Donnerstag, Juli 09, 2009

Michael Jackson und die Macht des Gemeinsamen

Gut, vorweg: Michael Jackson interessiert mich nicht. Jedenfalls nicht in diesem Posting. Dieses grundsätzliche Desinteresse meinerseits ist aber wiederrum wesentlich für meinen Gedanken. Denken wir uns eine Woche vor den Tod MJs zurück: MJ war in der öffentlichen Wahrnehmung bestenfalls eine Karrikatur; über sein "Comeback" in Form von Konzertauftritten wurde gelästert, finanzielle Motive unterstellt usw. Seine Medienpräsenz kann, sofern sie überhaupt gegeben war, noch am besten als "Freakshow" bezeichnet werden. Seine Fans? Ja, die gab es einmal; vor 10 oder 20 Jahren.

Dann passiert das "wunderbare": MJ stirbt; noch dazu unter "dramatischen" Umständen, mit Wiederbelebung und allem was dazugehört. Und dann? Genau was zu erwarten war: ein Medien-Erdbeben mit allen Registern. Von den gelben Blättern über Fernsehen und Radio bis zu Twitter , YouTube und Blogosphäre.

Eine ganz ähnliche, inhaltlich natürlich andere Dimension waren die Vorkommnisse im Iran in den letzten Monaten. Auch hier gilt: de facto interessiert sich kaum jemand für den Iran, kaum ist die Twitter-Welle losgebrochen, waren alle ganz fasziniert. Irgendwie spannend, dramatisch.

Warum wähle ich gerade diese beiden Beispiele? Ich denke, weil man gerade an diesen eine der stärksten Impulse des Menschen erkennen kann, nämlich die Gruppe, das Gemeinsame zu suchen. Der Mensch sehnt sich nach Bestätigung und Geborgenheit. Da wir aber nicht mehr in der Kleingruppe rund ums Feuer sitzen, übernehmen moderne Medien und Kommunikationstechnologien diese Rolle. Wenn Millionen Menschen sich über MJ "informieren" oder entsprechene Tweets loslassen, interessiert sie nicht wirklich MJ sondern das Gemeinschaftserlebnis. Plötzlich werden wieder CDs gekauft. Von jemandem, für den kurz zuvor hauptsächlich Spott und Hohn übrig war.

Die Inhalte die "Fernsehen", Radio, Magazine oder "Soziale Netzwerke" übermitteln, das ist meine Theorie, dienen häufig nur als Klebstoff für Gemeinschaft, als gemeinsame Wellenlänge. Man kann sie als "Trägerwelle" der Gruppendynamik sehen, als Trägerwelle die alle möglichen persönlichen Beziehungen transportiert. Und es gilt hier dasselbe wie (technisch betrachtet) bei Funk oder Radio: wir sind nicht an der Trägerwille (100MHz) interessiert, sondern an der darüber transportieren Information.

Die eigentlichen Inhalte (Michael Jackson) in diesen Beispielen sind für die Beteiligten reichlich irrelevant. Die Tatsache, dass es gemeinsame Inhalte sind, und dass jeder "Beteiligte" das Gefühl hat an einem großen Ereignis teilzunehmen ist aber bedeutsam. Wir bedienen uns der Inhalte um über etwas zu sprechen, etwas gemeinsam zu haben, etwas zu teilen, was uns nicht wirklich interessiert, dabei aber unsere Gemeinsamkeit darzustellen und uns auch unserer Zusammengehörigkeit zu versichern. Diese Inhalte sind also die Trägerwelle modernen sozialer Interaktion.

Interessant ist, dass dies heute global, oft in kleineren Subkulturen, manchmal aber auch in solchen Aussbrüchen wie bei MJ stattfindet und nicht mehr im familiären Kreis "ums Lagerfeuer".

Donnerstag, Juni 25, 2009

Österreichische Peak Oil Studie

Bin heute über das Blog Posting des Oekoenergie-Blogs auf eine "Peak-Oil" Studie gestossen, die vom Land Vorarlberg in Auftrag gegeben wurde und vom Österreichischen Ökologie Institut durchgeführt wurde. Das PDF ist frei verfügbar.

Die Studie ist meines Erachtens nach nicht herausragend, auch weil kaum nennenswerte wissenschaftliche Quellen zitiert werden; das Ganze hat eher den Status einer umfangreicheren Seminararbeit wo hauptsächlich populärwissenschaftliche Quellen oder Webseiten von Interessensgruppen zusammengefasst werden. Auch Layout und Typographie ist (wie heute so oft) amateurhaft. Dennoch das Thema wird vergleichsweise umfangreich behandelt und vielleicht findet man, wenn man sich mit dem Thema noch nicht intensiv auseinandergesetzt hat auch noch einige interessante Aspekte (auch solche die sich nicht unmittelbar auf Vorarlberg beziehen).

Ist man des englischen mächtig, ist aber vermutlich "Winning the Oil Endgame" die bessere Variante (dort könnten sich die Autoren auch abschauen, wie man eine Studie schreibt, z.B. Executive Summary, Referenzen, Typhographie). Ebenso in diesem Kontext ist das Buch des englischen Physikers David MacKay eventuell von Interesse (wie das vorige ebenfalls zum freien Download): Sustainable Energy - Without the hot Air. In diesem Buch setzt sich MacKay mit dem Potenzial "alternativer" Energien sehr detailiert, aber gut lesbar auseinander. Dieses Buch hat zwar einen eine UK - Schwerpunkt, der stört aber für grundlegende Überlegungen nicht wirklich. Auch dieses Buch ist übrigens typographisch hervorragend.

Was mich aber sofort gefangen hat, war das Vorwort von Herrn Landesrat Manfred Rein, hier möchte ich einen Satz wörtlich zitieren:
"Was, wenn die These vom globalen 'Peak Oil' tatsächlich einträfe und die technisch förderbare Menge unumkehrbar fallen würde?"
Das ist doch eine ganz besonders drollige Formulierung. "Einträfe". Schöner Konjunktiv, an und für sich. Was will und Landesrat Rein damit zwischen den Zeilen sagen? Wer weiß, ob man diesen dubiosen Wissenschaftern schon trauen darf, vielleicht gibt es Peak Oil ja gar nicht und wir brauchen uns nicht weiter beunruhigen?! Oder interpretiere ich hier etwa doch zu viel hinein?

Montag, Juni 15, 2009

Geo-Engineering II

Wie in meinem letzten Posting angedeutet, scheint das Thema Geo-Engineering als Massnahme im Kampf gegen den Klimawandel an Moment zu gewinnen. Im Wall-Street-Journal findet sich eine Diskussion im wesentlichern zweier bekannter Möglichkeiten: die Injektionen großer Mengen von (Schwefel-) Partikeln in die Atmosphäre, sowie das Erzeugen von Wolken. Der Artikel weist auch ausdrücklich darauf hin, dass Geo-Engineering keine Lösung für den Klimawandel darstellt (also kein technical-quick-fix ist) sondern die Dramatik der Situation uns (wie ich auch in meinem letzten Posting geschrieben habe) vermutlich keine andere Wahl lassen wird als zusätzlich zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen die eine oder andere Variante von GE zur Vermeidung von "Tipping-Points" einzusetzen.

Tipping-point in diesem Zusammenhang meint Grenzwerte des klimatischen Systems die, wenn sie überschritten werden, einen weiteren positiven Rückkopplungseffekt auslösen können. Als Beispiel kann der Verlust des arktischen Permafrostes genannt werden (Methangas-Ausstoß), oder der Verlust großer Eisflächen (vormals weiße Flächen (Eis) zu dunklen Flächen werden und damit wird nochmals mehr Sonneneinstrahlung absorbiert).

Weiters beschreibt der Artikel, wenn auch recht knapp, die politische Dimension jeder Art von Geo-Engineering. Ich würde mir hier eine viel lebendigere Diskussion wünschen. Bedenkt man beispielsweise die leider sehr dürftigen Vorbereitungen (oder hier) der Kopenhagen Konferenz (Japan beispielsweise geht mit einem geradezu lächerlichen Vorschlag der Reduzierung von Treibhausgasen in die Verhandlungen, auch die USA glänzen absolut nicht) dann kann man sich vorstellen, was uns politisch in vielleicht 10 Jahren erwarten wird. Es steht zu befürchten, dass es erst dann wirklich allen klar sein wird dass die Reduktion der Treibhausgase alles andere als ausreichend war, dass wir weitere 10 Jahre mit vermutlich erheblichem Wirtschafts- und damit Emissionswachstum und der Etablierung langfristiger Infrstrukturen (Kohlekraftwerke...) hinter uns und damit eine Menge Zeit und Handlungspielraum verloren haben. Katastrophale Entwicklungen werden möglicherweise vor der Tür stehen und damit Geo-Engineering auf den Tisch kommen. Natürlich weltpolitisch völlig unvorbereitet.

Ich hoffe ich werde auf die eine oder andere Weise eines besseren belehrt.

Dienstag, Mai 05, 2009

Geo-Engineering - Die politische Dimension

In der Diskussion um Möglichkeiten den Klimawandel zu verlangsamen oder die Effekte wenigstens teilweise rückgängig zu machen spielte Geo-Engineering bisher keine sehr große Rolle. Unter Geo-Engineering versteht man kurz gesagt den Versuch die Klima durch technische oder physikalisch-chemische Maßnahmen in großem Maßstab zu manipulieren.

Zwar gab es immer wieder kurze öffentliche Aufregung: beispielsweise als der Chemienobelpreisträger Paul Crutzen 2006 die Option diskutierte durch das Einbringen von Schwefeldioxid in die Atmosphäre (auch Pinatubo-Effekt genannt) die Erde abzukühlen. David Keith erklärt diese Option in einem sehr guten TED Talk. Auch das deutsche Forschungsschiff das im März Experimente zur Eisendüngung des Meeres durchgeführt hat (in der Hoffnung, dass durch stärkeres Wachstum des Phytoplankton CO2 aus der Atmosphäre entzogen werden könnte) führte wenigsten in Europe zu einigen hitzigen Debatten.

Trotz vereinzelter Diskussionen, Geo-Engineering wurde, so vermute ich, aus verschiedenen Gründen nicht gerne öffentlich thematisiert: Umweltaktivisten und ein großer Teil der Klimaforscher wollte wohl vermeiden, dass eine breite Diskussion dazu führen könnte, dass man dringend notwendige Maßnahmen der Vorbeugung und Vermeidung gleich bleiben lässt, in der trügerischen Annahme, man könne das Klima schon "reparieren". Vertreter der Wirtschaft sowie Klimaskeptiker wollten wohl nicht als Technokraten dastehen. Ausserdem: würden sie öffentlich über Geo-Engineering reflektieren, würden sie ja damit implizit zugeben, dass der Klimawandel eine Realität ist die sie anerkennen. Die Öffentlichkeit wiederrum führt die Diskussion vermutlich darum nicht, weil die Erkenntnis der massiven Effekte des Klimawandels noch nicht etabliert genug sind, und Geo-Engineering eine so unglaubliche Dimension hat, dass man derartige Pläne nicht ernst nimmt und sie bestenfalls für die Phantasie eines Hollywood Drehbuchautors hält.

Langsam beginnt sich aber die Diskussion aus einer anderen Richtung her zu entwickeln. David Keith hat dies schon angedeutet: Zwei wichtige Punkte werden in der öffentlichen Wahrnehmung doch immer klarer:
  1. Der Klimawandel ist eine Realität, die man nicht mehr leugnen kann und die für verschiedene Regionen der Welt wahrscheinlich verheerende Folgen haben wird.
  2. Verschiedene Geo-Engineering Maßnahmen sind vermutlich billiger und einfacher umzusetzen als man bisher vermutet hat.
Daraus ergibt sich die beängstigende Konsequenz (wie Eli Kintisch in Slate sehr eindrücklich analysiert), dass unter Umständen einzelne Länder bald in der Lage sein werden im Alleingang Maßnahmen umzusetzen die das Klima der ganzen Welt in kurzer Zeit beeinflussen können. Zwar ist nicht anzunehmen, dass etwa Holland oder die Malediven (angesichts steigender Meerespiegel) die notwendige Motivation und Kapazitäten hätten; bei Ländern wie China, Indien oder gar den USA sieht die Sache natürlich schon ganz anders aus.

Ich denke, dass es höchst an der Zeit ist das Thema Geo-Engineering ernsthaft auf verschiedenen Ebenen zu diskutieren und auch die notwendigen Mittel bereitzustellen um eine ernsthafte Forschung zu ermöglichen. Zur Zeit gibt es meines Wissens nach nur wenige Gruppen die an derartigen Fragen ernsthaft forschen. Geo-Engineering wird nach heutigem Stand des Wissens den Klimawandel langfristig nicht aufhalten, bzw. andere Effekte der steigenden CO2 Konzentration wie die Versauerung der Weltmeere nicht verhindern können. Dennoch fürchte ich, wird es selbst bei aggressiven Strategien zur Reduktion der Treibhausgase eine Übergangsperiode geben (u.a. durch die Trägheit der Systeme bedingt) in der kurzfristige Geo-Engineering Maßnahmen sehr vernüftig sein könnten.

Ganz besonders wichtig ist es aber rechtzeitig politische Mechanismen und Verträge zu etablieren, die alle Aktivitäten in diesem Bereich nur unter Abstimmung der Völkergemeinschaft, z.B. innerhalb der UNO zulassen.

Montag, März 30, 2009

Elektroautos und zukünftige Mobilität

Rudolf Skarics schreibt in einem recht interessanten Artikel im Standard unter anderem:

"Viele sehen Elektroautos wegen der geringen Reichweite als typisches Stadtfahrzeug. Das ist aber genau der verkehrte Ansatz. Da braucht man nämlich überhaupt kein Auto."
Ich denke, dass hier ein wichtiger Aspekt angesprochen wird. Ich habe auch in den letzten Monaten und Jahren den Eindruck, dass bei Fragen der Mobilität wie so oft versucht grundsätzliche Probleme mit oberflächlichen "Quick-Fixes" zu "lösen". Mobilität ist ein sehr schwieriges Problem, wo es viele Rückkopplungsschleifen gibt: Beispielsweise führt höhere (sehr kostengünstige) individuelle Mobilität zu starken Effekten in der Entwicklung in Städten, aber auch im ländlichen Raum: Nahversorgung geht zugunsten von Einkaufszentren zurück, Industrie und Büros siedeln sich entfernt von Wohngegenden an, weil die Menschen bereit sind, und die Möglichkeit haben weiter zu pendeln usw. Diese Tatsache führt wieder dazu, dass wir alle plötzlich Autos brauchen, wo früher ein kurzer Fussweg gereicht hat.

Die Diskussion um Elektroautaus birgt also, da stimme ich dem Autor zu, einiges an negativem Potential: Es besteht die Gefahr, dass wir nicht versuchen Mobilität neu und ökologischer zu entwerfen, sondern Elektroautos mit "Öko-Mascherl" vermarkten. Diese werden dann aber unter den momentanen Rahmenbedingungen de facto als zweit- oder dritt-Fahrzeug gekauft und verwendet werden. Ein Rebound Effekt sondersgleichen. Dies würde natürlich die möglichen ökologischen Vorteilen die Elektroautos haben könnten zunichte machen. Wir würde noch mehr mit dem Auto fahren, in der Stadt mit dem Elektromobil, Überland mit dem noch größeren Benziner/Diesel. Das kann meiner Ansicht nach nicht die Vision einer zukünftigen Mobilität sein.

Ich bin der Ansicht, dass wir Mobilität sehr grundsätzlich diskutieren sollten; der Startpunkt sollte wohl bei Stadt- und Regionalplanung liegen. Die negativen Beispiele in den USA zeigen uns, wo der Weg hingeht, wenn man der totalen Individualisierung des Verkehrs nicht rechtzeitig entgegensteuert. Elektroautos können eine Rolle in zukünftigen Mobilitäts-szenarien darstellen, viel wichtere Fragen sollten aber vorweg geklärt werden.

Freitag, März 13, 2009

Winnenden der "Black Swan"

In Winnenden in Deutschland wurden bei einem Amoklauf eines 17-Jährigen 16 Personen vorwiegend Schülerinnen und Schüler der Realschule getötet. Natürlich ist dieses Ereignis jetzt in allen Medien vertreten und eine hektische Berichterstattung löst die nächste ab. So tragisch dieses Ereignis ist, ich fürchte es ist geradezu ein Symbol für die Unvorhersagbarkeit und gleichzeitige Verletzbarkeit der heutigen Gesellschaft.

Zunächst kann man feststellen, dass es sich bei diesem Amoklauf um ein Ereignis handelt, dass (jedenfalls in Europa) äußerst selten vorkommt. Wir haben hunderdtausende Kindern und Jugendlichen die jeden Tag in die Schule gehen, die 5 Tage die Woche Unterricht haben und wo, wie gesagt, nahezu niemals etwas vergleichbares passiert. Dieses Ereignis ist, wie Nassim Taleb sagen würde, ein "black swan". Wie er richtig analysiert: wir sind sehr schlecht im Vorhersagen von (extremen) Ereignissen die nicht häufig vorkommen, und die man nicht leicht durch einfache (lineare) Modelle beschreiben kann. Taleb bezieht sich zwar in erster Linie auf die wirschaftliche Entwicklung, aber das Prinzip ist hier wohl dasselbe. Die möglicherweise bitterste Erkenntnis die man aus diesem Amoklauf ziehen muss ist, also die, dass man derartige Katastrophen einfach nicht vorhersagen und schon gar nicht verhindern kann.

In den verschiedenen Interviews nach der Tat mit Personen die den Täter gekannt hatten, wurde einhellig festgestellt, dass es keine Anzeichen gab die auf eine solche Tat hätten schliessen lassen. Ein unauffälliger junger Mann; vielleicht etwas eigen und zurückgezogen, depressiv und auch nicht besonders erfolgreich. Aber auf wieviele andere Jugendliche in Deutschland trifft eine derartige Beschreibung zu? Er hat sich auch durch keine früheren Gewalttätigkeiten "ausgezeichnet" oder gar die Tat angekündigt (entgegen einer Falschmeldung).

Obwohl nach solchen Ereignissen ja gerne alle das Gras wachsen hören und aus kleinsten Begebenheiten versucht wird der Weg zur Tat wie eine Kausalkette darzustellen, so ist dies auch in Fall von Winnenden kaum möglich. Im ZDF wurde z.B. der ehemalige Tischtennislehrer des Täters interviewt. Der Reporter hat den Lehrer nahezu zu einer Aussage gedrängt "ob es denn nicht irgendetwas in der Vergangenheit gegeben hat, was als Hinweis auf diese Tat gesehen werden könnte". Und trotz dieser suggestiven Fragen konnte der ehemalige Lehrer sich an keinerlei nennenswerte Vorkomnisse erinnern. Andere Zeugen haben sich offenbar in ähnlicher Weise geäußert.

Wir müssen vermutlich lernen, dass in der heutigen sehr komplexen Welt solche Ereignisse nicht vorhersagbar sind und fallweise von Tätern begangen werden die wirklich selbst bei gründlichster Betrachtung vorher keine nennenswerten Auffälligkeiten zeigen und andere, die Auffälligkeiten zeigen solche Taten nicht begehen. Der Versuch noch gründlichere Vorhersagemodelle, psychologische Studien und dergleichen zu entwickeln wird nicht fruchten. Jugendliche die sich vor der Tat genauso verhalten haben wie dieser Täter, auch solche die unter Depressionen leiden, wird man in Deutschland hunderte, wenn nicht tausende finden. Selbst eine Totalbespitzelung aller Jugendlicher (auch wenn solche Konzepte manchen Politikern ins Konzept passen) würde an der Tatsache der Unvorhersagbarkeit nichts ändern.

Allgemeiner gesagt: wir werden von dem Gedanken Abschied nehmen müssen Ereignisse bestimmter Kategorien vorhersagen oder verhindern zu können. Taleb schlägt in seinem Buch (bezogen auf die Wirtschaft) daher einen anderen Weg vor; kurz gesagt: wenn wir gewisse Dinge schon nicht verhindern können, so sollten wir unsere Systeme wenigstens so gestalten, dass im Falle des Ereignisses der Schaden möglichst gering bleibt. Dies betrifft wirtschaftliche Systeme, die so angelegt sein sollten, dass Zusammenbrüche einzelner Systeme sich nicht leicht auf das Gesamtsystem fortpflanzen können. Dies betrifft aber auch Technologien wie bspw. bestimmte Arten von Atomkraftwerken oder Aspekte der Biotechnologie. Zugegeben: die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles mag sehr gering sein, das Problem ist aber, dass im Falle der Katastrophe der Schaden äußerst groß sein kann.

Im Fall von Winenden wurden bestimmte Massnahmen vorher ja tatsächlich relativ erfolgreich getroffen; beispielsweise war die Polizei sehr schnell vor Ort und ist ebefalls sehr schnell eingeschritten. Auch die Schule verfügte offenbar über Pläne wie in solchen Situationen vorzugehen ist. Dies hat die Zahl der Todesopfer vermutlich deutlich reduziert. Dennoch sind 16 Todesopfer nach dieser Tat zu beklagen, ganz zu schweigen von den psychologischen Problemen die viele der Schüler und Angehörige noch lange Zeit plagen werden. Solange Jugendliche selbst in Deutschland aber vergleichsweise einfach an Schusswaffen und Munition herankommen werden sich solche Tagen (auch wenn alle anderen Potentiale ausgeschöpft werden) einfach nicht verhindern lassen.

Hier ist es letztlich eine gesellschaftliche Entscheidung, ob man mit diesem Risiko leben oder ob man beispielsweise den Weg Großbrittaniens gehen möchte: dort wurden privater Waffenbesitz vor einigen Jahren kategorisch verboten. Auch dies ist vermutlich ein harter Weg, aber es ist immerhin eine rationale Möglichkeit. Vielleicht ist dies die einzige Variante die in diesem Fall wirksam gewesen wäre, denn es ist fraglich, ob es dem Jugendlichen gelungen wäre an illegale Schusswaffen heranzukommen und mit Waffen anderer Art hätte er kaum solchen Schaden anrichten können.

Wie immer man sich entscheidet, ich fürchte, dass die nächsten Tagen und Wochen hauptsächlich von irrationalen Diskussionen und auch der Wahnvorstellung geprägt sein werden, man könnte mit geeigneter Schulung von Lehrern, Psychologen, stärkerer Überwachung etc. solche Taten im Vorfeld vorhersehen und damit verhindern. Diesen Irrglauben pflegen auch die Wirtschaftswissenschafter seit Jahrzehnten und werden regelmässig eines besseren belehrt. D.h. sie würden relgemässig eines besseren belehrt werden, weigern sich aber die Lehren aus den verschiedenen Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte zu ziehen.

Wir sollten endlich bescheidener werden und verstehen, dass unsere Fähigkeiten der korrekten Vorhersage stark limitiert sind, ganz besonders wenn es sich um Extremereignisse handelt und versuchen unsere Systeme im vorhinein (!) so auszurichten, dass im Katastrophenfall mögliche Schäden minimiert werden.

Ergänzung: In der Zeit vom 19.3.2009 ist ein Interview mit dem Kulturwissenschafter Joseph Vogl, in dem meines Erachtens nach ähnliche Thesen wie ich sie hier formuliert habe vertreten werden.

Donnerstag, Jänner 29, 2009

Informatiktag: Sustainability and ICT

Heute fand der erste Informatiktag für östterreichische Informatik-Lehrerinnen und Lehrer statt. Wir alle waren vom Interesse überrascht: der Böckl-Saal war voll; viele mussten leider vor oder in der Tür zuhören. Ich durfte den ersten Vortrag zum Thema "Sustainability and ICT" halten.

In dieser Präsentation beschäftige ich mich mit nachhaltiger Entwicklung und der Rolle die die Informatik dabei spielt und gebe einen kurzen Überblick über folgende Aspekte:
  • "Direkter" ICT Footprint: Wie sieht es mit Resourcenverbrauch, Abfall und Energieverbrauch aus
  • Wie können ICT Services Umwelt-, Energie- und Resourceneffizienter umgesetzt werden (mit Beispiel z.B. Cloud Computing)
  • Wie sieht es mit ICT als "Verstärker" aus, d.h. wo führen die Möglichkeiten die ICT bieten zu erhöhter Umweltbelastung in anderen Bereichen (z.B. Logistik, Schnelllebigkeit von Produkten usw.)
  • Wie sieht es mit ICT als "Enabler" aus, also wie kann ICT in anderen Bereichen helfen diese nachhaltiger zu gestalten (z.B. Smart Houses, Smart Grid, De-Materialisierung...)
  • Viele negativen Umwelteffekte werden nicht mehr korrigierbar sein (z.B. Klimawandel); Anpassungsmassnahmen sind unvermeidbar. Wie kann ICT hier helfen?
  • Wie kann ICT als Lehr- und politisches Medium verwendet werden um die komplexen systemischen Zusammenhänge Schülern aber auch Erwachsenen klarer darstellen zu können, sowie sich eventuell auch zu politische Entscheidungshilfen entwickeln (z.B. komplexe Simulationen)
Das Feedback war, denke ich, sehr gut, und die Präsentation ist zum Download verfügbar. Ich wieder hole auch hier gerne mein Angebot: Ich denke, dass es sich um ein sehr wichtiges Thema handelt, dass zwar reichlich komplex ist, aber dennoch in der Schule gut dargestellt werden kann. Da es während der Veranstaltung keine Zeit für Fragen gab biete ich gerne bei Interesse an diesem Themen die Organisation eines Treffen in kleiner Runde an, wo Details diskutiert werden können.

Dienstag, Jänner 20, 2009

Mehr erfolgreiche Projekte wie OLPC!

Ich verfolge gerade mit gewissem Interesse die Aktivitäten rund um das One Laptop per Child Projekt (OLPC). Hier gibt es gelinde gesagt Turbulenzen, manche sprechen wohl von einem Ende des Projektes. Wie dem auch sein mag, dieses Projekt hat mir zu denken gegeben: Was verstehen wir unter Erfolg, bzw. konkreter unter einem erfolgreichen Projekt?

Zunächst kann man analysieren, dass das OLPC Projekt offensichtlich an verschiedenen Stellen gescheitert ist:
  • Der 100$ Laptop kostet 200$.
  • Über die Lebenszeit kostet ein Laptop wohl etwas in der Richtung von 2500$, das hatte man sich vielleicht auch anders gedacht.
  • Die Verkaufszahlen und die Annahme in Entwicklungsländern lassen zu wünschen übrig.
  • Das Projekt hat die Richtung verloren; Negroponte ist sogar in Richtung Windows anstelle des innovativen Sugar geschwenkt—wohl eine der größten Pleiten der Unternehmung.
  • Es ist immer noch unklar, wenn nicht fraglich, ob das Projekt überhaupt in der Praxis funktioniert (im Sinne der Ausbildung von Kindern)
Also ein gescheitertes Projekt.

Ich denke nicht. Für mich ist gerade das OLPC Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie ein Projekt (vermutlich) nach fast äußeren Kriterien scheitern kann (Sugar als Plattform hat vermutlich noch gewisse Hoffnungen) und dennoch als Projekt wichtig und insofern erfolgreich war. Ich denke, Negroponte hat mit dem OLPC in eine Richtung gedacht und gearbeitet, auf die niemand anderer vorher gekommen ist. Innovation bedeutet natürlich auch, dass man nicht vorhersehen kann, ob eine bestimmte Idee funktioniert oder nicht; wüsste man das im vorhinein, wäre die Idee offensichtlich nicht innovativ. Er hat die Frage der Bildung in Entwicklungsländern und des Zugangs zu globalem Wissen anders gedacht und versucht ein neues Konzept umzusetzen. Selbst wenn dieses im Moment gescheitert sein sollte, ist aus meiner Sicht noch nicht absehbar, was wir aus diesem Versuch für die Zukunft lernen können.

Ähnliches konnte man auch in den 90er im Web beobachten, z.B. mit Video on Demand, Software as a Service (SAAS), oder zur Zeit mit 3D Welten wie Second Life. Alle haben eines gemeinsam: sie sind grandios gescheitert, jedenfalls in den 90er Jahren bzw. Second Life und OLPC sind gerade dabei unterzugehen.

Die ewigen Besserwisser unter den Kommentatoren haben es im Nachhinein natürlich immer schon gewusst, dass eine 3D Welt wie Second Life ja eh keiner will, dass OLPC ein ganz falscher Ansatz ist, dass es für Video on Demand und SAAS keinen Markt gibt und sowieso die Bandbreiten fehlen. Und jetzt haben wir Google Docs, Zoho, YouTube und Salesforce. Also doch!?

Manchmal sind Innovatoren einfach ihrer Zeit voraus und weder Kunden noch Unternehmer verstehen die Idee; manchmal scheitern Projekte einfach auch beim ersten Anlauf, weil man die Problemstellung noch nicht richtig versteht und sich diese erst durch das Projekt transparent wird. Manchmal sind neue Ideen einfach auch schlecht und "verdienen" es zu sterben.

Trotzdem: wer es gar nicht erst versucht, kann leicht über andere lachen. Was wir aber brauchen sind Innovatoren die sich Projekte wie Second Life, OLPC, Jini usw. ausdenken, und die sich auch von einer "Niederlage" nicht beeindrucken lassen, denn manchmal wird gerade durch die Niederlage eine Tür für zukünfitge Ideen geöffnet an die man vorher nie gelangt wäre. Wir brauchen eine Gesellschaft die solche Menschen fördert und erkennt, dass Erfolg und Niederlage eben nicht immer schwarz/weiß sind (dies wäre auch in der Forschungsförderung ernsthaft zu bedenken!); dass manche Niederlagen in Wahrheit große Erfolge sind, wenn auch in einem anderen oder größeren Sinne als in der ursprünglichen Unternehmung.

Mittwoch, Jänner 07, 2009

Resourcen-Abhängigkeiten und nationale Sicherheit

In Österreich—und natürlich auch in ganz Europa—werden die Aktivitäten der russischen Gas-Produzenten natürlich heftig diskutiert. Teilweise so, als wären alle ganz überrascht, welche Macht Russland über den Rest Europas in Bezug auf Gas- und Öl-Versorgung hat. Das ist natürlich überhaupt keine Neuigkeit. Die Abhängigkeiten sind massiv, und das wissen wir natürlich seit langer Zeit. Es hat nur kaum jemanden gekümmert, denn solange nur der Erdgeschoss in Brand steht, brauchen wir uns im zweiten Stock ja nicht zu fürchten, da ist ja noch nicht viel passiert, da ist ja noch mindestens ein Stockwerk dazwischen. Um mit Dieter Nuhr zu sprechen: "So ist der Mensch. Ein richtiger Blödmann".

Jetzt dreht Russland am Gashahn und alle werden nervös bis panisch. Nervös hätten wir vor 10, 15 oder 20 Jahren werden sollen, wie wir uns sukzessive stärker in diese Abhängigkeit begeben haben. Ähnliches trifft natürlich genauso für andere Länder bspw. die USA zu. Langsam kommen auch dort Politiker auf die Idee, dass sie eigentlich mit ihrer Abhängigkeit vom Öl auch Abhängig von sogenannten "Schurkenstaaten" sind, und diese damit gleichzeitig kräftig subventionieren. Aber nicht nur das: ein erheblicher Teil des Militärbudgets fließt ebenfalls in die Absicherung dieser Supply Chains, z.B. durch Kriegsschiffe im persischen Golf die Tanker-Routen absichern oder Kriegen im Irak.

Wieso es so lange dauert, bis es langsam auf breiterer Ebene durchsickert, dass Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sowie Versorgung mit anderen problematischen Resourcen—wie Coltan (um nur ein Beispiel zu nennen) von dem alle Produzenten von Mobiltelefonen abhängig sind—nicht nur ein Umwelt-Problem darstellen, nicht nur zu einer nicht-nachhaltigen Wirtschaft führen sondern auch eines der wesentlichsten Themen der nationalen Sicherheit darstellt (oder darstellen sollte). Eigentlich keine Überraschung.

Vielleicht führt diese kleine Gaskrise endlich dazu, erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung nicht nur aus dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes zu sehen, sondern auch im Sinne der nationalen Sicherheit und einer zuverlässigen und sicheren Versorgung der Bevölkerung mit einem wichtigen Gut wie Energie.

Vielleicht beginnen manche auch langsam global nachzudenken ob es gescheiter ist permanent Brände zu bekämpfen und den Schaden davonzutragen oder in Brandschutz zu investieren; anders gesagt: ist es klüger eine Milliarde Dollar in das Militär zu investieren (damit dieses mit Kriegsschiffen Erdöllieferungen ermöglicht) oder diese Milliarde in erneuerbare Energien zu stecken, womit ein Teil des Militärs gleich gar nicht mehr notwendig wäre. Und dies mit einer langfristigen und ökologischen Perspektive!

Eine schwierige Entscheidung...

Montag, Dezember 29, 2008

Das Ende der Ideologie? Hoffen auf "Evidence-based Politics"

Die letzten Monate waren ja von einer Obama-Mania gekennzeichnet, und dies wohl auch nicht ganz unberechtigt. Mir ist aber in Zusammenhang mit der Wahl von Barack Obama eine deutliche Änderung des politischen Stils aufgefallen, die mir bemerkenswert erscheint, und dich ich auch für einen potentiell wichtigen Schritt in eine (bessere) politische Zukunft halte: Betrachtet man die Wahlkampagne und auch die ersten Ernennungen von Beratern Obamas und vergleicht diese mit dem Kabinett und dem "Stil" George W. Bushs so ist die relative Abwesenheit von "Ideologie" offensichtlich.

Das 20. Jahrhundert war politisch von Ideologien geprägt, also von "intellektuellen" Strömungen die spätestens ab der Institutionalisierung in Form von mächtigen Gruppen/Parteien nicht mehr ernsthaft hinterfragt, aber sukkzessive inhaltlich ausgehölt wurden. Dies betrifft zumindest diejenigen Ideologien die das 21. Jahrhundert erlebt haben. Besonders deutlich ist dies z.B. an der Sozialdemokratie zu erkennen: zunächst noch Sozialisten, mit klaren inhaltlichem Ursprung im Marxismus/Leninismus, bewegt man sich Schritt für Schritt von den originären Ideen weg—letztlich hin zu Markt-liberalen Parteien—, behält aber weitgehend die Fassade bei, oder versucht dies zumindest. Das Wegbewegen an sich wäre nicht das Problem, denn alles andere als eine kontinuierliche Entwicklung und Änderung ist für jede Gruppe fragwürdig. Die Welt ändert sich, der Wissensstand ändert sich, die Menschen ändern sich, so muss sich auch die Politik und deren Akteure kontinuierlich hinterfragen. Das ist der natürliche Weg.

Ideologien haben sich aber—selbst wenn sie inhaltlich völlig leer geworden sind—als sehr starke Mittel zur Identifikation innerhalb von Gruppen bewährt. Vermutlich allerdings zunehmend weniger als Definition nach aussen, was vielleicht ein Grund der breiten Politikverdrossenheit ist. Dies gilt bis in die heutige Zeit und gilt auch unabhängig davon ob man sich Sozialdemokraten, Kirchen oder "konservative" (eigentlich reaktionäre) Gruppierungen betrachtet. Fast alle halten keinem zweiten Blick stand und haben ihre Wurzeln auf die sie sich allerdings ständig berufen längst verraten.

Häufig ist dies auch noch gepaart mit einem deutlichen Trend zur Irrationalität, dem nicht-wahrhaben-wollen der längst offensichtlichen Realitäten. Zur Zeit ist dies im Rahmen der "Wirtschaftskrise" offensichtlich geworden. Diese ist natürlich keine "Wirtschaftskrise", denn dieser Name würde nahelegen, die Wirtschaft (das System an sich) wäre in Ordnung; es ist halt, zufällig sozusagen, zur Zeit, gerade in eine Krise geraten. Dies trifft natürlich nicht zu, und wir alle wissen das im Grunde genommen auch: Es ist vielmehr eine "Wirtschaftssystemkrise", und dies ist etwas völlig anderes. Diese Erkenntnis würde viel substantiellere Massnahmen erfordern, als wir bereit sind zur Kenntnis zu nehmen. Wir folgen willig einer inhaltslosen Ideologie gepaart mit Irrationalität.

George W. Bush war, um zur die amerikanische Politik zurückzukehren, leider ein sehr kräftiges Aufbäumen dieser Kombination von Irrationalität und Ideologie. Verrückten Ideen und Glaubenseinstellungen wurde wider besseres Gewissen vernünftige Politik geopfert. Präsident Obama hingegen hat bis jetzt, und darin liegt für mich das wesentlichste Zeichen möglicher Erneuerung, gerade versucht ideologisches Auftreten zu vermeiden. Er stilisiert sich zwar als Führerfigur, aber als eine, die rational entscheidet und sich von Beratern und Beraterinnen umgibt die sich eben nicht in erster Linie durch ideologische Linientreue sondern durch fachliche Kapazität auszeichnen.
"The truth is that promoting science isn't just about providing resources, it's about protecting free and open inquiry. It's about ensuring that facts and evidence are never twisted or obscured by politics or ideology. It's about listening to what our scientists have to say. Even when it's inconvenient. Especially when it's inconvenient!", Barack Obama bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Wissenschaftsberater
Dies sind große Worte gelassen ausgesprochen. Natürlich ist es jetzt viel zu früh ein Urteil über Obama als Präsident abzugeben, aber es stimmt mich optimistisch, dass in den USA—einem Land das so stark von irrationalen fundamentalistischen Strömungen durchzogen ist—ein Mann Präsident werden konnte, der sich von allen mir bekannten Politikern noch am ehesten an einer "Evidence-based politics", also eine Politik die sich nach Fakten und nicht Meinungen orientiert orientiert; zumindest in seinen bisherigen Aktionen.

Vielleicht ist dies ein erster Schritt zum "Ende der Ideologien". Es wäre längst überfällig, und die drängenden Probleme der heutigen Zeit benötigen ernsthaften, globalen, ideologiefernen von rationalen Argumenten getriebenen Diskurs, nicht nationalstaatliche von Interessensgemeinschaften und Firmen betriebene, mit pseudo-Ideologien aufgeladene Aktionen.

Zum Abschluss...

Es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Blog zu lesen. Natürlich sind viele Dinge, die ich hier diskutiere aus einem subjektiven Blickwinkel geschrieben. Vielleicht teilen Sie einige Ansichten auch nicht: Es würde mich jedenfalls freuen, Kommentare zu lesen...

Noch ein Zitat zum Schluß:

"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.

Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)

:-)