Sonntag, 14. Oktober 2007

Im System gefangen

Systemisches Denken

Rupert Riedl beschreibt ein "Umweltquiz", das er in einer seiner Vorlesungen mit Studenten durchgeführt hat (Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985) S 184)

"Angenommen wurde: eine Papierindustrie hätte die Mur ruiniert, und die Schuldfrage sollte gelöst werden. Folgende Liste der Verschulden wurden geboten:
  1. Der Schleusenwärter der Firma - er hat den Wasserhochstand nicht abgewartet. (Nun stieg ich in der Stufenleiter der Verantwortlichkeiten)
  2. Der Abteilungsleiter - seine Direktiven waren zu wenig eindeutig.
  3. Der Direktor - er setzte diePriorität des Baus der Kläranlage nicht durch.
  4. Die Besitzer der Anteilspapiere - sie beeinflussen die Prioritätenliste.
  5. Die Gewerkschaft der Firma - sie setzen Vollbeschäftigung vor Kläranlagen.
  6. Die Nachbarindustrie - sie macht das gleiche Papier billiger.
  7. Die deutsche Papierindustrie - sie exportiert Papier noch billiger.
  8. Die Konsumenten - sie kaufen bei gleicher Qualität das billigere Papier.
  9. Die Werbung - sie empfielt stets bessere Qualität.
  10. Das Handelsministerium - es errichtet keine Schutzzölle.
  11. Die EG - sie nimmt uns bei Schutzzöllen Landwirtschaftsprodukte nicht ab. (Nun stieg ich wieder ab)
  12. Das Bautenministerium - es soll statt Straßen Umweltanalagen fördern.
  13. Die Gewerkschaften - sie drängen auf Straßenbau (wegen der Pendler)
  14. Der Schleusenwärter - er unterstützt die Gewerkschaft."
Es geht hier nun keinesfalls um eine detailierter Analyse dieses Beispiels, sondern um die grundlegende Idee. Man könnte eine ganze Reihe ählicher Beispiele konstruieren: z.B. wer ist verantwortlich für Entlassungswellen in florierenden Unternehmen? Der CEO? Er arbeitet aber doch nur unter dem Druck der Aktionäre, also die Aktionäre; diese reagieren doch nur auf den Druck des Gesamtsystems und der Banken. Also die Banken: aber diese müssen doch hohe Renditen fordern, weil sie damit u.a. die hohen Zinsforderungen der Pensionsfonds und Sparguthaben der Bürger decken wollen. Also am Ende der Entlassene selbst, weil ihm ein Pensionsfond für die Zukunft sowie jedes Jahr ein neuer Fernseher wichtig ist. Oder doch die Politik die...

Wir sollten also eigentlich leicht erkennen wie vernetzt die heutigen Entscheidungsstrukturen sind, und wie systemisch getrieben viele Entwicklungen passieren, und doch können oder wollen wir das nicht wahrhaben und suchen lieber nach "dem Schuldigen". Wieder Riedl (ebenda, etwas später):
"Unsere 'faule Vernunft' wie Kant gesagt hätte, verhält sich so, als ob Ursachen von einem einzigen Kettenglied ausgingen. Zerschießen beispielsweise zwei Fußballmannschaften eine Fensterscheibe des Nachbarn, dann gilt jener Junge als Gesamtursache, von dessen Fuß der Ball zuletzt abgesprungen ist. Ruiniert eine Industrie einen Fluß,so will man die Ursache bei einem einzigen Direktor, Gesetzgeber oder Gewerkschaftler finden. Die aus Fortschritt, Konkurrenz, Ansprüchen und Volksdichte bestehenden komplexen Hintergründe bleiben unbeklagtes Panorama. "
Es ist also nicht nur so, dass wir offenbar prinzipielle Schwierigkeiten haben, systemische Zusammenhänge zu erkennen und im System zu denken, sondern wir sind uns dieses Schwäche nichtmal bewußt, sondern glauben, dass wir Probleme, die systemisch zu denken und zu lösen wären (falls überhaupt) durch konkrete Schuldzuweisungen an einzelne Beteiligte oder durch "Verstellen" singulärer Parameter verändern können. Leider oftmals ein fataler Irrtum, der sich in vielen Krisen der modernen Welt zeigt. (Dasselbe gilt auch für exponentielle Entwicklungen, für die unser "Erkenntnisapparat" nicht ausgestattet ist, weil wir versuchen alles zu Linarisieren. Dumm nur, dass viele moderne Entwicklungen sowohl systemischer als auch exponentieller Natur sind).

Als Beispiel könnte man das oftmalige Versagen der modernen Medizin nennen: und dies liegt nicht an mangeldern Kenntnis einzelner Beteiligter, vielleicht sogar im Gegenteil. Hier stellt sich heraus, dass die Systeme zwar immer teuerer werden (ebenso die Pharmaka), aber die Qualität der Behandlung deswegen keinesfalls steigen muss (siehe dazu die letzte Science Friday Episode). Es wird verstärkt mit immer stärkerem Spezialistentum an Einzeleffekten (im wahrsten Sinne des Wortes) herumzudoktern und nicht das System Mensch (wissenschaftlich, nicht esoterisch!!) systemisch gedacht.

Man denke weiter an die Probleme die durch die Globalisierung der Märkte auf dem Arbeitsmarkt auftreten: Gewerkschaften die kleinkariert die letzten Besitzstände ihrer lokalen Clientelen zu verteidigen versuchen, anstatt zu erkennen, dass die Probleme in einem größeren Maßstab gemeinsam anzugehen sind. Oder Politiker, die glauben, sie könnten Demokratie herbeibomben und nicht verstehen, dass Demokratie eine Qualität ist, die nur aus bestimmten gewachsenen Systemen mit der notwendigen Zeit entstehen kann.

Aus Optionen werden Zwänge

Eine weitere systemische Eigenschaft die mir erst kürzlich richtig bewusst geworden ist möchte ich noch kurz ansprechen. Ich stelle fest, dass es häufig zu beobachten ist, dass neue Qualitäten in einem System sich zunächst als interessante Optionen darstellen. Dies trifft solange zu, solange nur wenige Teile des Systems sich dieser neuen Qualitäten bedienen. Daher kommen sie typischerweise auch "harmlos" daher und es werden zunächst von der Mehrheit ignoriert und kaum deren negativen Aspekte betrachtet (weil es ja eine Option und kein Zwang ist!). Die erfolgreicheren jedoch durchdringen aber schrittweise das komplette System und ebenso schrittweise mutieren diese vorherigen Optionen zu Zwängen. Nicht etwa weil sie sich in der individuellen Qualität geändert haben, sondern weil sie von einer individuellen Option zu einer systemischen Eigenschaft geworden sind.

Konkrete Beispiele: das Auto war zu Beginn in dem vorherrschenden gesellschaftlichen System eine "drollige" Spielerei einzelner Technik-verliebter. Später vielleicht eine Option: Mit dem Auto fahren statt mit dem Zug oder Fahrrad. Also keinesfalls etwas, das bestehende Strukturen gefärdet hätte. Mit der Zeit aber nimmt die Zahl der Autos zu (all das geschieht graduell und zunächst nicht explosiv), und so passen sich ebenso graduell bestehende Systeme an: es werden Strassen gebaut, Tankstellen, Parkplätze. Und es geht weiter: lokale Versorgung (Greißler, Handwerker...) werden zunehmend überflüssig weil man ja leicht zum größeren Shopping Center fahren kann. Und plötzlich stellen wir fest: es ist keine Option mehr! Was vorher gerade noch eine nette Alternative war, eine Erleichterung, wird unversehens zum Zwang. Wir kommen kaum mehr zum Einkaufen ohne Auto, und die Pendlerpauschale (ein Paradebeispiel für dümmste Politik, die jedes Verständnis für Systeme vermissen lässt) hat nicht nur dafür gesorgt, dass die bisherigen Pendler sich das Auto leisten können, sondern natürlich auch dafür, dass nun viel mehr Bürger (die bisher in der Nähre ihres Betriebes gewohnt haben) es sich leisten können Kilometer entfernt vom Arbeitsplatz wohnen zu können. Und wiederum: plötzlich wird die Erleichterung, die Option: das Auto zur Notwendigkeit, zum Zwang, die Pendlerpauschale zur Überlebensnotwendigkeit der Systemblinden.

Das kann man weiterdenken zu den billigen Transporten, wo es nichts mehr kostet Wein aus Australien nach Europa zu verschiffen oder Kartoffeln von Süditalien zum Nordkap und zurück: eine wunderbare neue Option, zunächst: plötzlich aber bauen darauf Systeme von Händlern und Transporteuren auf, lokale Strukturen werden verdrängt und was zunächst eine schöne Alternative war, wird zum ökologischen und systemischen Desaster. Und wiedereinmal: keiner will es gewesen sein, jeder hat nur auf systemischen Zwang reagiert.

Man könnte leicht fortsetzen: Das Mobiltelefon; Erleichterung zunächst unterwegs mit Freunden und Familie oder geschäftlich Sprechen zu können wird zum Zwang: man erwartet von uns erreichbar zu sein; das Firmen-Mobiltelefon wird oftmals zum "Überwachungsinstrument". Das GPS im Auto mit Flottenmanagement verknüpft mit mobiler Datenübertragung...

Ich möchte wirklich nicht falsch verstanden werden: auch ich nutze gerne moderne Technologien (wie man an diesem Blog erkennen kann), aber ich finde es ist einen Gedanken wert sich zu überlegen, wie sehr wir manchmal in Systemen und Zwängen gefangen worden sind.

Ein letzter Gedanke hierzu: Ich habe kürzlich ein wenig auf den Greenpeace Webseiten gestöbert: Greenpeace ist ja sicherlich eine Organisation die sich hehren Zielen verschrieben hat. Die also eigentlich auch gegen systemische Zwänge kämpfen müssten; und was sieht man? Sie nutzen das Internet so modern wie kaum jemand anderer (Webseiten, Video, Audio Podcasts, Streams, Blogs...), sie haben Schiffe, moderne Technologie wo man nur hinsieht.

Ist das nicht erstaunlich? Eigentlich nicht: Klar ist natürlich, dass man in der heutigen Welt nur mit zeitgemässen Mitteln "kämpfen" kann, gleichzeitig bedeutet dies aber natürlich auch die Aufgabe von Werten: Das Internet mit allen Computern, die Telekom Industrie, die Schiffs- und andere Hi-Tech Betriebe ist von kapitalistischen Strukturen abhängig, die sich wenig um Ökologie scheren, den Sondermüll nach China exportieren, daneben dort Arbeitskräfte ausbeuten und Energie im Übermass verschwenden. D.h. man muss sich paradoxerweise in dieses System einklinken - obwohl es all diese Fehler hat und all das macht, was man kritisieren möchte - um noch irgendeine Chance zu haben etwas ändern zu können.

Das ist die systemische Paradoxie der heutigen Zeit. Was als neue Freiheit beginnt (und so vermarktet wird) endet nicht oft als systemischer Zwang, dem man beim besten Willen nicht mehr entgehen kann.

"Ich war in den Vereinigten Staaten bei Rockkonzerten, wo viele Leute glauben, dass sie rebellieren. Stattdessen dürfen sie auf diesen Festivals nicht mehr als nur eine Biermarke kaufen und eine Art von Sandwich essen. Sie sind im Konsumsystem gefangen. Dasselbe denke ich, wenn ich die jungen Leute im Netz sehe.", Ted Nelson

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

Hi Alexander,
ich habe einst eine Diskussion über Kapitalismus und den daraus resultierenden systemischen Zwängen geführt. Deshalb habe ich nach diesem Wort gesucht: "systemischer Zwang".
Ich bin froh dass dein Artikel als erstes angezeigt wurde, denn ansonsten wäre nur ein Haufen Müll erschienen, wie ich es bei den weiteren Seiten feststellen durfte.
Ich finden deinen Beitrag sehr gut aufgebaut und weiß auch spontan nichts hinzuzufügen.
Es ist nicht mehr die Frage der Schuldzuweisung die über unsere Zukunft entscheidet. Dazu braucht man nur Dürrenmatt "Besuch der alten Dame" zu lesen. Entscheidend für die Zukunft ist die Systemfrage. Und ich wünsche jedem den Mut diese Frage zu stellen: Wollen wir in diesem System leben, denn offensichtlich (obwohl hier gerne die Schuld abgeschoben wird) führt dieses "hocheffektive, innovative, wohlstandserzeugende" Wirtschaftssystem zu irreversibelen Schäden für Mensch und Natur. Da es aber im eigentlichen Sinne kein System gibt sondern nur Menschen die nach einem gewissen Standpunkten handeln ist nicht das System Schuld, sondern nur wir selber, da wir gewisse Verhaltensweisen reproduzieren, ohne zu reflektieren was das eigentlich für Auswirkungen hat. Manche würden es als Fluch bezeichnen. Aber das wird sich noch zeigen...

Alexander Schatten hat gesagt…

Hallo Christoph


danke für deinen Kommentar. Ich gebe dir im Prinzip auch Recht, das Problem ist aber gerade, dass mir selbst (und offenbar den wenigsten) klar ist, an welcher Stelle man den Hebel am effizientesten ansetzen kann.

Natürlich hast du Recht, dass es die Aktionen Einzelner sind, die das System ausmachen, aber ein Punkt den ich in diesem Posting aber auch in zwei anderen herausarbeiten wollte ist der geradezu absurde Sog den einmal etablierte Systeme auf Teilnehmer des Systemes ausüben. Wir haben ein "Niveau" erreicht, wo man gewissen Dingen gar nicht mehr ausweichen kann.

Ein kleines Beispiel: ökologisches Einkaufen: wie soll das gehen? Wir haben Supply-Chains aufgebaut an denen wir als Normalbürger nicht mehr vorbeikommen. Auch der Ökobauer fährt mit dem Auto zum Markt. Auch "shop local" ist nicht die Lösung. Neue Berechnungen zeigen z.B. dass (entgegen meiner Erwartung) der Transport der Lebensmittel nur einen sehr geringen Beitrag an der CO2 und Umweltbelastung ausmachen. Wir wissen also fallweise gar nicht genau, was eine gute Entscheidung wäre.

Auch der Lebensstil: wir Leben in einer Gesellschaft wo man ohne Auto, öffentlichen Verkehr, Gasheizung, Computer etc. gar nicht mehr Leben kann; es gibt keine Höhlen mehr in die man sich zurückziehen kann, und wenn man es könnte wäre auch dieser Lebensstil wegen der schieren Menge der Menschen nicht mehr nachhaltig.

Das trifft auch für Organisationen zu: wenn man in einer Organisation z.B. einer Universität, einem Staat zu dem Schluss kommt, dass man eigentlich sehr große Änderungen machen müsste um "zu überleben" so traut man sich als Individuum dies gar nicht vorzuschlagen, weil man ganz genau weiß, dass man als Spinner abgetan wird und somit überhaupt nichts erreicht. Dass man im Nachhinein vielleicht Recht bekommt ist wenig hilfreich.

Mit anderen Worten: die meisten Systeme und Organisationen die wir kannen scheinen de facto nicht bereit für große Änderungen zu sein, auch wenn diese dringend notwendig wären. D.h. große Änderungen sind mit bestehenden Systemen nicht zu erreichen, sondern erfordern eine Neugründung. Die Amerikanischer haben dies auf gewisser Ebene erkannt: dort wird viel schneller mal eine Firma oder Universität oder andere Organisation zugesperrt und eine neue mit anderem Konzept erfunden. Bzw. neue Ideen haben es dort leichter sich zu etablieren.

Leider sind nun aber die heute wesentlichen Systeme noch viel größer als eine einzelne Firma (die man evt. noch zudrehen kann): Staaten, internationales Finanzwesen etc. Wie soll man diese neugründen?

Zurück zum Individuum: Was aber soll der Einzelne sinnhafterweise machen? Wie kann er bestehende Strukturen ändern, wenn er sie in Wahrheit nicht verlassen kann. Wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe: auch Greenpeace hat Computer, Schiffe und Hubschrauber...

Vielleicht ein paar andere Postings von mir zum Thema:

Unfähigkeit in Systemen zu denken, Das Beschleunigungs-Paradoxon, Nachhaltigkeit und Bevölkerungswachstum

Anonym hat gesagt…

Es ist immer wieder schön so etwas zu lesen, sehr gute Gedankten !
Ich will dazu folgendes sagen:
Wir brauchen keinen Hebel um etwas zu ändern: z.B. Auto: meins steht nur rum ! Ich geh zu Fuß so weit es geht und eben Bahn usw. und es macht viel mehr Spaß ich bekomme ein klares Bild von meiner Umgebung und was sich darin abstpielt ! Fernseher:
ich lass ihn aus und merke wie sich mein Geist langsam von den Zwängen befreit in die er Jahre lang hineingesteckt wurde, schönes Gefühl, dadurch ist auch mein Konsum-Verhalten ein föllig anderes, ich kaufe bewußt ein und keine Schrott mehr... Finanzen: Aktien/Versicherungen: für das Geld, daß ich nicht ausgebe kaufe ich Edelmetall, damit ist etwas auf die Seite geschafft wenn mal nichts durch Arbeit reinkommt ! Das Geld-System versuche ich so wenig als möglich zu Unterstützen , also alles Geld weg von den Banken & Co ! Ich hebe es sofort ab um alles Bar zu bezahlen.
Es eine sehr interessante Erfahrung so zu Leben, mein Umfeld akzeptiert dass und beschäftigt sich somit auch damit... nur so können wir etwas bewegen in dem wir es vorleben dass es auch anders geht! Alles andere sind nur Ausreden und Faulheit !
Wir brauchen so vieles nicht, ohne fühle ich mich viel leichter :)
Noch ein letztes:
Ich habe gemerkt dass die meisten Angst haben vor der Meinung Anderer wenn sie etwas eigenes tun wollen, dabei ist der Witz an dem ganzen dass Dein Umfeld in Wahrheit genau das von Dir sehen will, also dass Du Du selbst bist usw .. Alles anders sind nur festgefahrene fremde Gedanken die sich durch uns alle durchfressen um das zu blokieren.

Alexander Schatten hat gesagt…

Hallo "Anonym" ;-)

danke für deinen Kommentar. Ich bin ganz bei dir, dass man versuchen kann sich von einigen Dingen zu befreien. Viele Dinge die du geschrieben hast kann ich auch selbst nachvollziehen. Fernseher gibt es bei mir auch schon länger nicht mehr und auch ich "commute" hauptsächlich (zumindest wenn es nicht Winter ist) mit dem Fahrrad.

Dennoch; vielleicht möchtest du ein paar andere meiner Blogs Einträge im Bereich "Systeme" lesen: http://snurl.com/3sd3v

das Problem ist, dass wir (1) damit vielen Zwängen bei weitem noch nicht entgehen können und damit doch nur an der Oberfläche kratzen. Nur ein Beispiel: Bis vor etwa 20 Jahren hatten wir etwa 4 Greißler in Geh-Entfernung. Jetzt keinen einzigen mehr. Lebensmitteleinkäufe ohne Auto werden wirklich zur Qual.

Bzw.: dieses Blog: du liest offenbar Blog einträge, hast einen Computer etc. genau wie ich: das bringt uns natürlich ebenso in Abhängigkteiten. Ich arbeite z.B. an Open Source Systemen wie Enterprise Middleware. Sehr spannend. Wird aber natürlich auch dazu eingesetzt um Supply-Chains noch mehr zu koppeln, Lieferung on Demand etc. Also bin ich hier auch wieder mitschuld und eingebunden ins System. Also ein wesentlicher Punkt hier ist: selbst wenn wir wollten, es gibt heute nicht mehr die Möglichkeit als Einsiedler zu leben. Wir *sind* Teil des Systems, mehr oder weniger, ob wir wollen oder nicht.

Allerdings gebe ich dir sehr wohl Recht, dass man mit gutem eigenen Beispiel sicherlich versuchen kann die ärgsten Absurditäten nicht zu unterstützen.

(2) Selbst wenn wir individuell "Engel" sind: die Probleme haben heute einfach einen globalen Massstab. 6-9 Milliarden Menschen in den nächsten Jahrzehnten. Jede Aktivität die nicht global-systemisch passiert verpufft de facto. Das ist das Problem.

Zum Abschluss...

Es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Blog zu lesen. Natürlich sind viele Dinge, die ich hier diskutiere aus einem subjektiven Blickwinkel geschrieben. Vielleicht teilen Sie einige Ansichten auch nicht: Es würde mich jedenfalls freuen, Kommentare zu lesen...

Noch ein Zitat zum Schluß:

"Ich verhielt mich so, als wartete ein Heer von Zwergen nur darauf, meine Einsicht in das Tagesproblem, zur Urteilsfindung von Gesellschaft und Politik zu übersetzen. Und nun stellt sich heraus: Dieses Heer gibt es nicht.

Ganz im Gegenteil erweist sich das kulturelle Getriebe als selbstimmunisierend gegen Kritik und Widerlegung. Es ist dem Lernen feind und wehrt sich in kollektiver Geschlossenheit gegen Umdeutung und Innovation.", Rupert Riedl, Evolution und Erkenntnis, Piper (1985)

:-)