»In 1856, the American [Field] arrived in London, prepared to promise anything to sell more shares. To bankers, he claimed his cable would bring an eight percent return; to idealists, it would bring world peace.«, PBS
Nachdenken, Lesen, Reflektieren. In diesem BLOG möchte ich einigen Gedanken nachhängen, die nicht unbedingt ausgereift genug sind um einen "geschliffenen" Artikel zu schreiben, die ich aber dennoch teilen möchte.
Mittwoch, 27. Juli 2016
Versprechen und Realität
Montag, 14. September 2015
Grenzenlos?
Freitag, 12. Dezember 2014
Das Selbstbild der Technik
»Die Mittel alleine deshalb herzustellen, weil sie hergestellt werden können, also alles zu machen, was technisch machbar ist – diese Meinung hält C.F von Weizsäcker für einen kindlichen Allmachtstraum, der bei einem Kind rührend, bei einem Erwachsenen verbrecherisch sei. Und er fährt fort: „Diese Meinung ist Ausdruck einer prinzipiell untechnischen Mentalität. […] Wo kein Zweck ist, da ist das Mittel unnötig. Wer die Zwecke nicht erwägt, handelt gegen den Geist vernünftiger Technik. Alles Machbare zu machen ist Drogenmissbrauch, Missbrauch der Frohe Macht. Es verdient nicht den Namen Technik. Technik ist erwachsene Genauigkeit.“«, Klaus Kornwachs, Philosophie der Technik, C.H. Beck Wissen (2013)
![]() |
| C. F. von Weizsäcker (Wikimedia) |
»Heute — dies ist die fixe Idee der industriellen Revolution — [ist] das Mögliche durchwegs als das Verbindliche, das Gekonnte durchwegs als das Gesollte akzeptiert. Von der Technik gehen die moralischen Imperative von heute aus. [...]«
»Hektisch suchen wir für diese Produkte nach raison d'être, verzweifelt jagen wir nach Fragen, die den Antworten, die wir bereits haben, nachträglich Legitimierung verschaffen könnten.«, Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen
Sonntag, 14. September 2014
Die stille Macht der Narrative
![]() |
| Photo by Daniel Go (flickr) |
»Wer in der neoliberalen Leistungsgesellschaft scheitert, macht sich selbst dafür verantwortlich und schämt sich, statt die Gesellschaft oder das System in Frage zu stellen. […] Im neoliberalen Regime der Selbstausbeutung richtet man die Aggression vielmehr gegen sich selbst. Diese Autoaggressivität macht den Ausgebeuteten nicht zum Revolutionär, sondern zum Depressiven.«, Byung-Chul Han, Psychopolitik
»Things may be changing, runs the narrative, but there is nothing we cannot deal with here, folks. We perhaps need to move faster, more urgently. Certainly we need to accelerate the pace of research and development. We accept that we must become more ‘sustainable’. But everything will be fine. There will still be growth, there will still be progress: these things will continue, because they have to continue, so they cannot do anything but continue. There is nothing to see here. Everything will be fine.«
[…]
»Yet for all this, our world is still shaped by stories. Through television, film, novels and video games, we may be more thoroughly bombarded with narrative material than any people that ever lived. What is peculiar, however, is the carelessness with which these stories are channelled at us — as entertainment, a distraction from daily life, something to hold our attention to the other side of the ad break. There is little sense that these things make up the equipment by which we navigate reality. On the other hand, there are the serious stories told by economists, politicians, geneticists and corporate leaders. These are not presented as stories at all, but as direct accounts of how the world is.«
»Je größer die Macht ist, desto stiller wirkt sie.«, Byung-Chul Han
Donnerstag, 24. Juli 2014
Ein Grundkurs Psychologie in Istanbul
![]() |
| Galata Brücke in Istanbul |
Soweit eine kaum bemerkenswerte Begebenheit.
Samstag, 28. Juni 2014
Die Zukunft der Menschen im Technium oder Makrogerät – Kevin Kelly vs. Günther Anders
"Each new invention requires the viability of previous inventions to keep going."
"Technical arts enabled new tools, which launched new arts, which birthed new tools, ad infinitum. Artifacts were becoming so complex in their operation and so interconnected in their origins that they formed a new whole: technology."
"As a word, technium is akin to the German word Technik, which similarly encapsulates the grand totality of machines, methods, and engineering processes."
"... we do have three types of evidence strongly suggesting that the paths of technologies are inevitable: 1. In all times we find that most inventions and discoveries have been made independently by more than one person. 2. In ancient times we find independent timelines of technology on different continents converging upon a set order. 3. In modern times we find sequences of improvement that are difficult to stop, derail, or alter. […] when all the required conditions generated by previous technologies are in place, the next technology can arise."
"The technium spends only one quarter of its energy on human comfort, food, and travel needs; the rest of the energy is made by technology for technology."
"Denn einzelne Geräte gibt es nicht. Das Ganze ist das Wahre. Jedes einzelne Gerät ist seinerseits nur ein Geräte-Teil, nur eine Schraube, nur ein Stück im System der Geräte; ein Stück, das teils die Bedürfnisse anderer Geräte befriedigt, teils durch sein eigenes Dasein anderen Geräten wiederum Bedürfnisse nach neuen Geräten aufzwingt. Von diesem System der Geräte, diesem Makrogerät, zu behaupten, es sein ein ‘Mittel’, est stehe uns also für freie Zwecksetzung zur Verfügung, wäre vollends sinnlos. Das Gerätesystem ist unsere ‘Welt’. Und ‘Welt’ ist etwas anderes als ‘Mittel’. Etwas kategorial anderes."
“Die Geräte sind die ‘Begabten' von heute.”Das "Makrogerät" ist natürlich dem Technium von Kevin Kelly sehr ähnlich. Liest man Anders, so erkennt man den bis heute zu beobachtenden, gegensätzlichen Zugang zum "Technium". Während die US-Eliten in der Regel in bekannt US-amerikanischer "can do" Mentalität auftreten, ist Anders ein Vertreter der kulturpessimistischeren Fraktion. Anders war einer der Ersten, der erkannt und beschrieben hat, dass die Welt nach der Atombombe eine in den Fundamenten andere ist als zuvor. Viele Jahre seines Lebens hat er sich mit diesem Thema beschäftigt; dabei hat er sich nicht nur als Philosoph, sondern vielmehr als Aktivist verstanden.
Vielleicht ist es aber doch so, dass es wir Menschen sind, die zum "Saboteur der eigenen Produkte" geworden – und damit die eigentliche Belastung des Planeten sind. Vielleicht sollten wir den Produkten Platz machen und uns nicht so störrisch im Mittelpunkt sehen. Vielleicht ließe sich Günther Anders Sichtweise so zur Modeströmung der Singularisten verbiegen:
“Nicht weil das Flügelwachs versagt, stürzt heute Ikarus, sondern weil Ikarus selbst versagt. Könnte er sich selbst als Ballast abwerfen, seine Flügel könnten den Himmel erobern.", Günter Anders(Zum Glück erlebt Anders meinen nicht ganz ernsthaften Versuch der Synthese nicht mehr.)
Mittwoch, 16. April 2014
Jeffrey Sachs: Die zunehmende Bedeutung ökologischer Probleme bei globalen Konflikten
- Techno-Economic: die Betrachtung technischer Systeme zusammen mit der ökonomischen Situation
- Earth Systems: ökologische und geologische Systeme der Erde
- Governance: Staatsführung, (geo)politische Situation
- Social Dynamics: Dynamik der sozialen Systeme.
- Techno-Economic: Syrien leider unter Inflation, zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft und hoher Arbeitslosigkeit.
- Earth Systems: Syrien leidet unter katastrophalen Dürren.
- Governance: der Syrien-interne Konflikt, dazu die geopolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Saudi Arabien und der Türkei, sowie zwischen Russland und dem Iran.
- Social Dynamics: Konflikte zwischen religiösen Gruppen (Sunniten, Schiiten, Christen).
![]() |
| Das Zusammenspiel der vier komplexen Systeme am Beispiel des Syrien Konfliktes (nach Jeffrey Sachs) |
Samstag, 22. März 2014
Besser informiert – ohne Nachrichten
"Unter den zahlreichen Definitionen für Information ist vielleicht die des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson noch immer am erhellendsten: Information ist »irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht.«"
Sonntag, 16. Februar 2014
Der vergessene Faktor: warum Verfügbarkeit von Ressourcen nicht alles ist
![]() |
| Ölsand-Abbau in Alberta, Kanada (Foto von howlmontreal) |
- Die ersten Ölförderungen in Saudi Arabien brachten einen EROEI, also ein Verhältnis von gewonnener Energie zu eingesetzter Energie von etwa 100:1.
- Global (über alle Energieträger) betrachtet lag das Verhältnis im Jahr 1990 noch bei etwa 40:1, 2010 bei 20:1.
- Schätzungen zufolge soll es bis 2020 auf ca. 10:1 sinken.
- Energiegewinnung aus Ölsand wie in Kanada hat (neben gigantischer Umweltzerstörung) nur einen EROEI von etwa 3:1.
- Bei sogenannten Biotreibstoffen der ersten Generation (also beispielsweise Bio-Ethanol aus Mais) liegt der EROEI überhaupt nur (wenn überhaupt) knapp über 1, ist also nach rationalen Maßstäben kaum zu rechtfertigen.
- Erneuerbare Energien, auf die viel Hoffnung gesetzt wird, sind nicht ganz leicht einzuordnen, für Photovoltaik liest man Werte von etwa 7:1, für Wind etwa 18:1, allerdings sind in diesen Rechnungen einerseits häufig die notwendigen Energiespeicher nicht enthalten, andererseits gibt es hier möglicherweise noch einiges Entwicklungspotential bei neueren Technologien.
»Da alles, was wir machen, von Energie abhängig ist, können wir nicht einfach mehr und mehr dafür bezahlen um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten. Ab einem bestimmten EROEI – ich vermute 5:1 oder 6:1 – funktioniert dies überhaupt nicht mehr. […] Bei einem EROEI von 1,1:1 kannst du das Öl aus dem Boden fördern und ansehen. Bei 1,2:1 kannst du es raffinieren und ansehen. Wir haben uns den kleinsten EROEI angesehen, der notwendig ist, um ökonomisch einen Lastwagen zu fahren, und dieser liegt zumindest bei 3:1 am Bohrkopf. Wollen wir den LKW auch noch mit Mais beladen, so brauchen wir 5:1. Das inkludiert die Abschreibung des LKWs; berücksichtigen wir auch noch den Fahrer, die Arbeiter am Ölfeld, die Bauern und deren Familie, dann benötigen wir einen EROEI von 7:1. Und wenn wir zusätzlich Schulen und Ausbildung finanzieren wollen, 8:1 oder 9:1. Und falls wir uns auch noch eine Gesundheitsversorgung leisten wollen 10:1 oder 11:1.«
(»Since everything we make depends on energy, you can't simply pay more and more and get enough to run society. At some energy return on investment—I'm guessing 5:1 or 6:1—it doesn't work anymore. […] If you've got an EROI of 1.1:1, you can pump the oil out of the ground and look at it. If you've got 1.2:1, you can refine it and look at it. At 1.3:1, you can move it to where you want it and look at it. We looked at the minimum EROI you need to drive a truck, and you need at least 3:1 at the wellhead. Now, if you want to put anything in the truck, like grain, you need to have an EROI of 5:1. And that includes the depreciation for the truck. But if you want to include the depreciation for the truck driver and the oil worker and the farmer, then you've got to support the families. And then you need an EROI of 7:1. And if you want education, you need 8:1 or 9:1. And if you want health care, you need 10:1 or 11:1.«)
Referenzen
- Tim Morgan, Life After Growth: How the global economy really works - and why 200 years of growth are over, Harriman House (2013)
- Scientific American, Will Fossil Fuels Be Able to Maintain Economic Growth? A Q&A with Charles Hall (2013)
- Scientific American, Mason Inman, Behind the Numbers on Energy Return on Investment (2013)
- David Murphy, The Energy Return on Investment Threshold, The Oil Drum (2011)
Montag, 10. Februar 2014
Schuldig!
Sonntag, 12. Januar 2014
Ein vernunftbegabtes Lebewesen?
"Der Mensch ist ein mit Vernunft begabtes Lebewesen – so jedenfalls hat man mir gesagt. Ich habe in meinem langen Leben sorgfältig nach Beweisen dafür gesucht, hatte aber noch nicht das Glück, sie zu finden, obwohl ich in vielen Ländern auf drei Kontinenten gesucht habe. Im Gegenteil, ich habe gesehen, wie die Welt kontinuierlich immer tiefer in den Wahnsinn stürzt. Ich habe große Nationen gesehen, die einst an der Spitze der Zivilisation standen, nun aber von Predigern bombastischen Unsinns in die Irre geleitet werden. Ich habe gesehen, wie Grausamkeit, Verfolgung und Aberglaube sprunghaft zunehmen."
Mittwoch, 1. Januar 2014
Stanislaw Lem über (politische) Entscheidungen im 21. Jahrhundert (1983!)
| Stanislaw Lem (Wikimedia Commons) |
Zufällig bin ich heute auf ein kleines Büchlein von Stanislaw Lem in meiner Bibliothek gestoßen: "Waffensysteme des 21. Jahrhunderts". Ein (nach eigener Aussage) Science Ficton Roman, der sich allerdings eher wie eine politisch/militärische Analyse liest. Geschrieben hat Lem diesen kurzen Roman Anfang der 1980er Jahre! Ein (längeres) Zitat aus diesem Buch ergänzt hervorragend meinen vorigen Artikel:
“Die Politiker der parlamentarisch regierten Länder bewältigten schon im vergangenen Jahrhundert nicht einmal alle Probleme des eigenen Staates, geschweige denn die Weltprobleme, und darum hatten sie Berater. […] Mit der Zeit nahmen sie Computersysteme zu Hilfe, und zu spät erkannte man, daß die Menschen zu Sprachrohren ihrer Computer wurden. Sie meinten, sie selbst seien es, die die Dinge überdenken und Schlüsse ziehen […]. Doch tatsächlich operierten sie mit einem vom Rechenzentrum vorfabrizierten Material, und dieses Material bestimmte die menschlichen Entscheidungen. Nach einer Periode der Verwirrung sahen die großen Parteien die Berater als entbehrliches Zwischenglied an […], und die entscheidende Rolle in den Demokratien dieses Type begannen die Programmierer zu spielen. […] Deshalb befasst sich Spionage und Gegenspionage […] mit der Durchdringung der rechnerischen Entscheidungszentren. Ob das aber tatsächlich so war, konnte niemand zweifelsfrei feststellen. Übrigens mangelte es nicht an neuen Politologen, die behaupteten, daß in dem Falle, wo der Staat A das Computerium von Staat B völlig beherrscht und der Staat B das Computerium des Staates A, es wieder zu einem totalen internationalen Gleichgewicht kommen wird. Das, was zur normalen Wirklichkeit geworden war, konnte nicht mehr mit den Kategorien der uralten traditionellen Politik, nicht einmal mit jenem gesunden Menschenverstande erfaßt werden, der zwischen Naturereignissen, wie einem Hagelschlag, oder künstlichen, wie einem Bombenangriff zu unterscheiden weiß.
Formell gaben die Wähler weiterhin ihre Stimme für politische Parteien ab, doch rühmte sich jede Partie nicht etwa, ein besseres wirtschaftspolitisches Programm zu haben, sondern einen besseren Computer […]."
Es ist ergänzend anzumerken, dass sich Lem zuvor auf das Gleichgewicht des Schreckens bezieht, das heißt, auf die stetige atomare Hochrüstung der damaligen Supermächte, die auch so interpretiert wurde, dass die Möglichkeit der totalen Vernichtung der Welt zu jedem Zeitpunkt, letztlich Kriege verhindert hätte.
Etwas weiter vorne im Text ist weiters zu lesen:
“Die aufeinanderfolgenden neuen Waffensysteme zeichneten sich durch wachsende operative Schnelligkeit aus, beginnend mit operativen Entscheidungen […], und gerade diese wachsende Schnelligkeit brachte den prinzipiell unberechenbaren Zufallsfaktor ebenfalls ins Spiel. Das ließe sich wie folgt formulieren: ‘Unerhört schnelle Systeme begehen unerhört schnell Fehler.’ Dort wo Bruchteile von Sekunden […] entscheiden, ist es unmöglich, militärisch-strategische Gewissheit zu erzielen, oder anders: Man wird nicht mehr zwischen Sieg und Niederlage unterscheiden können."
Was für "Waffensysteme" gilt, gilt in der heutigen Zeit der totalen Computerisierung natürlich ebenso für "Finanzsysteme" (und schliesslich findet dort ein wesentlicher Teil moderner Schlachten statt).
Stanislaw Lem hat bereits 1983 wesentliche Folgen der totalen Integration von Computern in alle Aspekte des (politischen) Lebens erkannt – und dies weit vor der totalen Vernetzung der Welt, in der wir heute tatsächlich leben –, mit denen sich etwa Frank Schirrmacher in "Ego" kritisch auseinandersetzt; beispielsweise das Problem der Beschleunigung und Intransparenz automatisierter Entscheidungssysteme, die uns letztlich entgleiten, und den Blick auf die reale Welt zunehmend versperren.
"Mittlerweile traten […] Erscheinungen auf, die man früher als Naturphänomene bezeichnete, von denen man aber jetzt eigentlich nicht wußte, wer oder ob überhaupt jemand sie verursacht hatte."
Montag, 30. Dezember 2013
Das unerwartete Ende politischer Freiheit
"Ein Staat ist politisch frei, wenn seine politischen Institutionen es seinen Bürgern praktisch mögliche machen, ohne Blutvergießen einen Regierungswechsel herbeizuführen, falls die Mehrheit einen solchen Regierungswechsel wünscht. Oder kürzer ausgedrückt: Wir sind frei, wenn wir unsere Herrscher ohne Blutvergießen loswerden können.", Manfred Geier (Aufklärung, das europäische Projekt) zitiert Karl Popper
"Wir sind der „Diktatur der Alternativlosigkeit“ erlegen, wie der brasilianische Gesellschaftstheoretiker Roberto Unger dies genannt hat. Wir sollen akzeptieren, dass Gmail der beste und einzig mögliche Weg zum Verschicken von E-Mails und Facebook der beste und einzig mögliche Weg zum Social-Networking sei. Nach dem NSA-Skandal hat das Vertrauen in staatliche Institutionen solch einen Tiefstand erreicht, dass alle alternativen Lösungen undenkbar erscheinen – vor allem solche, in denen staatliche Einrichtungen eine größere Rolle spielten.", Evgeny Morozov
Samstag, 14. Dezember 2013
Physik – die "einfachere" Biologie?
Alles ist Physik?
Oder andersrum: Physik ist die einfachere Biologie?
Reduktionismus bedeutet ja, verkürzt gesagt, nichts anderes, als zu versuchen, komplexe Zusammenhänge so klein zu schneiden, bis die verbliebenen Teilprobleme vielleicht noch recht kompliziert, aber eben nicht mehr komplex sind. Voilá: die Physik ist geboren als Wissenschaft der fundamentalen Prinzipien, die gerade noch kompliziert aber gerade nicht mehr komplex sind.
Komplex oder kompliziert?
Aus den aktuellen Flugdaten einer Marssonde kann ein Experte mit hoher Präzision die Flugbahn vorhersagen. Aus einer (einigermaßen ausgeglichenen) Schachposition hingegen ist es kaum möglich den weiteren Verlauf auf mehrere Züge hinweg vorherzusagen. Natürlich gibt es auch Systeme die sowohl komplex als auch kompliziert sind (dies trifft auf die meisten Wissenschaften zu; denken wir an die Medizin oder die Klimaforschung).
Physik ist einfach!
Sonntag, 15. September 2013
Freiheit und Unfreiheit
"Ich bin frei, wenn ich tun kann, was ich will. Wenn ich will, kann ich mein Geld den Armen geben, sagte der philosophische Experte des Willens, Arthur Schopenhauer. Natürlich kann man so etwas tun, wenn man es will, aber eben nur, wenn man es will. Schopenhauer weiter: „Aber ich vermag nicht es zu wollen. Hingegen wenn ich einen anderen Charakter hätte, dann würde ich es wollen können: Dann würde ich auch nicht umhin können, es zu wollen, würde es also tun müssen.“ […] In seinem Gedankenexperiment sieht man schön die zwei Dimensionen des Problem der Freiheit. Einerseits gibt es da die Handlungsfreiheit – man könnte machen, was man will – und andererseits die Willensfreiheit – man kann nur machen, was man will. So ist uns Menschen zwar eine äußere Freiheit als Möglichkeitsraum von Handlungen gegeben, wir verfügen aber nicht über die innere Freiheit, unseren Willen nach Gutdünken zu beherrschen."
Freitag, 23. August 2013
Wir Internet-Versteher - Eine Polemik
Eine geladene Pistole liegt auf dem Tisch. Der Tisch inmitten einer Schar zehnjähriger Kinder.
![]() |
| Foto von lanier67(flickr) |
Was könnte man hier nicht mögen? Vieles hat sich tatsächlich zum positiven verändert.
Aber das ist nur ein (ärgerlicher) Nebenschauplatz. Viel wichtiger: die Freiheit der Graswurzel-Aktivisten wurde zum unmittelbaren Instrument staatlicher, nein, globaler Überwachung und Unterdrückung. Wir klären eben nicht nur auf (als Aktivisten) sondern werden auch Teil der staatlichen Aufklärung und sind besser überwacht und kontrolliert als je zu vor. Und das nicht nur in der "Achse des Bösen". Ironischerweise sind die Epizentren der Unterwanderung der Aufklärung, der Anti-Demokratie die früheren Vorbilder parlamentarischer Demokratie: die USA und Großbritannien.
Wie günstig, dass alle großen Internet-Dienste in den USA betrieben werden. Da geht das Abschnorcheln auf dem kurzen Dienstweg.
Auch wird die US-Industrie nichts dagegen einzuwenden haben, wenn unter dem Deckmantel der "Terror"-Bekämpfung großflächig für sie (noch dazu kostenschonend mit Steuermitteln) Industriespionage betrieben wird.
Und die Politiker? Da brauchen wir uns keine Sorgen machen. Die kennt niemand mehr. Die Drehbücher der Politik werden in den Schatten-Organisationen der Geheimdienste und der finanzstarken Industrien geschrieben. Obama und Co haben dann die ehrenwerte Aufgabe diese publikumswirksam zu inszenieren. Bei der Aufmerksamkeitsspanne der Wählerschaft ist auch keine Investition in begabte Autoren erforderlich. Der Praktikant schreibt die Rede in der Mittagspause. Für Pofalla reicht das allemal. Wir wissen jetzt: die Diskussion ist vom Tisch. Denn man hat eh auch mit der NSA gesprochen, und es hat sich als ein großer Irrtum herausgestellt. Puh. Glück gehabt. Und außerdem: die USA hat sogar ein Fax geschickt, dass man ganz sicher nicht mehr spionieren wird.
Ehrenwort!
Draußen in der Welt teilen Bürger tatsächlich vertrauliche Informationen über Facebook und Skype. Vor PGP fürchten sie sich zurecht, denn bekanntlich ist das ein Gift, das in den 70er Jahren verboten wurde und das man mittlerweile schon im Fett von Pinguinen nachweisen kann.
Schöne neue Welt.
Zum Abschluss...
Noch ein Zitat zum Schluß:
:-)"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.
Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)








