaft, die nur in zwei Polen lebt – auf der einen Seite der Negierung auf der anderen Seite des Wunschdenkens – keine Zukunft hat.

Ein solcher Transformationsprozess benötigt leider Zeit. Die Folge wird sein, dass wir wesentliche Klimaziele nicht erreichen werden – mit allen daraus folgenden negativen, ja katastrophalen Konsequenzen. Woraus eine weitere Erkenntnis folgt: ein Vorbereiten auf das Scheitern wird neben allen anderen Maßnahmen notwendig sein. 

“Die rettende Idee besteht schlicht darin, dafür zu sorgen, dass die menschlichen und Berechnungsfehler beschränkt bleiben, und zu verhindern, dass sie sich im System ausbreiten”, Nassim Taleb

Sonntag, 4. Oktober 2020

Game over für das Klima durch zweite Trump Amtszeit und andere Irrtümer

Der bekannte Klimaforscher Michael Mann schreibt in einem Guardian Artikel: »Eine zweite Trump-Amtszeit wäre ‚Game Over‘ für das Klima«.

Das ist in gewisser Weise richtig und gleichzeitig bemerkenswert falsch. Wir wissen, dass Klima-Effekte mittelfristig bis langfristig auftreten. Das heißt alles, was wir aktuell erleben sind Effekte von mehr als 100 Jahren menschlicher Industrie (und wie manche Argumentieren, Jahrtausenden von großflächiger Veränderung unserer Welt, etwa durch landwirtschaftliche Aktivitäten, und Rodungen usw.). Die Treibhausgase, die wir jetzt in die Atmosphäre blasen, wirken folglich ebenso weit in die Zukunft. Anders gesagt: die Amtszeit eines US-Präsidenten dauert vier Jahre. Die Idee, dass vier Jahre den Unterschied zwischen einem lebenswerten und katastrophalem Klimawandel machen ist unter den genannten Rahmenbedingungen bemerkenswert irreführend. 

Was wir uns nicht eingestehen wollen – und derartige Artikel tragen zu weiterer Vernebelung bei: Es gibt wohl keine realistische Chance mehr, die Klima-Katastrophe zu verhindern. So weit ist der Artikel also fundamental falsch. Und mit ihm auch die große Zahl der wohlmeinenden aber bevormundenden Aussagen und Artikel vieler Klimaschützer, die immer noch so tun, als könnten wir die Katastrophe vermeiden. Der Zug ist, nach allem was wir wissen, abgefahren, und hinter vorgehaltener Hand sagen das die Klimaforscher auch. Bevormundend ist es, mit der Bevölkerung nicht ehrlich zu kommunizieren. Und diese Bevormundung wird als unwahre Kommunikation durchaus wahrgenommen, mit allen negativen Folgen:

Es passt schlicht nicht zusammen auf der einen Seite zu behaupten, die massiven Brände in Australien und Kalifornien, sowie Tropenstürme, Überschwemmungen in Asien usw. wären Folgen des Klimawandels und andererseits zu behaupten, wenn wir nur entsprechende Maßnahmen setzen, können wir dies noch verhindern. 

Wild fire in California 2020 (Photo by Jeff Head, public domain)

Richtig ist vermutlich, dass wir noch gewisse Handlungsspielräume haben, um die Folgen dieser Katastrophe in Grenzen zu halten. Das bedeutet einerseits alle Maßnahmen, die zu einer radikalen Treibhausgasreduktion führen (ohne ideologische Verwirrungen, wie etwa der europäischen anti-Kernkraft Bewegung auf der einen und E-Auto Propaganda auf der anderen); aber ebenso wichtig: alle Maßnahmen, die die Resilienz der Gesellschaft stärken: Maßnahmen gegen Überschwemmungen, robustere Sozialsysteme, mehr Lokalität als Globalität in Politik und Wirtschaft, um nur weniges zu nennen. Und natürlich eine Erforschung aller möglicher technischer Maßnahmen (»Geoengineering«), die notwendig werden könnten um das schlimmste zu verhindern.

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch über die mittelfristigen politischen Konsequenzen Gedanken machen: Die Grünen (als Bewegung und Partei) sind gewissermaßen am Ende eines Weges angelangt. Die Wohlfühl-Politik der letzten Jahrzehnte – wir können eh irgendwie so weiterleben wie bisher, ohne jeden Verzicht, müssen halt nur ein E-Auto kaufen und ein paar Windräder bauen – wird bald entlarvt sein: der König (und die Königin) haben keine Kleider.  Damit sitzen die Grünen zwischen den Sesseln: aggressivere und realistische Politik – die Wahrheit sagen – trauen sie sich nicht; moderate Bobo-Bürgerlichkeit hat eine sehr begrenzte Wählerschaft, und die prinzipiell wichtigen Ideen einer höheren Solidarität in der Gesellschaft schaffen sie nicht glaubwürdig zu vertreten. Dafür gibt es zu viele verwirrte und schrille Stimmen und am »woken« linken Rand der grünen Parteien und Bewegungen. 

Dazu kommt ein sehr fundamentales Problem: selbst wenn wir mit aggressiveren und realistischeren grünen Konzepten kurzfristig Wahlen gewinnen würden, würden die Grünen das mittelfristig nicht überleben. Damit sind wir wieder am Anfang des Artikels angelangt: aufgrund der Trägheit der Systeme (und der Tatsache, dass die Musik im wesentlichen in Asien, Afrika und zum Teil den USA spielt) wird jede durchwegs sinnvolle Maßnahme den Klimawandel einerseits nicht verhindern, sondern (im besten Fall) die Katastrophe begrenzen und andererseits weit in die Zukunft wirken. 

Heutige absolut sinnvolle Maßnahmen würden uns und unseren Kindern fast nichts bringen, dafür für späteren Generationen überlebenswichtig sein. Beides funktioniert in aktuellen Demokratien nachweislich nicht.

Die Gewinner dieser Situation werden gleichzeitig die Totengräber unserer modernen Gesellschaft sein, die Brand-Beschleuniger des Untergangs. Der Blick wird getrieben sein von kurzfristigen (massiven) Problemen wie großer Arbeitslosigkeit und steigender Armut, von der Klimakrise getriebene Flüchtlingsströme usw. Rechts-populistische und -radikale Parteien aber auch links-extreme werden in vielen Ländern den Ton angeben. Mit widersprüchlichen, inkompatiblen und weitgehend unsinnigen Ideen, aber Ideen, die die Anmutung haben, die dann aktuellen Probleme zu lösen. Langfristige Projekte sind in einer solchen Situation chancenlos. 

Diese Phänomene sehen wir bereits jetzt in aller Deutlichkeit in der Corona-Krise und der Herbst/Winter wird die Situation nochmals dramatisch verschärfen. Die Politik will das (noch) nicht eingestehen, aber es steht uns einiges bevor. Und alle Maßnahmen richten sich auf das Jetzt, das Morgen, sicher nicht auf das Übermorgen. Im Gegenteil.

Diese Spaltung der Gesellschaft wird zu Gewalt führen und zu einem Lokalismus der negativen Art auslösen, also nicht einem der versucht Resilienz durch lokale Entscheidungen aber mit Blick auf die ganze Welt zu finden, sondern einem der in maximalem Egoismus gegen alle anderen gerichtet sein wird. 

Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden?

Mittwoch, 19. Juni 2019

Normale Menschen

Wie macht man »normalen« Menschen klar, dass der Lebensstil, an den sie sich gewöhnt haben, nicht aufrecht erhalten werde kann? Wie bei einem Kind, dem man seine Spielzeuge wegnimmt. Erwachsene verhalten sich da nur marginal anders. Es löst Trotzreaktionen aus. Aber ich will mein Auto behalten. Das stimmt alles nicht, was ihr sagt. Alle Kollegen in der Firma fahren auch  mit dem Auto, nur ich darf nicht!

Die Alternative ist ein globaler Kollaps. Nicht morgen, aber wohl in meiner Lebenszeit. Aber das ist eben nicht jetzt für jeden unmittelbar greifbar. Und solange uns der Händler den SUV noch so billig anbietet – warum nicht zugreifen? Warum wirklich nicht? 

Und außerdem: wir setzen mit unseren dümmlichen Medien die Referenz für das, was mittlerweile global als »guter Lebensstandard« empfunden wird – auch wenn es mit gutem Leben in einem ernsthaften Sinn nicht viel gemein hat.

Davon abgesehen, sind »normale« Menschen in ihrem Alltag verfangen. Sie machen, was ihnen beigebracht wurde. Schule. Eltern. Hinterfragen das kaum. Warum auch? Es funktioniert ja seit Jahrzehnten. Die Industrie gibt Milliarden aus,  damit das Fliegen als ganz normales Transportmittel gilt, damit der PKW und das neue Mobiltelefon jedes Jahr als Normalfall für Jedermann dargestellt wird. Ventilatoren, Lampen, Kameras, Uhren, Waschmaschinen, Bekleidung. Wegwerfprodukte. 

Wer nach Reparaturen fragt, macht sich zum Außenseiter.

Die Menschen sind eingebettet in Strukturen, die also systematisch von falschen Prämissen ausgehen. 

Aber wer hat die Energie dagegen anzukämpfen? 

Für viele Menschen gibt es in ihrem Leben wenig Freiraum für Reflexion. In der Arbeit unter Druck, zuhause die Familie und andere Dinge, die Konzentration rauben. Wenn eine Minute Zeit ist, wird sie mit (sinnlosen) Ablenkungen vertan – aber wer könnte das verurteilen? Wer kann einem Twitter- oder Facebook-Stream widerstehen, der von Experten optimiert wurde uns süchtig zu machen und keinesfalls besonders tief nachzudenken.

Also wie durchbrechen wir diese Situation? Geht das überhaupt? 

Oder ist es nicht das viel natürlichere zu genießen, bis es eben zu Ende ist?

Freitag, 22. Februar 2019

Wetten auf die Katastrophe – statt sie zu verhindern

Seit Jahren ist es recht offensichtlich, dass es mit dem Unverständnis des Klimawandels und anderer ökologischer Katastrophen – jedenfalls in den ökonomischen Eliten –  gar nicht so weit her ist. Das Verhalten lässt sich in vielen Fällen eher durch Opportunismus erklären. Wenn ich weiß, dass in der nicht zu fernen Zukunft weite Küstenstriche von Überflutungen zerstört werden, dass Waldbrände teure Grundstücke und landwirtschaftliche Flächen entwerten, dass Unruhen und Ausschreitungen in bestimmten Gegenden besonders wahrscheinlich sein werden, dass der Abbau von Kohle und Öl keine Zukunft haben darf? Was unternehme ich als (zynischer) Großinvestor? 

Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko
Die Antwort ist offensichtlich: möglichst wenig Aufmerksamkeit auf diese Themen lenken, sprich Klimawandel und ökologische Katastrophen lautstark lächerlich machen. Denn man hat natürlich kein Interesse an einer Entwertung der Assets, die man noch besitzt. 

Nun ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach alternative Investition zu finden. Zeit wird benötigt um noch die letzten konventionellen Ressourcen gewinnbringend zu nutzen, einen »Dummen« zu finden, dem man die im Grunde wertlosen Investitionen noch gewinnbringend verkaufen kann, die man selbst durch die Nutzung der Ressourcen wie Öl, Kohle, Mobilität usw. zerstört hat. Daher tauchen in regelmäßigen Abständen Berichte auf, dass die großen Öl-Produzenten wie Shell schon lange über die Auswirkungen ihrer industriellen Tätigkeiten Klarheit haben.

Bildung und Aufklärung wäre im Interesse der Menschen, ist aber nicht im Interesse der dominierenden ökonomischen Elite.

Douglas Rushoff hat in seinem Podcast eine Verschärfung dieses Gedanken geäußert: Finanzstarke Investoren aber auch die »konservative« Politik glauben, nun auch in die Zukunft gedacht, nicht mehr daran, dass sich Klimawandel und die damit eingehenden Katastrophen noch verhindern lassen. Es geht also gar nicht mehr nur um die Verleugnung der Schäden der aktuellen Investitionen, sondern um die Frage, wie unsere Welt in der Zukunft aussehen wird. Und die Erkenntnis ist: schrecklich. 

Und sie machen genau das, was sie in unserer zynischen Welt gelernt haben: Sie wetten mit ihren Investitionen auf dieses Ergebnis und auf eine perverse Art haben sie daher nur mehr wenig Interesse an positiver Veränderung. 
»The wealthy are now investing in the inevitability of climate change. Let’s start talking about our collective sustainable future in ways that make the rich start to bet on our ability to avert catastrophe.«, Douglas Rushkoff: Tweet, Medium
Erkenntnis führt in diesem Fall zu einem selbstverstärkenden Prozess, der uns immer tiefer in die Krise führt.

Sonntag, 11. November 2018

Nerdfail – eine Polemik

Just do it!

Wir können es besser! Lassen wir doch die doofen alten verkorksten Ansätze beiseite und legen wir frisch los. So sind wir mit der Arroganz der Jugend (oder korrekter des gemeinen Nerds, der im wesentlichen aus dem IT-Umfeld kommt) an Politik und Gesellschaftsveränderung herangegangen. Und, wie sich heute zeigt, leider spektakulär, jenseits der negativsten Prognosen gescheitert.

Ein sehr schöner Artikel mit Beiträgen zahlreicher »Silicon Valley« Pioniere beschreibt den allgemeinen Kater, der viele im Augenblick zu Recht erfasst hat. Zu kurz kommt für mich die Hybris, die epische Selbstüberschätzung der „Elite“ der Nerds. Es wird im Artikel nahegelegt, viele Techniker wüssten welchen Schaden sie anrichten und täten es trotzdem. Diese Fälle wird es geben, v.a. auch bei den Entscheidungsträgern, vermute ich. Das für mich schlimmere Phänomen aber ist, dass der reine Fokus auf die Technik vielen reicht. Ich mache technisch etwas cooles und weil es cool ist und ich jung und modern, muss es auch gut für die Welt sein. 

Wir konnten und können dabei zwei Glaubenssätze beobachten, die gleichzeitig (auch ohne es zu nennen) politische Programme sind. Erstens: neue Technologie ist gleich Fortschritt und zweitens, wir brauchen keine Politik mehr, denn wir die Probleme der Zeit sind im wesentlichen technisch/organisatorische Probleme, die sich mit einem technisch/optimierenden Zugang leicht lösen lassen. Beziehungsweise eine Abwandlung der zweiten: Neue Technologie wird de facto eine neue und bessere Gesellschaft erstellen, die Politik im herkömmlichen Sinne nicht mehr braucht.

Die Folgen sehen wir mittlerweile an allen Ecken und Enden: da neue Technologie, v.a. Software unser Leben besser macht – also per definitionem Fortschritt ist–, brauchen wir  nicht viel nachdenken oder gar die Bevölkerung einbinden (die würden es ohnedies nicht verstehen), sondern können jede Neuigkeit gleich maximal breit ausrollen. Diejenigen, die sich Kritik erlauben, werden als Internetausdrucker oder ewig Gestrige, Fortschrittsverhinderer, Reaktionäre bezeichnet. Da sich alle Probleme der Welt, von Armut bis zum Klimawandel, mit neuen Techniken lösen lassen, lassen  wir uns von den alten Verhinderern mit ihrer langsamen Entscheidungsfindung nicht aufhalten. Handelsplattformen, Mikro-Kredit-Systeme, oder das Elektroauto sind schnell auf den Markt geworfen. Zwar wird heute kaum mehr etwas zu Ende gedacht oder -entwickelt, aber das ist egal, das Produkt reift beim Kunden. Mobilität müssen wir keinesfalls fundamentaler hinterfragen. Denn wenn erst jeder Bürger des Planeten ein Elektroauto fährt, wird die Luft rein, die Städte lebenswert und der Klimawandel Geschichte sein. So auch die Mission von Tesla:

»to accelerate the advent of sustainable transport by bringing compelling mass market electric cars to market as soon as possible«, Tesla Mission 

Alles wird gut. Vergessen haben wir dabei, dass Langsamkeit in der Entscheidungsfindung durchaus ein wohl-durchdachtes Feature kein Bug moderner Gesellschaften ist. Diese haben wird zerbrochen, und es stellt sich aber heraus: die Nerdkultur ist mindestens so fehlerbehaftet wie die der alten Scheißer. Es geht nur wesentliche schneller und oftmals in die völlig falsche Richtung. BitCoin, Facebook, das Internet der Konzerne, Werber und Überwacher.

Round Mountain Goldmine [Wikimedia Commons, PDTillman]

BitCoins sind ein schönes Beispiel: was für eine Innovation! Lasst uns frohen Mutes Zahlungssysteme entwickeln, die illegale Geldflüsse, dubiose Transaktionen und Spekulationen aller Art noch einfacher machen. Und das Beste: das Erzeugen von BitCoins belastet die Natur auch nur rund dreimal so stark wie der Abbau von Gold. Wenn das kein Innovation, kein Sieg über den alten Finanzkapitalismus ist!

Move fast and break things. Der Slogan von Mark Zuckerberg wird wörtlich genommen. Auch Uber, Facebook oder AirBnB scheren sich wenig um gesetzliche Rahmenbedingungen. Don’t be evil, der Google Slogan ist auch bei der ersten Feindberührung von der Wand gefallen. Jedes kleine Startup in Deutschland oder Österreich wäre auf der Stelle von den Behörden dem Erdboden gleichgemacht worden, hätte es sich so verhalten wie Uber oder AirBnB. Vor den US-Monopolisten aber gehen wir in die Knie. Hier zeigt sich, wo man hinkommt, wenn man staatliche Strukturen für wertlos hält. 

Auch wenn der Eindruck hauptsächlich von (US) Eliten geweckt wird: die zahlreichen anderen Probleme der Zeit, die unsere Gesellschaft im Kern bedrohen, wie der Klimawandel, außer Kontrolle geratene Finanz- und Wirtschaftspraktiken, politische Radikalisierung, Kollaps von Ökosystemen usw. werden durch mehr und bessere Technologie – alleine – mit Sicherheit nicht gelöst. Setzen wir die Umsetzung mit vergleichbarer Naivität wie in der Vergangenheit fort, so ist eher zu erwarten (denken wir an die politische Radikalisierung), dass die Technologie noch dramatischzur Verschärfung der Lage beitragen wird.

Damit kommen wir zum zweiten Punkt: der vermeintlichen a-politik der Nerds. Nerdkultur ist jedenfalls ideologisch bemerkenswert: an der Fassade ist sie liberal, mit der (durchaus ehrlichen gemeinten) Intention, vielen Menschen zu helfen und neue Möglichkeiten zu geben. Insofern könnte man sie sogar als klassisch links bezeichnen. Im Effekt ist sie aber brutal neoliberal. Im hässlichsten Sinne des Wortes. Sie zerstört in einer kaum zu begreifenden Geschwindigkeit etablierte Systeme. Das Ablösen alter Systeme wäre für sich genommen noch nicht unbedingt ein Fehler. Das Problem ist die Geschwindigkeit. Es bleibt weder Zeit nachzudenken, zu überlegen, was für die meisten Menschen eine positive Änderung wäre. Es wird vielmehr von einer (zumeist Finanz-) Elite definiert, wie die “gute” Gesellschaft auszusehen hat. Das ist sehr dünn durchdacht, aber umso schneller umgesetzt und dient dann, wer hätte das gedacht, vor allem wieder den ursprünglichen Investoren. 

Die Vordenker träumen die, wie Fred Turner das ausgedrückt hat: »Cyber Phantasy that technology can substitute for politics«. Den Investoren geht das am A… vorbei, solange sich die Investition rechnet und sie über diesen Weg an reale politische Macht gelangen, und die Nerds streiten sich darum, wer auf den Techno-Spielplätzen von Google, Amazon und Co arbeiten darf. Denn sie arbeite ja – vermeintlich – an einer besseren Zukunft. Don’t be evil. Hatten wir schon...

Die politische Dimension hat aber auch anderes Erstaunliches zu bieten. Erinnern wir uns an die Implosion der Piratenpartei. Eine Partie der Jungen, der Nerds, der Intellektuellen, die alles besser wussten, natürlich digital natives sind und alles digital besser machen wollten. Ist es nicht bemerkenswert, dass die Piraten nicht am Feind, am politischen Gegner gescheitert sind? Dazu ist es nicht ernsthaft gekommen. Sie haben sich schon zuvor durch spektakuläre Inkompetenz und innere Konflikte zerrieben. Das ist verheerend, denn wir bräuchten starke und auch junge politische Parteien.

Wir wollten die Systeme demokratischer werden lassen, mehr Mitsprache erlauben. Statt dessen werden sie radikal und oligarchisch. Sie unterstützen und ermöglichen Kriminalität in erheblichem Ausmaß, Menschen werden nicht empowered sondern zu Figuren von Monopolen. The winner takes it all, das geltende Prinzip im E-Commerce, führt zu einer Festigung bestehende Machtstrukturen oder sie durch andere Monopole ersetzt. Die Schwachen werden eher noch schwächer und die Schwächsten bleiben auf der Strecke. Die Menschen sind im Dauerfeuer der Informationskanäle und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Statt Erholung erhöhen wir die Informationsdichte – IT auf Drogen.

Die realen Wirkungen ihres Tun wollen viele Protagonisten immer noch nicht wahrhaben. Sie sind, um Mephistopheles das Wort zu verdrehen: Ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.

Was aber das wichtigste ist: die Idee, Technik könnte Politik ersetzen ist ein fataler Irrtum und führt zu einem von zwei wenig wünschenswerten Ergebnissen: entweder kapert die reaktionäre (etablierte) Politik diese Systeme mit überraschendem Geschick (Trump, AFD, chinesische Regierung etc.) oder es entstehen tatsächlich Parallelstrukturen, die zwar auf den ersten Blick nicht politische sind (Silicon Valley Kapitalismus, Elite-Schulen und -Universitäten), die aber, sozusagen über Bande, dann zu den politischen Treibern des 21. Jahrhunderts werden. Und dies mit globalem Einfluss ohne gesellschaftliche Legitimität vor Ort.

Ist IT als böse? Müssen wir zurück ins 19. Jahrhundert? Kaum. Aber die Zeit des wilden Westens und der kindlichen Naivität sollte vorbei sein. Schreiben wir die aktuellen »Innovationen« als Lehrgeld ab. Es trifft keine Armen. Denn wir haben eine Wahl. Und wir sind die Bürger, weder die Nerds noch die Investoren. die Die Zukunft ist nicht vorbestimmt und – entgegen anderslautender Behauptungen – nicht alternativlos. 

Samstag, 28. Juni 2014

Die Zukunft der Menschen im Technium oder Makrogerät – Kevin Kelly vs. Günther Anders

Das mittlerweile einige Jahre alte Buch "What Technology Wants" von Kevin Kelly ist nach wie vor eine unbedingte Lese-Empfehlung. Ich teile die Schlussfolgerungen von Kevin Kelly nicht in jeder Hinsicht, aber es ist eine ungeheuer intelligente Analyse, wie wir Menschen, oder besser die Menschheit mit der Technik eins geworden sind oder vielmehr, wie Technik (oder "das Technium", wie es Kelly nennt) als eigene Kraft zu verstehen ist. Einige Zitate aus diesem Buch:
"Each new invention requires the viability of previous inventions to keep going."
"Technical arts enabled new tools, which launched new arts, which birthed new tools, ad infinitum. Artifacts were becoming so complex in their operation and so interconnected in their origins that they formed a new whole: technology."
"As a word, technium is akin to the German word Technik, which similarly encapsulates the grand totality of machines, methods, and engineering processes."
"... we do have three types of evidence strongly suggesting that the paths of technologies are inevitable: 1. In all times we find that most inventions and discoveries have been made independently by more than one person. 2. In ancient times we find independent timelines of technology on different continents converging upon a set order. 3. In modern times we find sequences of improvement that are difficult to stop, derail, or alter. […] when all the required conditions generated by previous technologies are in place, the next technology can arise."
Kurz gesagt, der Schluss, den Kelly in seiner Analyse zieht ist, dass die technische Entwicklung, die wir erleben, im Grunde unvermeidlich ist. Natürlich erkennt auch Kelly, dass jede neue Technologie Seiteneffekte hat, sowie systemisch mit anderen Technologien interagiert und wirft die offensichtliche Frage auf, ob wir Menschen auch weiterhin in der Lage sein werden, die Dinge, die wir geschaffen haben unter Kontrolle zu halten. Oder wird uns diese Entscheidung mittelfristig gar abgenommen? Wir kommen darauf zurück.

Bis zu diesem Punkt teile ich seine wirklich herausragende Analyse. Kelly verbreitet in seinem Buch letztlich eine optimistische und gelassene Grundhaltung. Zwar können wir die Entwicklung nicht wirklich aufhalten oder steuern, aber letztlich wird alles gut gehen. Jedenfalls lese ich seine Analyse so:   
"The technium spends only one quarter of its energy on human comfort, food, and travel needs; the rest of the energy is made by technology for technology."
Vielleicht kommt es letztendlich sogar dazu, dass die Entwicklung auch ohne uns weitergeht? (Dies ginge in die Richtung extremerer Interpretation der Singularisten, die ich nun wirklich für unseriös halte.) In konkret dieser Form drückt es Kelly nicht aus, aber seine Position ist recht deutlich und  passt zu dem häufig bei den Eliten in den USA vorzufindendem Techno-Optimismus. Sehr vereinfacht zusammengefasst: die Probleme mögen enorm sein, aber einerseits können wir den Fortschritt ohnedies nicht aufhalten und auf lange Sicht gesehen, werden wir die Probleme mit Hilfe des Techniums bewältigen.

Unnötig zu sagen, dass nicht jeder eine solch optimistische Stimmung mitbringt. Einen Aspekt, den Kelly meines Erachtens nach nicht hinreichend berücksichtigt ist die Tatsache, dass wir immer mehr auf Karten setzen, die mit den anderen Karten ein immer höheres und fragileres Kartenhaus formen. Ein Zusammenbruch einzelner Teile eines hochkomplexes Systems, das nicht geeignet entkoppelt ist (wie beispielsweise unser Wirtschafts- und Finanzsystem, oder das Wechselspiel unserer Wirtschaft mit den planetaren Systemen), kann in kurzer Zeit kollabieren. Dazu braucht es nicht einmal Atomwaffen, wenngleich diese ein gutes Symbol für die "binäre Macht" ist, die wir Menschen erreicht haben. Wir sind in der Lage mit unserer Technologie Nutzen für Viele zu stiften aber auf der anderen Seite in kurzer Zeit globalen Totalschaden anzurichten – und genau auf diesen Totalschaden steuern wir derzeit ohne erkennbare Kursänderung zu.



Mein Verweis auf die Atomwaffen war auch nicht ganz zufällig gewählt. Ich möchte damit auf einen anderen Autor und Philosphen verweisen. Günther Anders hat bemerkenswerterweise bereits in den 1950er Jahren sehr ähnliche Beobachtungen gemacht. In seinem ersten Teil der "Antiquiertheit des Menschen" schreibt er bereits sehr weitsichtig:
"Denn einzelne Geräte gibt es nicht. Das Ganze ist das Wahre. Jedes einzelne Gerät ist seinerseits nur ein Geräte-Teil, nur eine Schraube, nur ein Stück im System der Geräte; ein Stück, das teils die Bedürfnisse anderer Geräte befriedigt, teils durch sein eigenes Dasein anderen Geräten wiederum Bedürfnisse nach neuen Geräten aufzwingt. Von diesem System der Geräte, diesem Makrogerät, zu behaupten, es sein ein ‘Mittel’, est stehe uns also für freie Zwecksetzung zur Verfügung, wäre vollends sinnlos. Das Gerätesystem ist unsere ‘Welt’. Und ‘Welt’ ist etwas anderes als ‘Mittel’. Etwas kategorial anderes."
und etwas später:
“Die Geräte sind die ‘Begabten' von heute.”
Das "Makrogerät" ist natürlich dem Technium von Kevin Kelly sehr ähnlich. Liest man Anders, so erkennt man den bis heute zu beobachtenden, gegensätzlichen Zugang zum "Technium". Während die US-Eliten in der Regel in bekannt US-amerikanischer "can do" Mentalität auftreten, ist Anders ein Vertreter der kulturpessimistischeren Fraktion. Anders war einer der Ersten, der erkannt und beschrieben hat, dass die Welt nach der Atombombe eine in den Fundamenten andere ist als zuvor. Viele Jahre seines Lebens hat er sich mit diesem Thema beschäftigt; dabei hat er sich nicht nur als Philosoph, sondern vielmehr als Aktivist verstanden. 

Aber auch seine Technik-Kritik ist bis heute in vielen Punkten sehr lesenswert, wenngleich deutlich sperriger zu lesen als Kellys Buch. Der erste Teil der "Antiquiertheit des Menschen" erscheint in den 1950er Jahren, der zweite in den 1970er Jahren. Anders setzt sich intensiv mit verschiedenen Entwicklungen wie der Atombombe, aber auch mit dem Einfluss der Technik auf die Gesellschaft im allgemeinen auseinander. Anders stirbt 1992 im Alter von 90 Jahren. Die mehr oder weniger totale Veränderung der Ökosysteme, die wir mit unserem Lebensstil ausgelöst haben, war kaum Thema seiner Bücher. Allerdings bin ich überzeugt davon, dass er in der systemische Bedrohung durch Klimawandel, Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung eine ähnliche Gefahr gesehen hätte wie in der Atombombe.

Vielleicht ist es aber doch so, dass es wir Menschen sind, die zum "Saboteur der eigenen Produkte" geworden – und damit die eigentliche Belastung des Planeten sind. Vielleicht sollten wir den Produkten Platz machen und uns nicht so störrisch im Mittelpunkt sehen. Vielleicht ließe sich Günther Anders Sichtweise so zur Modeströmung der Singularisten verbiegen:
“Nicht weil das Flügelwachs versagt, stürzt heute Ikarus, sondern weil Ikarus selbst versagt. Könnte er sich selbst als Ballast abwerfen, seine Flügel könnten den Himmel erobern.", Günter Anders
(Zum Glück erlebt Anders meinen nicht ganz ernsthaften Versuch der Synthese nicht mehr.)

Zum Abschluss...

Es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Blog zu lesen. Natürlich sind viele Dinge, die ich hier diskutiere aus einem subjektiven Blickwinkel geschrieben. Vielleicht teilen Sie einige Ansichten auch nicht: Es würde mich jedenfalls freuen, Kommentare zu lesen...

Noch ein Zitat zum Schluß:

"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.

Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)

:-)