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| Galata Brücke in Istanbul |
Soweit eine kaum bemerkenswerte Begebenheit.
Nachdenken, Lesen, Reflektieren. In diesem BLOG möchte ich einigen Gedanken nachhängen, die nicht unbedingt ausgereift genug sind um einen "geschliffenen" Artikel zu schreiben, die ich aber dennoch teilen möchte.
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| Galata Brücke in Istanbul |
"Each new invention requires the viability of previous inventions to keep going."
"Technical arts enabled new tools, which launched new arts, which birthed new tools, ad infinitum. Artifacts were becoming so complex in their operation and so interconnected in their origins that they formed a new whole: technology."
"As a word, technium is akin to the German word Technik, which similarly encapsulates the grand totality of machines, methods, and engineering processes."
"... we do have three types of evidence strongly suggesting that the paths of technologies are inevitable: 1. In all times we find that most inventions and discoveries have been made independently by more than one person. 2. In ancient times we find independent timelines of technology on different continents converging upon a set order. 3. In modern times we find sequences of improvement that are difficult to stop, derail, or alter. […] when all the required conditions generated by previous technologies are in place, the next technology can arise."
"The technium spends only one quarter of its energy on human comfort, food, and travel needs; the rest of the energy is made by technology for technology."
"Denn einzelne Geräte gibt es nicht. Das Ganze ist das Wahre. Jedes einzelne Gerät ist seinerseits nur ein Geräte-Teil, nur eine Schraube, nur ein Stück im System der Geräte; ein Stück, das teils die Bedürfnisse anderer Geräte befriedigt, teils durch sein eigenes Dasein anderen Geräten wiederum Bedürfnisse nach neuen Geräten aufzwingt. Von diesem System der Geräte, diesem Makrogerät, zu behaupten, es sein ein ‘Mittel’, est stehe uns also für freie Zwecksetzung zur Verfügung, wäre vollends sinnlos. Das Gerätesystem ist unsere ‘Welt’. Und ‘Welt’ ist etwas anderes als ‘Mittel’. Etwas kategorial anderes."
“Die Geräte sind die ‘Begabten' von heute.”Das "Makrogerät" ist natürlich dem Technium von Kevin Kelly sehr ähnlich. Liest man Anders, so erkennt man den bis heute zu beobachtenden, gegensätzlichen Zugang zum "Technium". Während die US-Eliten in der Regel in bekannt US-amerikanischer "can do" Mentalität auftreten, ist Anders ein Vertreter der kulturpessimistischeren Fraktion. Anders war einer der Ersten, der erkannt und beschrieben hat, dass die Welt nach der Atombombe eine in den Fundamenten andere ist als zuvor. Viele Jahre seines Lebens hat er sich mit diesem Thema beschäftigt; dabei hat er sich nicht nur als Philosoph, sondern vielmehr als Aktivist verstanden.
“Nicht weil das Flügelwachs versagt, stürzt heute Ikarus, sondern weil Ikarus selbst versagt. Könnte er sich selbst als Ballast abwerfen, seine Flügel könnten den Himmel erobern.", Günter Anders(Zum Glück erlebt Anders meinen nicht ganz ernsthaften Versuch der Synthese nicht mehr.)
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| Das Zusammenspiel der vier komplexen Systeme am Beispiel des Syrien Konfliktes (nach Jeffrey Sachs) |
"Unter den zahlreichen Definitionen für Information ist vielleicht die des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson noch immer am erhellendsten: Information ist »irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht.«"
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| Ölsand-Abbau in Alberta, Kanada (Foto von howlmontreal) |
»Da alles, was wir machen, von Energie abhängig ist, können wir nicht einfach mehr und mehr dafür bezahlen um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten. Ab einem bestimmten EROEI – ich vermute 5:1 oder 6:1 – funktioniert dies überhaupt nicht mehr. […] Bei einem EROEI von 1,1:1 kannst du das Öl aus dem Boden fördern und ansehen. Bei 1,2:1 kannst du es raffinieren und ansehen. Wir haben uns den kleinsten EROEI angesehen, der notwendig ist, um ökonomisch einen Lastwagen zu fahren, und dieser liegt zumindest bei 3:1 am Bohrkopf. Wollen wir den LKW auch noch mit Mais beladen, so brauchen wir 5:1. Das inkludiert die Abschreibung des LKWs; berücksichtigen wir auch noch den Fahrer, die Arbeiter am Ölfeld, die Bauern und deren Familie, dann benötigen wir einen EROEI von 7:1. Und wenn wir zusätzlich Schulen und Ausbildung finanzieren wollen, 8:1 oder 9:1. Und falls wir uns auch noch eine Gesundheitsversorgung leisten wollen 10:1 oder 11:1.«
(»Since everything we make depends on energy, you can't simply pay more and more and get enough to run society. At some energy return on investment—I'm guessing 5:1 or 6:1—it doesn't work anymore. […] If you've got an EROI of 1.1:1, you can pump the oil out of the ground and look at it. If you've got 1.2:1, you can refine it and look at it. At 1.3:1, you can move it to where you want it and look at it. We looked at the minimum EROI you need to drive a truck, and you need at least 3:1 at the wellhead. Now, if you want to put anything in the truck, like grain, you need to have an EROI of 5:1. And that includes the depreciation for the truck. But if you want to include the depreciation for the truck driver and the oil worker and the farmer, then you've got to support the families. And then you need an EROI of 7:1. And if you want education, you need 8:1 or 9:1. And if you want health care, you need 10:1 or 11:1.«)
"Der Mensch ist ein mit Vernunft begabtes Lebewesen – so jedenfalls hat man mir gesagt. Ich habe in meinem langen Leben sorgfältig nach Beweisen dafür gesucht, hatte aber noch nicht das Glück, sie zu finden, obwohl ich in vielen Ländern auf drei Kontinenten gesucht habe. Im Gegenteil, ich habe gesehen, wie die Welt kontinuierlich immer tiefer in den Wahnsinn stürzt. Ich habe große Nationen gesehen, die einst an der Spitze der Zivilisation standen, nun aber von Predigern bombastischen Unsinns in die Irre geleitet werden. Ich habe gesehen, wie Grausamkeit, Verfolgung und Aberglaube sprunghaft zunehmen."
| Stanislaw Lem (Wikimedia Commons) |
Zufällig bin ich heute auf ein kleines Büchlein von Stanislaw Lem in meiner Bibliothek gestoßen: "Waffensysteme des 21. Jahrhunderts". Ein (nach eigener Aussage) Science Ficton Roman, der sich allerdings eher wie eine politisch/militärische Analyse liest. Geschrieben hat Lem diesen kurzen Roman Anfang der 1980er Jahre! Ein (längeres) Zitat aus diesem Buch ergänzt hervorragend meinen vorigen Artikel:
“Die Politiker der parlamentarisch regierten Länder bewältigten schon im vergangenen Jahrhundert nicht einmal alle Probleme des eigenen Staates, geschweige denn die Weltprobleme, und darum hatten sie Berater. […] Mit der Zeit nahmen sie Computersysteme zu Hilfe, und zu spät erkannte man, daß die Menschen zu Sprachrohren ihrer Computer wurden. Sie meinten, sie selbst seien es, die die Dinge überdenken und Schlüsse ziehen […]. Doch tatsächlich operierten sie mit einem vom Rechenzentrum vorfabrizierten Material, und dieses Material bestimmte die menschlichen Entscheidungen. Nach einer Periode der Verwirrung sahen die großen Parteien die Berater als entbehrliches Zwischenglied an […], und die entscheidende Rolle in den Demokratien dieses Type begannen die Programmierer zu spielen. […] Deshalb befasst sich Spionage und Gegenspionage […] mit der Durchdringung der rechnerischen Entscheidungszentren. Ob das aber tatsächlich so war, konnte niemand zweifelsfrei feststellen. Übrigens mangelte es nicht an neuen Politologen, die behaupteten, daß in dem Falle, wo der Staat A das Computerium von Staat B völlig beherrscht und der Staat B das Computerium des Staates A, es wieder zu einem totalen internationalen Gleichgewicht kommen wird. Das, was zur normalen Wirklichkeit geworden war, konnte nicht mehr mit den Kategorien der uralten traditionellen Politik, nicht einmal mit jenem gesunden Menschenverstande erfaßt werden, der zwischen Naturereignissen, wie einem Hagelschlag, oder künstlichen, wie einem Bombenangriff zu unterscheiden weiß.
Formell gaben die Wähler weiterhin ihre Stimme für politische Parteien ab, doch rühmte sich jede Partie nicht etwa, ein besseres wirtschaftspolitisches Programm zu haben, sondern einen besseren Computer […]."
Es ist ergänzend anzumerken, dass sich Lem zuvor auf das Gleichgewicht des Schreckens bezieht, das heißt, auf die stetige atomare Hochrüstung der damaligen Supermächte, die auch so interpretiert wurde, dass die Möglichkeit der totalen Vernichtung der Welt zu jedem Zeitpunkt, letztlich Kriege verhindert hätte.
Etwas weiter vorne im Text ist weiters zu lesen:
“Die aufeinanderfolgenden neuen Waffensysteme zeichneten sich durch wachsende operative Schnelligkeit aus, beginnend mit operativen Entscheidungen […], und gerade diese wachsende Schnelligkeit brachte den prinzipiell unberechenbaren Zufallsfaktor ebenfalls ins Spiel. Das ließe sich wie folgt formulieren: ‘Unerhört schnelle Systeme begehen unerhört schnell Fehler.’ Dort wo Bruchteile von Sekunden […] entscheiden, ist es unmöglich, militärisch-strategische Gewissheit zu erzielen, oder anders: Man wird nicht mehr zwischen Sieg und Niederlage unterscheiden können."
Was für "Waffensysteme" gilt, gilt in der heutigen Zeit der totalen Computerisierung natürlich ebenso für "Finanzsysteme" (und schliesslich findet dort ein wesentlicher Teil moderner Schlachten statt).
Stanislaw Lem hat bereits 1983 wesentliche Folgen der totalen Integration von Computern in alle Aspekte des (politischen) Lebens erkannt – und dies weit vor der totalen Vernetzung der Welt, in der wir heute tatsächlich leben –, mit denen sich etwa Frank Schirrmacher in "Ego" kritisch auseinandersetzt; beispielsweise das Problem der Beschleunigung und Intransparenz automatisierter Entscheidungssysteme, die uns letztlich entgleiten, und den Blick auf die reale Welt zunehmend versperren.
"Mittlerweile traten […] Erscheinungen auf, die man früher als Naturphänomene bezeichnete, von denen man aber jetzt eigentlich nicht wußte, wer oder ob überhaupt jemand sie verursacht hatte."
"Ein Staat ist politisch frei, wenn seine politischen Institutionen es seinen Bürgern praktisch mögliche machen, ohne Blutvergießen einen Regierungswechsel herbeizuführen, falls die Mehrheit einen solchen Regierungswechsel wünscht. Oder kürzer ausgedrückt: Wir sind frei, wenn wir unsere Herrscher ohne Blutvergießen loswerden können.", Manfred Geier (Aufklärung, das europäische Projekt) zitiert Karl Popper
"Wir sind der „Diktatur der Alternativlosigkeit“ erlegen, wie der brasilianische Gesellschaftstheoretiker Roberto Unger dies genannt hat. Wir sollen akzeptieren, dass Gmail der beste und einzig mögliche Weg zum Verschicken von E-Mails und Facebook der beste und einzig mögliche Weg zum Social-Networking sei. Nach dem NSA-Skandal hat das Vertrauen in staatliche Institutionen solch einen Tiefstand erreicht, dass alle alternativen Lösungen undenkbar erscheinen – vor allem solche, in denen staatliche Einrichtungen eine größere Rolle spielten.", Evgeny Morozov
"Ich bin frei, wenn ich tun kann, was ich will. Wenn ich will, kann ich mein Geld den Armen geben, sagte der philosophische Experte des Willens, Arthur Schopenhauer. Natürlich kann man so etwas tun, wenn man es will, aber eben nur, wenn man es will. Schopenhauer weiter: „Aber ich vermag nicht es zu wollen. Hingegen wenn ich einen anderen Charakter hätte, dann würde ich es wollen können: Dann würde ich auch nicht umhin können, es zu wollen, würde es also tun müssen.“ […] In seinem Gedankenexperiment sieht man schön die zwei Dimensionen des Problem der Freiheit. Einerseits gibt es da die Handlungsfreiheit – man könnte machen, was man will – und andererseits die Willensfreiheit – man kann nur machen, was man will. So ist uns Menschen zwar eine äußere Freiheit als Möglichkeitsraum von Handlungen gegeben, wir verfügen aber nicht über die innere Freiheit, unseren Willen nach Gutdünken zu beherrschen."
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| Foto von lanier67(flickr) |
"Und wie die Häuptlinge der Osterinsel, die immer größere Statuen errichteten und sie am Ende noch mit den pukao krönten, oder wie die Herrscher der Anasazi, die sich mit Halsketten aus 2000 Türkisperlen schmückten, so wollten auch die Mayakönige sich mit immer größeren, mit immer eindrucksvolleren Tempeln gegenseitig übertreffen. Die Tempel waren mit immer dickerem Verputz bedeckt – und das wiederum erinnert durchaus an den auffälligen Konsum heutiger amerikanischer Spitzenmanager. Vervollständigt wird unsere Liste der beunruhigenden Parallelen durch die Untätigkeit der Häuptlinge auf der Osterinsel und der Mayakönige angesichts echter, großer Gefahren, die ihre jeweiligen Gesellschaften bedrohten."
"Wir haben es heute mit den gleichem Umweltproblemen zu tun, die auch frühere Gesellschaften zu Fall brachten, und zusätzlich kommen vier weitere hinzu: vom Menschen verursachter Klimawandel, Anhäufung von Umweltgiften, Energieknappheit und die vollständige Nutzung der weltweiten Photosynthesekapazität durch den Menschen. Die meisten dieser [...] Gefahren werden den Voraussagen zufolge in den kommenden Jahrzehnten eine kritische Phase erreichen: Entweder haben wir die Probleme bis dahin gelöst, oder die Probleme werden nicht nur Somalia zugrunde richten, sondern auch die Gesellschaft in den Industriestaaten. Wahrscheinlicher als ein Weltuntergangsszenario, in dem die Menschen aussterben oder die industrielle Zivilisation einen apokalyptischen Zusammenbruch erlebt, ist eine Zukunft mit 'nur' erheblich geringerem Lebensstandard, einer größeren ständigen Gefährdung und dem Verfall dessen, was wir heute für unsere zentralen Werte halten. Ein solcher Zusammenbruch kann sich in verschiedenen Formen ereignen, beispielsweise durch die weltweite Verbreitung von Krankheiten oder aber durch Kriege, die ihre Ursachen letztlich in der Knappheit der Umweltressourcen haben. Wenn diese Überlegung richtig ist, bestimmen wir mit unseren heutigen Bemühungen über den Zustand der Welt, in der die Generation der derzeitigen Kinder und jungen Erwachsenen in ihren mittleren und späteren Jahren leben wird.", Jared Diamond, Kollaps
"[…] what is the institutional infrastructure that we would benefit from in the UK that would enable us to make better long-term decisions about our infrastructure requirements and our infrastructure policies and how can we avoid flip- flopping backwards and forwards between one government and another in terms of any policies that we may have, or indeed within one government in terms of what policy are we actually following."
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| Foto von fczuardi (flickr) |
:-)"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.
Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)